Hertener überfährt Senior: Geldstrafe nach Albtraum-Unfall

HERTEN/BOCHUM Erst hat er nicht aufgepasst, jetzt will er alles vergessen haben: Im November 2015 hat ein Lehrer aus Herten in Bochum einen Rentner (86) überfahren. Am Montag wurde er verurteilt.

Der Unfall war ein Albtraum. Der 86-jährige Bochumer überquerte gerade eine Straße, als er überfahren wurde. Mit dramatischen Folgen: Schädelhirntrauma, Knochenbrüche, Intensivstation. Inzwischen ist der Senior gestorben. Jedoch nicht an den Unfallfolgen, sondern an einer Krebserkrankung. „Er hätte vielleicht noch ein paar schöne Monate haben können“, sagte die Staatsanwältin im Prozess vor dem Amtsgericht Bochum. Stattdessen habe er seinen Lebensabend im Krankenhaus verbracht.
 

Gedächtnislücken im Prozess


Warum der Lehrer nicht aufgepasst hat, ist ein Rätsel. Bei der Polizei hatte er den Unfall noch auf die tief stehende Sonne geschoben. Vor Gericht wollte er sich jedoch an nichts mehr erinnern können. „Er hat vergessen und verdrängt“, sagte sein Verteidiger Volker Schröder. „Deshalb kann er über den Vorfall auch nicht sprechen.“ Er habe einfach keine konkrete Erinnerung an den Unfall.
Und die Richterin? Sie hat nicht einmal nachgefragt. Wie schnell war der 51-Jährige damals unterwegs? Was hat er vorher gemacht? Wo wollte er hin? War er vielleicht in Eile? Oder irgendwie abgelenkt? Und darf man ihn überhaupt noch ans Steuer lassen, wenn er unter Gedächtnislücken leidet? Was sicherlich auch eine interessante Frage für die Ausübung seines Lehrerberufes wäre.
 

Dreivierteljahr arbeitsunfähig


Dass ihn der Unfall selbst schwer getroffen hat, steht dagegen außer Frage. Fast ein Dreivierteljahr war der Hertener aufgrund einer depressiven Phase arbeitsunfähig. Er hat psychotherapeutische Hilfe in Anspruch genommen und sich an die Angehörigen des 86-Jährigen gewandt – wegen seiner Schuldgefühle. „Ich habe angerufen und zu Weihnachten eine Karte geschrieben“, sagte er im Prozess. „Aber ich hatte das Gefühl, das war nicht besonders erwünscht.“
Inzwischen ist der 51-Jährige zurück im Beruf. Und er fährt auch wieder Auto. Der Führerschein war ihm nie abgenommen worden.
Die Richterin verhängte eine Geldstrafe von 3 200 Euro (40 Tagessätze). Damit folgte sie dem Antrag der Staatsanwältin. Der Hertener selbst hatte auf eine Geldstrafe auf Bewährung gehofft.
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