Zwischen Trendwende und Tabellenkeller: Schalke 04 verliert mit 2:4 in Bremen

Bremen Bessere Einstellung, bessere Leistung auswärts bei Werder Bremen - zumindest in der ersten Spielhälfte. Dann kassiert Schalke noch drei Gegentore. Domenico Tedescos Trainer-Stuhl wackelt weiter bedenklich.

  • Werder Bremen - FC Schalke 04

    Bremens Milot Rashica erzielte das 3:1 gegen Schalke. Foto: Carmen Jaspersen

Wie angekündigt hatte Tedesco auf das 0:4-Debakel gegen Fortuna Düsseldorf reagiert: Mark Uth, Amine Harit und Hamza Mendyl gehörten in Bremen nicht zum Schalker Kader, Salif Sané saß erstmals in einem Bundesliga-Spiel nur auf der Ersatzbank, seitdem er das königsblaue Trikot trägt. Auch Omar Mascarell gehörte nicht zum Aufgebot, er war allerdings verletzt.

Und weil derzeit viel über angebliche Disziplinlosigkeiten in der Schalker Mannschaft diskutiert wird, trat Harit auch gleich in Vorleistung und stellte über die „sozialen Medien“ klar, dass seine Nicht-Berücksichtigung „nur mit Fußball“ zu tun habe – das sei die Wahrheit.

Dazu würde auch gehören, dass er die Entscheidung des Trainer akzeptieren und hinter der Mannschaft stehen würde – was ja eine Selbstverständlichkeit sein sollte...

Mit dem abwesenden Harit im Rücken präsentierte sich die neu formierte Schalker Start-Formation gegenüber dem peinlichen Auftritt gegen Düsseldorf tatsächlich wie ausgewechselt. Nach einem Warnschuss von Bremens Maximilian Eggestein (4.) spielten fast nur noch die Gäste, bei denen Breel Embolo bei seinem ersten Spiel von Beginn an seit dem 11. November 2018 stark auftrumpfte.

Es war kein Zufall, dass der Schweizer in der 26. Minute die Schalker 1:0-Führung erzielte – die war völlig verdient, weil vorher jeweils Daniel Caligiuri (12.) und Matija Nastasic (20.) am stark reagierenden Bremer Torhüter Jiri Pavlenka gescheitert waren und ein Schuss von Steven Skrzybski knapp daneben gegangen war (30.).

Andere Körpersprache als zuletzt

Wie der oft erwähnte Blitz aus heiterem Himmel fiel dann der Bremer Ausgleich durch Milot Rashica (31.) – wer genau hinsah, konnte bei der dazu führenden Flanke von Ludwig Augustinsson eine Abseits-Position des in dieser Szene eingreifenden Claudio Pizarro erkennen – der 40-Jährige, der überraschend in der Bremer Start-Formation stand, hatte Schalkes Abwehr zumindest irritiert, was den Video-Assistenten allerdings unbeeindruckt ließ – er griff nicht ein.

Tedesco hatte schon früh umgestellt – nach zehn Minuten machte er aus einer Dreier- eine Viererkette. Benjamin Stambouli, der quasi als „Abwehrchef“ begonnen hatte, rückte ins Mittelfeld, Bastian Oczipka und Daniel Caligiuri zogen sich in die Verteidigungs-Reihe zurück.

Das sah alles ganz gut aus, auch nach dem Ausgleich hatte Schalke das Geschehen relativ sicher im Griff. Bis der Video-Assistent in der 50. Minute dann doch Präsenz zeigte. Max Kruse war im Bremer Strafraum zu Fall gekommen, Oczipka hatte irgendwie seine Hände im Spiel, was Schiedsrichter Martin Petersen zunächst übersehen hatte. Nach Video-Einsicht entschied Petersen auf Elfmeter, den Kruse zum 2:1 für Bremen verwandelte.

Schneiders vorsorgliche Prognose

Schalke musste im 100. Bundesliga-Duell mit Werder nun aufpassen, nicht den Faden zu verlieren. „Man kann auch unglücklich verlieren. Um 22.15 Uhr haben wir ein Gefühl, ob das eine Trendwende war“, hatte Schalkes neuer Sportvorstand Jochen Schneider schon vor dem Spiel vorsorglich erklärt, dass eine Niederlage nicht automatisch das „Aus“ für Tedesco bedeuten müsse.

Tatsächlich wehrte sich Schalke gegen die drohende erneute Niederlage immerhin mit einer ganz anderen Körpersprache als noch in Mainz oder gegen Düsseldorf. Aber der Spielfilm lief jetzt für die Gastgeber, die die sich nun bietenden Räume in der 74. Minute erneut durch Rashica zum 3:1 ausnutzten.

Seit sieben Liga-Spielen sieglos

Embolo konnte in der 85. Minute per Kopf zwar noch auf 2:3 verkürzen, das änderte aber nichts mehr daran, dass Schalke nun bereits seit sieben Bundesliga-Spielen ohne Sieg ist. Martin Harnik traf in der Nachspielzeit noch zum 4:2.

Ob Tedesco auch am Dienstag in Manchester auf der Bank sitzt, wird sich zeigen. Der Auftritt in Bremen gab keine klare Richtung vor – es war ein Spiel zwischen Trendwende und Tabellenkeller.
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