Gericht verurteilt Marler: Neun Jahre Haft für Droggenschmuggler

MARL Auf den ersten Blick sah alles aus, wie ein Liebesurlaub an der Copa Cabana. Auf dem Rückflug hatte ein 53-jähriger Mann aus Marl jedoch zwei Kilo Drogen dabei. Am Freitag wurde er verurteilt.

  • Die Statue der Justitia

    Foto: Peter Steffen/Archiv

Das Essener Landgericht hat neun Jahre Haft verhängt – und damit haben es die Richter noch gut gemeint. Nach seiner Rückkehr aus Brasilien hatten die Fahnder im Keller seiner Wohnung an der Adolf-Grimme-Straße nämlich auch gleich noch ein Drogenlager ausgehoben, in dem auch eine scharfe Schusswaffe versteckt war. Die Staatsanwaltschaft hatte deshalb sogar zwölf Jahre Haft gefordert.

Der 53-jährige „Alt-Hippie“ war im November 2017 mit seiner damaligen Freundin nach Südamerika aufgebrochen. Der Hinflug – nur mit Handgepäck - ging von Düsseldorf nach Warschau und dann weiter nach Rio de Janeiro. In Polen sollen auch die Hintermänner gesessen haben, die die Schmuggelreise komplett organisiert und auch bezahlt haben sollen.

Beide haben sich mit der Tat gebrüstet

Eine knappe Woche lang hatte sich das Paar zur Tarnung in einem Hotel in Rio de Janeiro vergnügt, dann ging es mit dem Bus weiter nach Sao Paulo. Dort wurden den beiden in einem Einkaufszentrum zwei Hartschalenkoffer mit doppeltem Boden übergeben. Darin befand sich das Kokain. Zurück in Marl hatten sich sowohl der 53-Jährige als auch seine damalige Partnerin mit der Tat gebrüstet. Er in der Drogenszene, sie am Telefon, im Gespräch mit ihrem Sohn.

Das war am Ende auch der Grund, warum die Schmuggelreise überhaupt aufgefallen ist. Die Polizei hatte die Marler Drogenszene bereits im Visier, nach den ersten Festnahmen wurde geplaudert. Außerdem wurden die Telefone der Angeklagten abgehört. Als die Fahnder Anfang 2018 schließlich in der Wohnung des 53-Jährigen aufgetaucht sind, lagen nicht nur Reste von Kokain auf dem Wohnzimmertisch. Der Angeklagte hielt auch einen Schlüssel in der Hand, der zum Keller seiner Ex-Ehefrau führte. Dort lagerten weitere Drogen – vor allem Haschisch und Marihuana. Außerdem fanden die Beamten mehrere Waffen, darunter auch eine sogenannte Double-Action, eine halb automatische Selbstladepistole.

Im Prozess vor dem Essener Landgericht hatte der 53-Jährige auf Anraten seiner Verteidiger Siegmund Benecken und Thomas Schäfer sofort ein umfassendes Geständnis abgelegt. Und das war am Ende die wohl auch die einzig richtige Entscheidung.

Wegen seines jahrelangen Drogenmissbrauchs darf der Angeklagte einen Teil der verhängten Strafe allerdings in einer geschlossenen Therapieeinrichtung verbringen. „Das Urteil ist ihre letzte Chance“, sagte die Richterin. „Wenn nicht irgendwann ein Umdenken passiert, wird es immer so weitergehen.“
Gegen seine ebenfalls verurteilte Ex-Freundin wurden zwei Jahre Haft auf Bewährung verhängt – wegen Beihilfe zum Drogenschmuggel.
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