Jürgen Pfeiffer verklagt Bergbaukonzern RAG: Chemiker will Flutung der Schächte stoppen

MARL Jetzt hat er mit seiner Ankündigung ernst gemacht: Der Marler Chemiker Jürgen Pfeiffer (62) verklagt die Ruhrkohle AG (RAG). Wenn der Bergbaukonzern das Grubenwasser ansteigen lässt, um Millionen Liter abzupumpen, dann könne hochgiftiges PCB in die Flüsse und auf sein Grundstück am Reiherweg gelangen, fürchtet Pfeiffer.

  • Kohleabbau

    Der Kohleabbau unter Tage. In vielen Zechen wurde bis in die 80er-Jahre PCB in Hydraulikölen eingesetzt. So sollten Brände vermieden werden. Heute weiß niemand, wie viel PCB genau noch in den Gruben ist. Foto: Ruhrkohle AG/Archiv

Die RAG soll deshalb verpflichtet werden, „alle Maßnahmen zu unterlassen“, durch die PCB in den Trinkwasserkreislauf gelangen kann.

Vor dem Landgericht Bochum muss der Kläger nun belegen, dass eine Gefahr für das Trinkwasser und sein Grundstück besteht. Unterstützt wird er von linken Gruppen und der Dortmunder Kanzlei Kuhlmann. Sie will die Klage „pro bono“ (= freiwillig, für das Gemeinwohl) unterstützen: „Wenn das Wasser einmal verseucht ist, kriegen wir es nie wieder sauber“, warnt Kuhlmann.

In ihrer „Vorbeugenden Unterlassungsklage“ müssen Pfeiffer und seine Anwälte nun beweisen, dass eine Gefahr besteht. Der Bergbaukonzern muss innerhalb einer Frist dazu Stellung nehmen. Falls das Gericht Jürgen Pfeiffers Klage zulässt, könnte es Gutachter beauftragen, die Gefahr konkret einzuschätzen.

Streit über die Fakten

Schon seit Jahren streiten Politiker, Umweltschützer und Bergbau-Verantwortliche über den Umgang mit PCB-belastetem Grubenwasser. Ebenso über die Interpretation eines Gutachtens, das die frühere rot-grüne Landesregierung in Auftrag gab. Den Gutachtern zufolge wird die PCB-Belastung bei einem Anstieg des Grubenwassers gesenkt. So blieben mehr Schwebstoffe unter Tage. Darauf verweist auch die RAG.

Trotzdem darf sie ihr Bergwerk Auguste Victoria 3/7 in Marl noch nicht schließen. Die alte Landesregierung erteilte einen Erlass, wonach sichergestellt sein muss, dass es keine Schäden durch PCB im Grubenwasser gibt.
Offen ist, wie viele Gifte wo unter Tage lagern. Das sollen Experten herausfinden.
 
In den 60er- bis 80er-Jahren wurden beim Kohleabbau PCB-haltige Hydrauliköle eingesetzt, um Bränden vorzubeugen. PCB ist schwer entflammbar, aber auch krebserregend.
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