Brandstiftung in Westerholt: Junge Männer bleiben in U-Haft

HERTEN Seit acht Tagen sitzen zwei Hertener in Untersuchungshaft. Trotz ihres jungen Alters – 20 und 25 Jahre – dürfte sich daran vorerst auch nichts ändern. „Die Vorwürfe sind sehr gewichtig, es geht um Schwerkriminalität“, betont Oberstaatsanwalt Andreas Bachmann von der Staatsanwaltschaft Bochum im Gespräch mit unserer Zeitung.

  • hal_brand_bahnhof_westerholt

    Im Oktober brannte das Dachgechoss des alten Westerholter Bahnhofs. Foto: Frank Bergmannshoff

Die Untersuchungshaft sei daher schon von Gesetzes wegen vorgesehen. Den beiden Männern werden  versuchter Mord beziehungsweise Verabredung zum versuchten Mord in Tateinheit mit schweren Brandstiftungen vorgeworfen. Konkret soll der 25-Jährige den 20-Jährigen im Oktober und November 2017 dreimal dazu angestiftet haben, Brände im früheren Westerholter Bahnhof sowie im benachbarten Stellwerk zu legen. Der Vorwurf des versuchten Mordes resultiert daraus, dass allgemein bekannt war, dass in den Gebäuden Wohnungslose leben und auch schlafen. Sie waren von der Feuerwehr jeweils unverletzt gerettet worden.
 

Mehrjährige Haftstrafen drohen


Wie Oberstaatsanwalt Andreas Bachmann erläutert, wiegen die Anstiftung und die letztendliche Durchführung der Brandstiftungen juristisch gleich schwer. Sowohl dem 25-Jährigen als auch dem 20-Jährigen drohen somit bei einer Verurteilung mehrjährige Haftstrafen. 

Der 20-Jährige gilt juristisch als „Heranwachsender“ (18 bis 20 Jahre). Würde bei ihm die psychisch-soziale Entwicklung noch nicht der eines Erwachsenen entsprechen, könnte theoretisch das „mildere“ Jugendstrafrecht zur Anwendung kommen. Oberstaatsanwalt Bachmann sieht aber keine entsprechenden Anzeichen dafür. Somit gilt Erwachsenenstrafrecht.
 

Als Kinder in der Jugendfeuerwehr


Dass die Beschuldigten einen Bezug zur Freiwilligen Feuerwehr haben beziehungsweise hatten, spielt in den Ermittlungen eine zentrale Rolle. Beide traten im Kindesalter in die Jugendfeuerwehr ein. Der 25-Jährige ist bis heute Mitglied des Löschzugs Westerholt, der 20-Jährige schied vor einigen Jahren aus. Vor allem bei der Frage des Motivs, so Bachmann, schauen Staatsanwaltschaft und Kripo auf die Feuerwehr-Zugehörigkeit. Dem 25-Jährigen wird vorgeworfen, er habe die Brandstiftungen in Auftrag gegeben, um zu Einsätzen ausrücken zu können.

Nach monatelangen Ermittlungen waren die beiden Männer am 17. Mai festgenommen worden. Tags drauf erließ ein Haftrichter Haftbefehle wegen dringenden Tatverdachts und besonderer Schwere der Tatvorwürfe. Oberstaatsanwalt Bachmann hält es für möglich, dass die Beschuldigten bis zur Hauptverhandlung in Haft bleiben. Das können bis zu sechs Monate sein. Bachmann: „Natürlich ermitteln wir so schnell wie möglich.“
KOMMENTARE

Schreiben Sie den ersten Kommentar!

?

KOMMENTAR HINZUFÜGEN

Überschrift (max. 70 Zeichen)
Meine Meinung (Noch  Zeichen verfügbar.)
Registrieren Sie sich kostenlos, um Ihren Kommentar abzuschließen.
Um sich registrieren zu können, müssen Sie uns mindestens einen Benutzernamen, ein Passwort und Ihre E-Mail-Adresse mitteilen.