Firma lässt Flugblätter verteilen: Der "Nachbar" aus Berlin

DATTELN Eine Berliner Firma versucht, mit ihrer Plattform „www.nebenan.de“ jetzt auch in Datteln zu landen. Auf Zetteln, die zuletzt in Briefkästen in Meckinghoven steckten, wird der Eindruck erweckt, dass reale Nachbarn hinter den Einladungen stehen. Zunächst einmal wollen die Seitenmacher Namen und Adressen von Bürgern – und natürlich mit der Seite Geld verdienen.

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Für vier Dattelner Stadtteile sind auf der Internetseite bereits Gruppen angelegt – registriert haben sich bislang wenige.

Auf den Einladungsschreiben wird der Wert einer „starken Nachbarschaftsgemeinschaft“ gepriesen. Via Internet könne man sich vernetzen, kennenlernen, gemeinsame Aktivitäten planen und einander helfen, heißt es.

Das klingt erst mal gut, wäre da nicht die Sache mit der Anmeldung: Wer sich registriert, der muss seinen vollen Namen und die komplette Anschrift preisgeben. „Damit nur Menschen mitmachen, die real existieren“, erklärt uns Ina Brunk, eine der Gründerinnen des Berliner Start-up-Unternehmens Good Hood GmbH, das die Plattform „www.nebenan.de“ betreibt.

Wir haben sie nach ihren Beweggründen gefragt. „Nachbarn sollen dadurch wieder näher zusammenrücken. Es ist schade, dass sich viele heute gar nicht mehr kennen.“ Selbstlose Motive, so scheint es. Aber was hat das Unternehmen dann davon? Dass mit den Daten der Teilnehmer Handel getrieben werden könnte, weist Ina Brunk zurück. Allerdings räumt sie ein, dass die Good Hood GmbH nicht aus reiner Nächstenliebe agiert, sondern mit www.nebenan.de sehr wohl Geld verdienen wolle. Profite erhoffe man sich in Zukunft durch Werbeeinnahmen.

Einladung vom "Fake-Nachbarn"?

Als neulich im Beisenkamp und in Hagem Einladungszettel für die Nachbarschaft „Schwakenburg“ (das Sträßchen liegt bekanntlich an der Losheide) verteilt wurden, warben auf diesen „Eure Nachbarn Rashad und Hussein vom Beethovenplatz“. Zweifel, ob die einladenden Nachbarn real existierende Personen sind, gibt’s schon lange – in Datteln und anderen Städten. Dass mit „Fake-Nachbarn“ gearbeitet werde, bestreitet Ina Brunk. „Alle Nachbarn auf den Einladungen sind bei uns echt.“

Auf den Meckinghover Schreiben laden dagegen Ina Brunk und Geschäftsführer Till Behnke ein. Warum dort kein Nachbar? „Für Meckinghoven gab es noch keinen Starthelfer“, sagt Ina Brunk.

Die Verbraucherzentrale NRW hat die Nebenan-Plattform noch keiner Bewertung unterzogen, sagte uns Pressesprecherin Mechthild Winkelmann. Sabine Hübner von der Stadtverwaltung rät Bürgern, mit der Angabe persönlicher Daten im Netz generell vorsichtig zu sein.
4 KOMMENTARE
11.08.17 10:03

Bei uns

lag vor einem halben Jahr ein Stapel Zettel vor der Tür, nicht im Briefkasten. Zur Information kurz gegoogelt und danach ab in die Tonne. Nachbar sind für mich Menschen im Haus und in den nebenan liegenden Häusern und nicht die aus ganz Herten.

11.08.17 08:31

Gute Idee...

... oder nicht, das muss jeder für sich selbst entscheiden.

Merkwürdig, dass von realen Nachbarn gesprochen wird, die Stadtteile aber nie zu dem "Willi Müller aus der Musterstraße" passen. Die Verteilung der Flyer ist auch äußerst merkwürdig. Meine Nachbarn haben einen Zettel bekommen, ich nicht. Es ist ein Doppelhaus - eine Hälfte bekommt es, die andere nicht? Und bei uns ist es "Willi Müller aus Oer" - wir wohnen aber in Klein Erkenschwick. Ist also keine lokale Aktion.

Dass die Firma damit Geld verdienen möchte, überrascht mich nicht. Ob die Gründer damit so viel Geld verdienen wie der gute Zuckerberg wage ich allerdings zu bezweifeln.

11.08.17 08:25

Nachbarn

geht nur als GmbH.Alles Andere ist schlicht verboten.
Natürlich hat man nach "Facebook" geschielt. Träumt von einer einer solchen Karriere.
Den Nachbarn kenne ich schon. Bei Facebook liegt der Reiz ja eher bei dem neuen, unbekannten.
Stellt sich die Frage:lieber fünfhundert Freunde, oder fünfhundert Nachbarn?
Darüber zu berichten ist Aufgabe einer Zeitung.

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