Mehr Mut wird belohnt: Schalke darf nach 4:1 gegen Wolfsburg von Europa träumen

Gelsenkirchen Wenn der FC Schalke 04 so überzeugend gewinnt wie am Samstag beim 4:1 (2:0)-Erfolg gegen den VfL Wolfsburg, dann gehen Spieler und Fans nicht so schnell zur Tagesordnung über. Ein bisschen Partystimmung durfte es in der fast ausverkauften Veltins-Arena schon sein.

  • FC Schalke 04 - VfL Wolfsburg 4:1

    Doppelpacker: Schalkes Guido Burgstaller (l.) bejubelt mit Alessandro Schöpf sein Tor zum 4:0. Stürmertore hatten den Königsblauen lange gefehlt. Foto: Guido Kirchner (dpa)

Schließlich darf Schalke nach diesem klaren Sieg intensiver denn je doch noch von einer Europa-League-Teilnahme träumen. Zunächst begann die Nachspielzeit nach dem Schlusspfiff mit dem königsblauen Maskottchen Erwin, der minutenlang von der Nordkurve gefeiert wurde. Und dann ging es weiter in der Mannschaftskabine mit einem Kasten Bier, den offenbar der sichtlich zufriedene Schalke-Boss Clemens Tönnies spendiert hatte.

Schalke hat in der „ganz merkwürdigen Saison“ (O-Ton-Manager Christian Heidel) plötzlich wieder Selbstvertrauen getankt. Gerade rechtzeitig vor dem Viertelfinal-Hinspiel der Europa League am Donnerstag (21.05 Uhr) in Amsterdam präsentierten sich die Blau-Weißen in guter Verfassung.

Und auch Schalke-Trainer Markus Weinzierl strahlte. Denn der 42-Jährige hatte sich für eine mutige Taktik entschieden. Nabil Bentaleb spielte als einziger Sechser vor der Abwehr, während Leon Goretzka und der überragende Max Meyer das Offensivspiel ihrer Mannschaft so ankurbelten, dass den biederen Wolfsburgern Hören und Sehen verging.

Vor allem in der Anfangsphase stolperten die Niedersachsen von einer Verlegenheit in die nächste. Mit der Schalker 2:0-Führung durch Guido Burgstaller (6.) und Goretzka (23.) waren die „Wölfe“ noch gut bedient. Das Urteil von Wolfsburgs Trainer Andries Jonker („In den ersten 23 Minuten waren wir grottenschlecht“) fand nicht den geringsten Widerspruch. Und später wurde der Auftritt der Gäste auch nicht besser. Schalke dominierte nach Belieben und konnte in der zweiten Halbzeit einen Gang zurückschalten.

„Die Zweikampfquote beim Spiel in Bremen war unser Problem. Diesmal haben wir es mit dieser Aufstellung im Mittelfeld mit Bentaleb, Goretzka und Meyer gut hinbekommen. So haben wir in Mönchengladbach in der zweiten Halbzeit und in der Schlussphase gegen den BVB gespielt“, erläuterte Weinzierl, der gleich auch noch eine Kampfansage an die Adresse der Europa-League-Konkurrenten richtete. „Wir waren noch nie so nahe dran an Platz fünf wie jetzt. Nun werden wir in den verbleibenden Spielen sechsmal auf Sieg spielen“, betonte der 42-Jährige.

Mit mehr Mut nach Europa lautet das Schalker Motto für den Saisonendspurt. Gegen Wolfsburg lohnte sich die offensive Ausrichtung, auch weil Torjäger Burgstaller gleich zweimal knipste und seine Torquote auf sechs Treffer in der Bundesliga erhöhte. „Guido ist ein Garant für den Erfolg. In der Vorrunde haben uns Stürmertore besonders gefehlt“, lobte Weinzierl den in der Winterpause verpflichteten Österreicher.

Choupo-Moting fehlt in Amsterdam

Auch die Außenbahnspieler profitierten von der angriffslustigen Taktik. Daniel Caligiuri, in Bremen noch Rechtsverteidiger, gelang das vorentscheidende 3:0 (48.), während Eric Maxim Choupo-Moting auf der linken Seite zwei Treffer vorbereitete. Allerdings wird Weinzierl mindestens in den nächsten beiden Pflichtspielen auf den Kameruner verzichten müssen. Choupo-Moting zog sich gegen Wolfsburg eine Reizung mit Bluterguss im linken Knie zu und muss mindestens eine Woche pausieren. Danach soll eine MRT-Untersuchung weiteren Aufschluss über die Schwere der Verletzung geben. Das war die einzig schlechte Nachricht des Wochenendes für die Königsblauen. Doch die neue Zuversicht auf Schalke konnte das nicht trüben.

Damit die Saison für Schalke in der Bundesliga zu einem glücklichen Ende führt, müssen die Blau-Weißen jedoch die Diskrepanz zwischen Heim- und Auswärtsspielen in den Griff bekommen. 27 Punkte holte Schalke in der Veltins-Arena, nur zehn auf fremden Plätzen.

Heidel erwartet in Amsterdam „eine hitzige Atmosphäre“. Denn der Sportvorstand hat dort schon öfter Spiele verfolgt. „Ajax ist eine richtige Hausnummer und keine Laufkundschaft. Wir erwischen sie gerade in ihrer allerbesten Phase“, warnte Heidel. Denn Ajax gewann vier seiner letzten fünf Pflichtspiele.
KOMMENTARE

Schreiben Sie den ersten Kommentar!

?

KOMMENTAR HINZUFÜGEN

Überschrift (max. 70 Zeichen)
Meine Meinung (Noch  Zeichen verfügbar.)
Registrieren Sie sich kostenlos, um Ihren Kommentar abzuschließen.
Um sich registrieren zu können, müssen Sie uns mindestens einen Benutzernamen, ein Passwort und Ihre E-Mail-Adresse mitteilen.