Edgar und Gabriele Fiebig lieben Sportwagen aus den USA: „Richtig Bums von unten“

WESTERHOLT. Der Tag fängt gut an, wenn „Maserati-Merlin“, alias Edgar Fiebig (58), früh morgens in seine C7 Grand Sport steigt und den 470-PS-Motor startet. „Es geht doch nichts über den amerikanischen Achtzylinder“, findet der Westerholter Rechtsanwalt. „Der hat von unten her richtig Bums.“

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    Die Oldtimer von Edgar und Gabriele Fiebig: eine goldene Corvette C3 Stingray von 1972 und eine blaue C2 von 1967. Foto: Thorsten Wilhelm

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    Die blau-rote C7 Grand Sport ist das aktuelle Corvette-Modell, das Edgar Fiebig als Alltagsauto dient. Passend zum Sportwagen hat Ehefrau Gabriele ihre Haare gefärbt, und die Brille ist im identischen blau-rot lackiert. Foto: Carola Wagner

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    Edgar Fiebig am Steuer seiner C2. Foto: Gabriele Fiebig Foto: SYSTEM

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    Die passende Handtasche zur Corvette C3. Foto: Gabriele Fiebig Foto: SYSTEM

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    Brille und Schmuck zur C2. Foto: Gabriele Fiebig Foto: SYSTEM

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    So heiraten Corvette-Fans: Gabriele und Edgar Fiebig 2008 in Italien am Hochzeitstag vor ihrer geschmückten C6. Foto: SYSTEM

Auf dem Parkplatz des Landgerichts reihen sich die 7er BMWs, S-Klasse-Mercedes’ und 911er Porsches seiner Standeskollegen aneinander. „Die klassischen Autos, mit denen der deutsche Mann demonstriert, dass er es geschafft hat“, sagt Fiebig. Seine Corvette ist alles andere als standesgemäß, der amerikanische Sportwagen macht ihn zum Außenseiter. Für den Strafverteidiger und seine ebenfalls Corvette-verliebte Ehefrau Gabriele (59) ein klares Statement: „Wir haben es nicht nötig, uns in eine soziale Schicht einzukaufen.“


„Maserati-Merlin“ ist Edgar Fiebigs Nickname im Corvette-Internetforum, weil seine Liebe zu schnellen Autos eine lange Geschichte hat, in der auch der Maserati eine Rolle spielt. „Mit 23 Jahren haben ich meinen ersten Sportwagen gekauft: einen Bitter CD des legendären Autobauers Erich Bitter.“ Den fuhren damals Fußball-Legenden wie Paul Breitner oder Günther Netzer. Als er begann, Händler und Vertrieb von Maserati und Ferrari anwaltlich zu vertreten, stand mal ein Ferrari 355 Spider, mal ein Maserati Quattroporte in seiner Garage. Zwar liebäugelte Edgar Fiebig damals mit der Corvette C3. „Doch die war in den 70er- / 80er-Jahren als ,Ludenschleuder’ verschrieen.“
 

"Wie viele Pferdchen hast Du laufen?"


Heute juckt es den gebürtigen Rheinländer nicht, wenn er scherzhaft gefragt wird: „Wie viele Pferdchen hast Du laufen?“ Seitdem er 2005 mit dem Kauf seiner ersten C6 – schwarz mit roten Sitzen – in die Corvette-Szene eintauchte, weiß er: „Im Zuhälter-Milieu wirst Du mit der Corvette ausgelacht, die fahren heute AMG Mercedes oder Jaguar.“


Der ersten C6 folgten als eine silberne C6, eine weiße C6 Grand Sport, eine rote C7 mit roten Sitzen und das aktuelle C7 Grand Sport Cabrio – Lack in Admiral Blue, Innenausstattung Adrenaline Red. Doch damit nicht genug. Die C3, jene „Ludenschleuder“, mit der Edgar Fiebig als junger Mann liebäugelte, ging ihm nicht aus dem Kopf. Zwei Jahre suchte das Paar nach einem solchen Oldtimer und legte sich schließlich ein goldgelbes Modell von 1972 zu. Vor zwei Jahren komplettierte die blaue C2 mit den markanten „Sidepipes“, seitlich angebrachten Auspuffrohren, den Fuhrpark.
 

