Hitze: Extreme Trockenheit macht nicht nur Landwirten zu schaffen

Datteln Für Gartenbesitzer steht in diesen Tagen das abendliche Programm fest: Wässern, was das Zeug hält. Die anhaltende Trockenheit lässt den Wasserverbrauch nach oben schnellen. Nicht nur bei den Bürgern, sondern auch bei der Stadt.

  • Bewässerung Stadt Datteln

    5000 Liter Wasser verteilt die Stadt pro Tag mit diesem mobilen Wassertank. Foto: ANDREAS KALTHOFF

Seit Anfang Mai ist der mobile Wassertank der Stadt im Dauereinsatz. 5000 Liter verteilt der städtische Mitarbeiter pro Tag, um zumindest Beete in der Innenstadt und Neuanpflanzungen vor dem Vertrocknen zu retten.

Inzwischen, so erklärt Stefan Papendieck, Leiter der Grünlagen, ist ein zweites Fahrzeug mit Wassertank im Einsatz, das sich primär um relativ junge Bäume kümmert. Bei 8000 städtischen Bäumen an den Straßen und in den Parks ist aber klar, dass nicht alles gewässert werden kann. Und das hat Folgen. Bei älteren Bäumen sei es bereits zum sogenannten Sommerbruch gekommen, sagt Papendieck.
 

Getreide muss 14 Tage früher geerntet werden

Die Bäume schmeißen ganze Äste ab, um die Versorgung mit Wasser in andere Bereiche zu leiten. Unter zahlreichen Bäumen sieht es zudem bereits wie im Herbst aus, die Bäume verlieren als Schutzmaßnahme reichlich Blätter. Angesichts dieser extremen Trockenheit bittet die Stadt deshalb auch Bürger, städtische Bäume oder Beete vor der eigenen Haustür mit zu wässern. „Es wäre toll, wenn uns die Bürger da etwas unterstützen könnten“, so Papendieck.

Die lang anhaltende Hitze macht nicht nur dem städtischen Grün, sondern auch dem Getreide zu schaffen. „Es gab lange keinen Dauerregen mehr und kleinere Schauer reichen nicht aus“, erklärt Heinz Boller, Vorsitzender des Landwirtschaftlichen Ortsvereins. Durch die Frühsommertrockenheit sei das Getreide frühreif und müsse 14 Tage früher als sonst geerntet werden.
 

Ertrag und Qualität der Ernte leiden

Die Wintergerste ist als erstes dran, aber auch andere Getreidearten sind betroffen. Die Erträge sind dementsprechend deutlich niedriger. „Normalerweise werden sieben bis acht Tonnen Getreide pro Hektar geerntet, aber in diesem Jahr ist eher mit fünf bis sechs Tonnen zu rechnen“, so Boller. Er sei mittlerweile über 60 Jahre alt und könne auf eine lange Zeit zurückblicken – eine so frühe Ernte sei absolut selten.

Und nicht nur der Ertrag leide darunter, sondern auch die Qualität. Denn das Getreide habe durch die Trockenheit viel kleinere Körner. Hierdurch sei auch der Viehbestand betroffen, denn „fast alles wird verfüttert – somit leidet auch der Futterwert“, sagt Boller. Durch die globalisierten Märkte komme es zwar zu keiner Knappheit an Getreide, aber „für den einzelnen Landwirt ist es trotzdem fatal.“
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