Festnahme: Mutmaßlicher Sexualstraftäter von Polizist in der Dortmunder U-Bahn erkannt

Dortmund Die Dortmunder Polizei hat einen Mann festgenommen, der drei Frauen überfallen haben soll. Der entscheidende Hinweis kam aus Rumänien.

Nach Schichtende hat am Freitagmittag ein Dortmunder Polizeibeamter in der U-Bahn-Station am Stadtgarten den Mann wiedererkannt, der in den Dortmunder Stadtteilen Hacheney, Lichtendorf und Westerfilde drei Frauen brutal überfallen und vergewaltigt oder sexuell genötigt haben soll. Er verständigte sofort seine Kollegen, so dass um 12.39 Uhr die Festnahme erfolgte: Der Tatverdächtige ist 24 Jahre alt, stammt aus Rumänien, hat keinen festen Wohnsitz in Deutschland, übernachtete in Matratzenlagern auch in der Nordstadt und arbeitete gelegentlich für ein rumänisches Unternehmen, das Reinigungs- und Sanierungsarbeiten durchführt.

"Wir haben den richtigen Mann"

"Wir gehen davon aus, dass wir den richtigen Mann festgenommen haben und ihm alle drei Taten nachweisen können", sagte Henner Kruse von der Dortmunder Staatsanwaltschaft am Freitagnachmittag, kurz nachdem ein Richter die Untersuchungshaft für den 24-Jährigen angeordnet hat. Der Verdächtige habe kein erstklassiges Geständnis abgelegt, aber eingeräumt, in der Nähe der Tatorte oder exakt dort gewesen zu sein. Seinen Angaben zufolge habe er Frauen gesehen und auch Kontakt zu ihnen gehabt, aber keine sexuellen Absichten verfolgt und "nichts gemacht". Außerdem berichtete der Mann der Polizei von "Erinnerungslücken" und Rauschmittel-Konsum. Der Staatsanwalt bezeichnete die Aussagen als "Herumgeeiere", aber man könne damit durchaus weiterarbeiten.

Während einer Pressekonferenz dankte Polizeipräsident Gregor Lange der Ermittlungskommission "Park" für die tagelange intensive Arbeit in einem "sehr engagierten Team". - "Der Rechtsstaat ist handlungsfähig", betonte er, "das ist die beste Abschreckung für alle Täter. Staatsanwaltschaft, Landeskriminalamt, rumänische Sicherheitsbehörden und die Polizei haben sehr gut zusammengearbeitet." Gregor Lange dankte auch den Bürgern für die vielen Hinweise. Sie hätten Vertrauen in die Polizei bewiesen. Wie wichtig Vertrauen in moderne Ermittlungsmethoden ist, zeigt auch dieser aktuelle Fall.

Rumänien meldete einen Treffer

An den drei Frauen entdeckte Spuren schickte die Dortmunder Kriminalpolizei an das Landeskriminalamt in Düsseldorf, wo diese Spuren genauer untersucht und in eine von der Polizei bundesweit abrufbare Datenbank überspielt wurden. Dort gab es allerdings keine identischen Einträge. Schließlich übermittelte die Polizei die Dateien an europäische Länder - und Rumänien meldete am Donnerstag einen Treffer. Dort ist der 24-Jährige bereits nach einer Straftat erfasst worden. Mit diesem Eintrag hatte die Ermittlungskommission Zugriff auf den Namen des Gesuchten und auf ein Passfoto. Das Foto weicht von dem Phantombild ab. Und das Foto sollte noch am Freitag in einer öffentlichen Fahndung das Phantombild ablösen. Hätte die Polizei den Mann nicht festgenommen, wäre das offizielle Bild veröffentlicht worden.

Alle Polizisten waren informiert

Ebenfalls entscheidend war, dass die Polizei sämtliche Dienststellen mit einem Foto und allen anderen Informationen zu dem Tatverdächtigen versorgte. So konnte der Polizeibeamte den Mann wiedererkennen. Per Mobiltelefon führte er seine Kollegen an den 24-Jährigen heran. Der Festgenommene leistete keinen Widerstand. Nach dem Abgleich der vorliegenden Personalien mit dem Ausweis des Mannes war klar: Er ist die gesuchte Person. Ein weiterer DNA-Test ("Speichelprobe") soll nun eindeutig klären, ob die an den Opfern hinterlassenen Spuren mit der neuen Probe übereinstimmen.

Noch am Donnerstagabend bis nach Mitternacht war die Ermittlungskommission Hinweisen und Spuren nachgegangen. "Dieser Fall hat uns nicht losgelassen. Der Fall hat uns mitgenommen", berichtete die Leiterin der Ermittlungskommission (EK) Park, Stefanie Joosten. Die drei Sexualstraftaten seien ein "herausragendes Delikt. Das ist eher selten in Dortmund." Mit der Festnahme ist die EK Park zwar aufgelöst, aber abgeschlossen sind die Ermittlungen noch nicht. "Wir werten weiter Spuren aus", sagte Staatsanwalt Henner Kruse.

Sicherungsverwahrung ist möglich

Vor einer Anklage wegen Vergewaltigung und sexueller Nötigung will die Staatsanwaltschaft den mutmaßlichen Täter wegen der drei Taten in so kurzer Zeit psychologisch untersuchen lassen. Dem Mann drohe nicht nur eine langjährige Haftstrafe. In diesem Fall werde auch über eine Sicherungsverwahrung nachgedacht.

So haben wir bisher berichtet:

Drei brutale Überfälle eines Sexualstraftäters auf Frauen in Hacheney, Lichtendorf und Westerfilde schreckten die Stadt auf. Nach Spurenauswertungen, etlichen Hinweisen und technischen Ermittlungen seit dem 13. August 2018 konnte die Ermittlungskommission "Park" am Freitagmittag einen Tatverdächtigen festnehmen. Ein Richter muss bis voraussichtlich Samstagabend über Untersuchungshaft oder Freiheit entscheiden. Für 16.30 Uhr lädt die Dortmunder Polizei zu einer Pressekonferenz in das Präsidium an der Markgrafenstraße ein. Wir zeigen hier noch mal unseren Facebook-Livestream von der Pressekonferenz der Polizei.

Über die Details zu den Taten und wie der Polizei die Festnahme gelungen ist, berichten wir später. Ein Unbekannter hatte in einem Fall am 13. August und zwei weiteren Fällen am 18. August in drei Dortmunder Stadtteilen die Opfer brutal angegriffen und verletzt.