Parkplatzparty gehört dazu


Mit den gepflegten Oldtimern sieht man die Fiebigs oft auf Oldtimertreffen. Auch wenn sich die deutschsprachige Corvette-Gemeinschaft alljährlich im thüringischen Suhl oder im Heilbad Heiligenstadt trifft, sind sie dabei. Ihre Liebe zu den schnellen Wagen ist für die Fiebigs Hobby und Lebenseinstellung. Gabriele Fiebig lebt dort auch ihre Leidenschaft fürs Fotografieren aus. Mit Gleichgesinnten zu fachsimpeln und Ausfahrten über Land zu unternehmen, gehört dazu. Gerne setzt man sich auch mal mit Campingstuhl und Kaffeekanne zur Parkplatzparty zusammen, um den hochmotorisierten Objekten der automobilen Begierde beim Feiern nahe zu sein.


Edgar Fiebig: „Das schöne an der Corvette-Szene ist, dass man ein ganz gemischtes Publikum trifft. Das geht durch alle sozialen Schichten, da werden keine Unterschiede gemacht.“
Die nächste Corvette sei zwar noch nicht bestellt, beteuert er. Vor 2020 komme die C8 eh nicht auf den deutschen Markt, das entsprechende Cabrio ein Jahr danach. Dass er sie kauft, steht außer Frage. „Corvette – was sonst? Ich würde nie wieder tauschen.“


Haarfarbe passt zu den Ledersitzen


Gabriele Fiebig ist unverkennbar ein Deko-Freak. Zentrales Thema ihrer Lust am Gestalten ist die Liebe zur Corvette. Das fängt beim Haarschopf und den Augenbrauen an, die passend zum „Adrenalin Red“ der C7-Ledersitze signalrot leuchten, und hört bei ihren Brillen, die passend zu den Autos lackiert sind, noch lange nicht auf. „Sommersprosse“, wie sie aus gutem Grund im Corvetteforum heißt, lebt eine beeindruckende Liebe zum Detail aus.


Ihre Schränke sind voller Taschen, Schuhe und Accessoires, die farblich zu den Sportwagen passen oder mit Bildern derselben versehen sind. Ebenso ist ihr Fundus an Schmuckstücken wahlweise mit den Stars and Stripes der amerikanischen Flagge oder dem Stingray-Oldtimer dekoriert. Die Gestelle ihrer Gleitsichtbrillen lässt die 59-Jährige beim Autolackierer spritzen. „Dann bin ich sicher, dass sie auch optimal zum jeweiligen Wagen passt.“ Auch zeichnet sie dafür verantwortlich, dass Ehemann Edgar stets mit farblich passenden Handschuhen und Kappe hinterm Lenkrad sitzt. Und wenn „Sommersprosse“ zu Tisch bittet, ist der bisweilen auch mit Modellautos dekoriert. Apropos Modellautos: Die stehen in reicher Zahl im Regal – und wehe jemand fasst sie ungefragt an. Die Reinigung übernimmt der Hausherr persönlich!
 

Fahrt ins Eheglück mit der C6


Dass ein Corvette-verrücktes Paar wie Gabriele und Edgar Fiebig den geliebten Zweisitzer auch zum Hochzeitsauto macht, ist selbstverständlich. Das Jawort haben sich die zwei vor fast genau zehn Jahren im italienischen Lamporecchio gegeben – ganz in Weiß, die schwarze C6-Schönheit mit den roten Ledersitzen festlich dekoriert.
Dass diese sportliche Fahrt ins Glück der richtige Schritt war, merkt man dem extravaganten Paar an. Schließlich verbindet sie eine doppelte Liebe: die zueinander und jene zur Corvette.

 

- Die Corvette ist ein amerikanischer Sportwagen von General Motors, der seit 1953 in bislang sieben Generationen gebaut wurde. Benannt wurde sie angeblich nach dem gleichnamigen Kriegsschiffstyp.

- Anfang der 1950er-Jahre waren europäische Sportwagen in den USA sehr populär. Vor diesem Hintergrund wurde dort ein nationaler Sportwagen entwickelt. Die erste Corvette C1 hatte einen 3,8-Liter-R6-Motor mit einer Leistung von 114 kW (155 PS). Begehrt wurde der Sportwagen aber erst, als er mit einem Small-Block-V8-Motor ausgestattet wurde. Dieser wird bis heute in die Corvette eingebaut.

- Die ersten drei Generationen überzeugten deutsche Autotester nicht. Man sprach von einem „Schein-Sportwagen“. Seit der C4 ZR-1 und spätestens seit der C5 wird die Corvette auch in Europa als ernst zu nehmender Sportwagen angesehen. Sie gilt bis zur heute aktuellen C7 als Sportwagen mit einem sehr guten Preis-Leistungs-Verhältnis.

@ www.corvetteforum.de
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