Silvester-Unglück: Job-Garantie für Kellnerin

DATTELN Der Kellnerin, die in der Silvesternacht am Landhotel Jammertal von einem Feuerwerkskörper getroffen wurde und der daraufhin der rechte Unterschenkel amputiert werden musste, geht es „den Umständen entsprechend gut.“ Das sagte die stellvertretende Hoteldirektorin Antje Dahlke. „Sie hat bei uns eine 100-prozentige Beschäftigungs-Garantie“, verspricht mit Vera Wilms auch die zweite stellvertretende Hotelchefin.

  • Der Prozess um das Silvesterunglück im Jammertal beschäftigt demnächst den Bundesgerichtshof. Foto: Marcel Kusch (Archiv)

Es war kurz nach Mitternacht, rund 350 Gäste feierten das neue Jahr. Die Hotel-Mitarbeiter schenkten Champagner aus. Das offizielle Feuerwerk des Hotels war vorüber, als Gäste – auch vom angrenzenden Campingplatz – ihre eigenen Raketen und Böller abfeuern durften.

Ein bisher Unbekannter zündete auch eine illegale in Osteuropa gefertigte Feuerwerks-Batterie. Diese stürzte um und die Projektile schossen in die Menschenmenge. Dabei wurden 14 Personen leicht – darunter acht Hotelangestellte – und eine 24-Jährige schwer verletzt.

In einer Dortmunder Klinik musste der Kellnerin kurz darauf das rechte Bein bis kurz unter dem Knie amputiert werden. Mittlerweile wurde sie ein zweites Mal operiert. Wann sie aus dem Krankenhaus entlassen wird, steht noch nicht fest.

Die Servicefachkraft hat auch vor ihrer Ausbildung im Landhotel schon im Jammertal gejobbt. „Sie ist eine pfiffige, aufgeweckte Frau. Sie liebt das Kellnern“, sagt Vera Wilms. Noch an dem Abend des tragischen Unglücks sei ihr erster Gedanke gewesen, ob sie wieder in ihrem Beruf arbeiten könne, so Wilms.

Wenn das eben möglich ist, darf sie. „Es ist nicht auszuschließen, dass sie mit einer Prothese auch wieder kellnern kann“, sagt Vera Wilms. Falls das nicht möglich ist, gebe es im Hause noch genügend andere Aufgaben etwa an der Rezeption oder der Verwaltung.

Neben der Hoteldirektion, die eine Belohnung für die Ergreifung des Verursachers in Höhe von 2 000 Euro ausgesetzt hat – die Staatsanwaltschaft weitere 3 000 Euro – habe Barbara Pantförder vom Rotary-Club ein „Netzwerk an Ärzten, Psychologen und einem Sanitätshaus geknüpft, damit die Frau sowohl Tipps als auch finanzielle Unterstützung bekommt“, sagt Antje Dahlke. Es gehe darum, die bestmögliche Versorgung zu gewährleisten.

Zwei weitere Mitarbeiter hätten derweil noch einen Krankenschein, die Wunden müssen noch heilen. Und auch der eine oder andere Gast leidet noch unter Folgeschäden. „Einem Mann ist das Trommelfell geplatzt, das dauert seine Zeit“, so Wilms.

Der Hotelbetrieb läuft indes weiter. Noch in der Nacht auf den 1. Januar mussten die Angestellten das Frühstück für die knapp 200 Hotelgäste vorbereiten. Fünf Notfallseelsorger haben sich an Neujahr um Gäste und Mitarbeiter gekümmert. „Ich weiß nicht, wie wir aufgestellt wären, wenn sie nicht gekommen wären“, sagt Vera Wilms, der man anmerkt, dass das Unglück sie tief getroffen hat.

In den Tagen nach dem Unglück bekam das Hotel haufenweise Briefe und E-Mails mit guten Wünschen. Das Image habe nicht unter dem Vorfall gelitten. „Ganz im Gegenteil, wir haben viel positiven Zuspruch bekommen, und die Mitarbeiter halten untereinander wie eine Familie zusammen“, so Antje Dahlke.

Aus Respekt der schwer verletzten Mitarbeiterin gegenüber werde bei der kommenden Silvesterfeier in elf Monaten nun komplett auf ein Feuerwerk verzichtet und die Hotelleitung denkt auch darüber nach, einen Sicherheitsdienst zu engagieren, der kontrolliert, das auch wirklich niemand Böller und Raketen mitbringt.

Auf Nachfrage der Redaktion teilte Oberstaatsanwalt Dr. Christian Kuhnert mit, dass trotz der Suche nach einem Zeugen mit einem Phantombild bisher der Verursacher nicht gefasst sei und „die Ermittlungen andauern.“
 
Hinweise an die Polizei unter Tel. 0800/ 23 61 111.
5 KOMMENTARE
01.02.16 12:34

Erst mal finde ich es gut

von oediho

das der Arbeitgeber so etwas sagt. Das die Frau eine Jobgarantie hat.
Besser noch das der Unfall von der BG anerkannt wird. Dann ist sie am besten abgesichert. Denn die Zahlen ein Leben lang alles was benötigt wird.

30.01.16 21:02

Was ich will?

von nickelback

Nun, es gibt immer noch Gesetze zum Schutz des Arbeitnehmers. Dort steht unter anderem z.B., daß ich einen Arbeitnehmer eben nur entlassen kann, wenn er nicht wieder gesund wird oder ihm kein anderer Arbeitsplatz angeboten werden kann. Wie oben im Text steht, trifft wohl beides nicht zu.

29.01.16 15:13

Aber ein Arbeitgeber hat auch eine gewisse Fürsorgepflicht.

von nickelback

Zumal das Unglück auch während der Arbeitszeit passiert ist. Ein Arbeitgeber muss doch auch prüfen, ob er einen anderen Arbeitsplatz anbieten kann. Zumindestens würde ich es schäbig finden, wenn man ihr die Kündigung schicken würde. Es muß aber ja auch erst noch abgewartet werden, wie der Genesungsprozeß verläuft und evtl. auch, ob die Frau dort selber noch arbeiten möchte.

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