Lippebrücke in Ahsen: 33 Monate bis zur Fertigstellung

DATTELN Die Ahsener brauchen viel Geduld, bis die Verbindung nach Olfen wieder steht. Und sie haben große Sorge vor einer Blechlawine durchs Dorf.

  • Volles Haus bei der Info zur Lippebrücke. Foto: Wallkötter

Die Resonanz war überraschend groß. Rund 160 Bürger, waren zur Infoveranstaltung der Kreise Recklinghausen und Coesfeld in die Stadthalle gekommen, um aus erster Hand etwas über den Neubau der Lippebrücke zu erfahren. Etliche von ihnen dürften die Stadthalle aber enttäuscht verlassen haben. Denn das zweite Großthema, die dringend benötigte Ortsumgehung für Ahsen, spielte keine Rolle.

„Das war schon etwas enttäuschend, dass Versuche, dieses Thema zu diskutieren, abgewehrt wurden“, sagt Jan-Michel Tesmer, Sprecher der Ahsener Initiative IGLO, gegenüber unserer Redaktion. Denn der Kreis hat die Planung von Brückenneubau und Ortsumgehung getrennt, um eine schnelle Ersatzlösung für die seit April 2018 gesperrte Brücke hinzubekommen. Thematisch aber sind Umgehung und Brückenneubau dicht miteinander verwoben. Denn viele Ahsener befürchten, dass nach Fertigstellung der neuen, zweispurigen Brücke, deutlich mehr Verkehr durchs enge Lippedorf fließt. „Der Sicherheitsaspekt muss hier an erster Stelle stehen. Deshalb darf es keinen Schwerlastverkehr geben, solange die Umgehungsstraße nicht fertig ist“, so Jan-Michel Tesmer. Carsten Uhlenbrock vom Kreis Recklinghausen sicherte zu, dass erstens das nicht passieren wird und dass zweitens das Verkehrsaufkommen nicht größer sein werde als zum Stand April 2018. Wie das realisiert werden soll, ließ er allerdings offen. IGLO, so kündigte Tesmer an, will hier aber in jedem Fall am Ball bleiben. „Wenn der Kreis von uns Kompromisse verlangt, dann verlangen wir auch Kompromisse vom Kreis.“

Unerfreuliche Lehrstunde

Was auf der Infoveranstaltung deutlich wurde: Die Ahsener brauchen noch viel Geduld, bis die Verbindung nach Olfen über die Lippe wieder steht und erst recht, bis eine Umgehung fertig ist. Uhlenbrock sprach in Sachen Brücke von 33 Monaten, die sich wie folgt zusammensetzen: zehn Monate Ausschreibung und Genehmigung, elf Monate Planung und zwölf Monate Bauzeit. Nur wann die Frist von 33 Monaten beginnt, ließ er offen. Und das ärgert CDU-Kreistagsmitglied Walter Deckmann: „Das war eine Lehrstunde, wie man mit Bürgern umgeht, um lästige Fragen in der Öffentlichkeit zu verhindern“, schimpft Deckmann. Denn Fragen konnten die Besucher erst nach der Vorstellung der Brückenpläne in kleinen Gesprächsgruppen stellen. „Die Menschen in Ahsen interessiert nicht die Historie der Brücke oder wie sie aussieht, sondern wann sie kommt.“ Auch die Tatsache, dass trotz der dringlichen Problematik keiner der beiden Landräte anwesend war, kann Deckmann nicht verstehen.

