Amokdrohung: Zwei EBG-Schüler wegen Amokdrohung von Schule suspendiert - Eltern in Sorge

Castrop-Rauxel Planten zwei Schüler am Ernst-Barlach-Gymnasium in Castrop-Rauxel einen Amoklauf? Eine E-Mail der Schulleitung an die Eltern sorgt für Sorgen und Gesprächsstoff.

Schulleiter Dr. Friedrich Mayer erklärte in der Mail am Sonntag, dass am vergangenen Montag zwei Zehntklässler festgenommen worden waren, da gegen sie der Verdacht der Planung eines Amoklaufs am EBG bestand. "Mitschüler hatten sich Sorgen gemacht über Bemerkungen der beiden und sind dann schnurstracks zur Polizei gegangen", erklärte Mayer im Gespräch mit der Redaktion. Die sei noch am selben Abend tätig geworden. Was genau die Schüler auf welchem Weg kommuniziert haben, wollte Mayer nicht sagen. Sie hätten aber anderen davon abgeraten, an einem bestimmten Tag in die Schule zu kommen. Als vorläufige Schutzmaßnahme habe er die beiden sofort vom Unterricht suspendiert.

Polizei nimmt Vorfall sehr ernst

"Wir haben das sehr ernst genommen", erklärt Polizeisprecherin Ramona Hörst. Ein Strafverfahren sei eingeleitet worden und die Ermittlungen laufen. Computer und Smartphones der Schüler müssen noch ausgewertet werden. Für die Polizei ist so etwas eine sensible Sache: "Das zieht schnell Trittbrettfahrer nach sich", so Hörst. Und je mehr es davon gebe, desto schwieriger sei es zu entscheiden, was ernst zu nehmen ist und was nicht.

Am Montag sind die Schüler wieder zur Schule gekommen und mussten erst einmal zum Schulleiter und zur Oberstufenkoordinatorin, um "intensive Einzelgespräche zu führen". Auch darüber wurden die Eltern in der E-Mail informiert. Mayer ist es wichtig, dass mit den Schülern jetzt fair umgegangen wird und eine Vorverurteilung vermieden wird: "Gelyncht wird hier niemand."

Schüler stehen unter Beobachtung

Dennoch stehen die beiden jetzt unter verstärkter Beobachtung. "Sollte in den nächsten zwei Wochen bis zu den Sommerferien auch nur der geringste Verdacht aufkommen, dass von einem der beiden eine Gefahr ausgeht, werde ich sofort mit einem erneuten vorläufigen Ausschluss vom Unterricht und einer Meldung an die Polizei reagieren", so steht es in der E-Mail. Das Kollegium und besonders die Fachlehrer seien sensibilisiert. Spezielle Maßnahmen werden nach Angaben von Mayer jedoch nicht ergriffen. Nach aktuellem Stand sei sein Eindruck, dass es sich um "blöde Bemerkungen" gehandelt habe. Mayer: "Die Umsetzung wäre schon alleine am Werkzeug gescheitert", zumindest seien keine Waffen gefunden worden. Mayer sieht kein größeres Gefährdungspotenzial.

Der Vorfall brachte die Elternschaft in Wallung. Die Mutter einer Fünftklässlerin sagte gestern, sie habe eine schlaflose Nacht hinter sich. "Ich habe meine Tochter zur Schule geschickt, aber ich habe ein schlechtes Bauchgefühl", so die Castroperin, die darauf vertraut, dass Polizei und Schulleitung die Situation richtig einschätzen. Sie habe ihrem Kind die E-Mail gezeigt und ihr gesagt, wenn sie Angst habe, könne sie zu einem Lehrer gehen oder nach Hause kommen.

Das Telefon stand bei Martina Barg nicht still

Bei der Schulpflegschaftsvorsitzenden, Martina Barg, stand das Telefon am Sonn- und Montag nicht still. Eltern wollten wissen, ob sie ihr Kind zur Schule schicken können. Letztlich schickte die Schulpflegschaft eine E-Mail hinterher. "Wir sind alle Eltern und jeder hat Angst um sein Kind - jeder muss für sich einen Weg finden, in der heutigen Zeit zu leben." Es sei gut und richtig, dass die Menschen sehr sensibel auf bestimmte Themen reagierten und dass man besser manche Scherze nicht machen sollte. Was vielleicht daraus werden kann, sehe man nun. Die Schulpflegschaft schätzt die Offenheit, mit der das Thema angegangen wird. Barg: "Es wäre prima, wenn die Schärfe aus den Diskussionen genommen werden könnte."