Harter Crash Kurs für Zehnerklassen: Ein Happy End gibt es nicht

DATTELN Crash Kurs NRW ist eine Kampagne, bei der Polizei, Feuerwehr, Rettungsdienste, Notfallseelsorger und Schulen zusammenarbeiten, um junge Fahrer für die Gefahren im Straßenverkehr zu sensibilisieren. Der Crash Kurs macht am Freitag Station in Datteln. Für die Schüler der zehnten Klassen von Haupt- und Realschule sowie Gymnasium, wird schnell klar: Der Titel der Veranstaltung ist wirklich nicht überzogen.

  • Nichts für schwache Nerven: Die Zehnerklassen der weiterführenden Schulen verfolgen in der Realschule die schonungslosen Bilder, Berichte und Filme vom Crash Kurs. Foto: Bialas

Authentische Bilder, Filme und Berichte stehen bei „Crash Kurs NRW – Realität erfahren. Echt hart.“ im Vordergrund. Die Zehntklässler wissen, was sie erwartet, als sie in der Aula der Realschule Platz nehmen. Nervöse Spannung liegt in der Luft. Paul (16) gibt sich noch cool: „So schlimm wird es schon nicht werden.“ Carina (15) und ihre Freundin Leah (15) haben sich in die letzte Reihe gesetzt. Ihnen ist ein wenig mulmig zumute, sie haben gehört, dass die gezeigten Bilder nichts für schwache Nerven seien. Notfallseelsorger und Polizisten reihen sich rund um die Schüler auf, sie haben alle gut im Blick, um rechtzeitig eingreifen zu können, sollte es jemanden bei den gezeigten Bildern nicht gut gehen.
 

Auch die Opfer hatten viele Wünsche

Ute Honvehlmann vom Kommissariat Verkehrsunfallprävention/Opferschutz startet mit einer kurzen Einleitung. Im Vorfeld sind die Schüler nach ihren Lebensträumen befragt worden. Reisen, gute Jobs, Kinder bekommen – so lauten unter anderem die Wünsche der jungen Leute. „Genau diese Wünsche hatten auch die Opfer, die Sie auf den Bildern und Filmen sehen“, sagt Ute Honvehlmann und der Crash Kurs beginnt. Das Licht bleibt an, als sich Bild an Bild von Verkehrsunfällen reiht. Zerstörte Autos, die wirken, als hätten sie eine Schrottpresse durchlaufen, lassen ahnen, dass ihre Fahrer nicht überlebt haben. Rettungswagen, abgesperrte Straßen, weiße Tücher, die leblose Körper verhüllen.
 

Ein Lehrer kollabiert

Die ersten Schüler verlassen die Aula. Carina und Leah rutschen näher zusammen. Judith Holländer von der Polizeiwache Bottrop berichtet schonungslos von einem Unfall, bei dem ein verantwortungsloser Raser im Geschwindigkeitsrausch eine 18-jährige Radfahrerin 30 Meter durch die Luft schleudern ließ. Ihre nüchterne Erzählung lässt weitere Schüler „in die Knie“ gehen. Ein Lehrer kollabiert. Alle werden durch das Seelsorgeteam aufgefangen.

Johannes Klute von der Dattelner Feuerwehr erzählt von einem Rettungseinsatz in Ahsen. Das Schweigen im Raum nimmt weiter zu, alles ist so nah. Zwischendurch gibt es kurze Filme als Einspieler. Alle beginnen mit Spaß, Lifestyle und vergnügten Jugendlichen. Alle enden in einer Tragödie, bedingt durch Raserei, Alkohol und weiteren Drogen, nicht angelegte Sicherheitsgurte oder Ablenkungen durch das Handy.
 

Schüler warten auf Versöhnliches

Dr. Volker Pakschies, Notarzt im Vincenz-Krankenhaus und Notfall-Seelsorger Peter Bromkamp berichten über ihre Erlebnisse. Schonungslos offen, ein Happy End gibt es nicht. Die Schlussbilder von Orten der Trauer, gekennzeichnet durch Straßenkreuze und Gedenksteine, lassen erneut Schüler nach draußen eilen. Realität erfahren ist echt hart. Leah weint, aber sie möchte nicht gehen. Die Schüler erwarten noch etwas Versöhnliches, aber das gibt es nicht.

Crash Kurs NRW möchte nur verdeutlichen, dass ein kurzer Moment, ein unbedachtes Handeln, ein ganzes Leben zerstören kann. Und dass jeder für sein Leben Verantwortung trägt. Das zu vermitteln, ist auf beeindruckende Art und Weise gelungen.
2 KOMMENTARE
03.03.18 08:25

Die Erkenntnis..

von Cathy

was im Straßenverkehr alles passieren kann, bleibt den jungen heranwachsenden hoffentlich im Gedächnis..
"Fahrt nie schneller,wie euer Schutzengel fliegen kann"

02.03.18 16:31

Ich...

von xpeddax

möchte keinem der Schülern/innen zu nahe treten, aber ich hoffe, die gezeigten schrecklichen Videos und Bilder erwirken ein nachhaltiges "Gesundes Verhalten" bei den Schülern/innen und nicht nur bis zur nächsten Party. Ist nur gut gemeint. Jeder von denen hat ein Recht auf ein gutes, langes Leben

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