Wie berichtet, soll das neue Bauwerk an der Stelle der alten Brücke über die Lippe errichtet werden. Das hat aus Sicht des Kreises den Vorteil, dass im Vergleich zu einer Brücke an einer anderen Stelle auf ein aufwendiges Genehmigungsverfahren verzichtet werden kann. Die Planung sieht eine zweispurige Brücke und eine eigene Spur für Radfahrer und Fußgänger vor, die auf Olfener Seite an das vorhandene Radwegenetz angeschlossen wird. Die neue Brücke wird ohne Stützpfeiler in der Lippe auskommen. Sie besteht aus sogenannten Hohlkästen aus Stahl, die bereits im Werk vorgefertigt werden können. Das spart Zeit und Platz an der Baustelle. Die Stahlkästen, auf die dann später Betonplatten montiert und ausbetoniert werden, sollen von Olfener Seite angeliefert und auf die Widerlager gehoben werden. Die Abrissarbeiten des alten Bauwerks sollen vornehmlich von Ahsener Seite erfolgen.

Der nächste Schritt ist nach Angaben von Kreissprecher Jochen Manz, dass die Kreistage im Mai (Recklinghausen) bzw. Juni (Coesfeld) die Kreisverwaltungen mit der Vorbereitung der Ausschreibung beauftragen.

Die Reaktionen der Dattelner Politik auf die Veranstaltung fallen gemischt aus: Norbert Benterbusch, SPD-vorsitzender in Ahsen, hätte sich gewünscht, eine öffentliche Diskussion zuzulassen. „Was die Ahsener bedrückt, ist die Sorge vor Schwerlastverkehr, wenn die Brücke fertig ist. Dem muss der Kreis einen Riegel vorschieben.“

„Nicht auf die lange Bank schieben“

CDU-Fraktionschef Thomas Benterbusch stößt in das gleiche Horn wie sein Fraktionskollege Walter Deckmann. „Es ist sehr enttäuschend gewesen, dass nicht klar gesagt wurde, wann es konkret losgeht.“ Eine Frist von 33 Monaten spreche auch nicht gerade für eine schnelle Lösung. Er kündigte an, sich dafür einzusetzen, dass die Ortsumgehung nicht auf die lange Bank geschoben wird. „Das muss genauso mit Nachdruck behandelt werden wie der Brückenneubau.“ Er sieht aber auch die Notwendigkeit, Brücke und Umgehung planerisch von einander zu trennen, sonst hätten die Ahsener noch viel länger auf eine neue Brücke warten müssen.

Auch Petra Willemsen (Linke) befürchtet eine Verkehrszunahme im Dorf. Sie hofft, dass die neue Brücke dann auch für eine spätere Ortsumgehung genutzt werden kann.
6 KOMMENTARE
10.04.19 09:39

Man sollte

von Heidrun

die Verantwortlichen einfach mal 33 Monate auf ihr Gehalt warten lassen . Das würde dann alles beschleunigen. Aber so sind es ja nur die Belange der Bürger.

09.04.19 20:25

Rede und Gegenrede

von Boemmel

Also die Diskussion in kleinen Gesprächsgruppen war eine Farce. Man konnte aufgrund der Vielzahl der Besucher und der Lautstärke den Gesprächen nicht folgen. Wenn man schon so ein kritisches Projekt in der Öffentlichkeit vorstellt sollte man auch den Arsch in der Hose haben eine öffentliche Diskussion zuzulassen. Das nennt man Demokratie.
Ferner wurde in der Vorstellung nur darauf eingegangen, dass die Brücke aufgrund des Alters intensiv überwacht wurde. Aber dann hätte man doch schon vor Jahren gesehen, dass die Lebensdauer am Ende ist. Warum fängt man dann so spät an eine neue Brücke zu planen? Kein einziges Wort darüber.

09.04.19 20:09

Der nächste schritt

von r-voelkel@gmx.de

Erfolgt dann im Mai/juni mit der „Beauftragung der Kreisverwaltungen mit der Vorbereitung der Ausschreibungen“; köstlich, das hätte man nicht schon mal in den letzen 2 Jahren ins Auge fassen können? Da brauchen die überarbeiteten Jungs im maroden Kreishaus doch auch ein Jahr für, und man beachte den Plural „Kreisverwaltungen“! Da gründen wir doch im Herbst erst mal ne Arbeitsgruppe, Glück auf!

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