Mentalität siegt: Schalke gewinnt das 175. Revierderby

Gelsenkirchen Als wenn jedes Gegentor, jeder höhnische Fan-Gesang und jede Stichelei des Gegenspielers nicht schon ohnehin schmerzen würden, kommt dann in einem Derby immer unweigerlich der Moment, wo es für die Verlierer besonders schlimm wird. Nach dem Abpfiff gibt es die ausgiebigsten Jubelarien auf der einen Seite. Für die Verlierer hingegen bleibt nur der neidische Blick zur Seite und die Gewissheit, mit dieser Schmach nun einige Monate leben zu müssen.

  • FC Schalke 04 - Borussia Dortmund

    Schalkes Naldo (o.) schreit die Freude über sein Freistoßtor zum 2:0 heraus, Dortmunds André Schürrle schaut bedient aus der Wäsche. Foto: Ina Fassbender (dpa)

In der Veltins Arena war das am Sonntag nicht anders. Die Siegesfeier der Schalker auf dem Platz dauerte gut 15 Minuten. Man sah Trainer Domenico Tedesco, der sich eher widerwillig dazu überreden ließ, in der Nordkurve aufs Podest zu klettern, wo der Capo die Fan-Gesänge anstimmt. Das Schunkeln und Tanzen wollte kein Ende nehmen. „Eigentlich“, meinte Tedesco später, „hätte da die Mannschaft hingehört.“ Abgesehen vom Problem mit der Tragfähigkeit der Konstruktion bei einer derartigen Beanspruchung hatte Schalkes Trainer aber vor allem das Gefühl, „dass die Ultras das Stadion abgebaut hätten, wenn ich nicht gekommen wäre.“

Dortmunder Mangel

Neben ihm saß Peter Stöger, der Dortmunder Trainer, dessen Miene eine große Resignation ausdrückte. Stöger hat ganz andere Probleme, das war ihm auch schon vor diesem Spiel bekannt. Aber der erste Schalker Derbysieg seit dreieinhalb Jahren führte allen doch ziemlich schmerzhaft vor Augen, wie groß der Mangel ist, den der Österreicher verwalten muss. Sein BVB lag nach den 90 Minuten erstaunlicherweise in vielen offiziellen Statistik-Kategorien vorn (Ballbesitz, Zweikämpfe, Passquote). Doch Derbys werden bekanntlich vor allem durch die Mentalität auf dem Platz entschieden. Und in diesem Punkt waren die Königsblauen der Borussia turmhoch überlegen. Zum wiederholten Male ließ es Dortmund an den meisten Grundtugenden vermissen. Schalke hatte nicht nur die bessere Organisation, sondern kämpfte um jeden Ball, um jeden Meter leidenschaftlich. Es ist ein großes Rätsel in dieser Saison, warum Borussia Dortmund in diesem Punkt immer wieder scheitert.

Ohne Durchschlagskraft und ohne Sicherheit in den eigenen Ballaktionen kam Dortmund für einen Sieg in diesem Derby nicht in Frage. Nach dem Rückstand durch Konoplyankas 0:1 (50.) gingen die Köpfe nach unten. Der Glaube an sich erreichte die Null-Prozent-Linie. Es war bezeichnend, dass dem Tor ein haarsträubender Ballverlust von Marcel Schmelzer vorausging, der sich dafür später bei den Fans entschuldigte. „Sie haben die entscheidenden Situationen besser gelöst“, meinte Stöger ehrlich. „Damit geht der Sieg völlig in Ordnung.“
Bis auf einen Freistoß von Marco Reus (23.) brachte der BVB offensiv nichts zustande vor der Pause. Weil Schalke Amine Harit auf Nuri Sahin hetzte, stotterte der Spielaufbau bei der BVB. Schalkes Matchplan funktionierte, die Mannschaft hielt sich bin in die Schlussphase akribisch an die Marschroute. „Die ersten 65 Minuten“, gab Reus zu, „müssen wir uns ankreiden lassen.“

Besser wurde es aber auch danach nicht mehr wirklich. Bis auf Ömer Toprak, der etliche Situationen ausbügelte und der einer der wenigen Dortmunder war, dessen Körpersprache stimmte, und Nebenmann Sokratis blieben alle Dortmunder unter Form. Beim 0:2 stimmte auch die Abstimmung zwischen Roman Bürki und der Mauer nicht – Naldos Schuss zischte ungehindert ins rechte Torwarteck (82.). Batshuayis womöglich schwere Verletzung in der Nachspielzeit nach einer Grätsche von Stambouli war das i-Tüpfelchen auf einen schwarzen Derbynachmittag für den BVB.

Dortmunds Champions-League-Ambitionen erhalten durch die Niederlage einen empfindlichen Dämpfer. Irgendwie muss sich diese Mannschaft nun über die Ziellinie schleppen. Schalke hingegen ist kurz davor, ein beeindruckendes Comeback zu vollenden. Vor einem Jahr rangierte dieses Team auf Platz zehn – und war von einem Derbysieg meilenweit entfernt.
2 KOMMENTARE
16.04.18 11:19

Erst

4:4 in Lüdenscheid gewonnen, und jetzt 2:0 in unserem Wohnzimmer grinsen

16.04.18 11:29

Wenn schon

denn schon, Lüdenscheid-Nord bitte.

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AUTOR
Dirk Krampe
ZUM ARTIKEL
  • Erstellt:
    16. April 2018, 04:43 Uhr
    Aktualisiert:
    16. April 2018, 13:06 Uhr
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