"War das Beste, zu gehen": Maziad Aloush hat in Marl ein neues Zuhause gefunden

MARL. Sie wollten ein Leben ohne Angst und Krieg. Darum hat sich Maziad Aloush mit zwei Brüdern auf den Weg nach Deutschland gemacht. Seine Eltern und zwei Schwestern blieben zurück. In Marl fühlt sich der 31-Jährige nach der lebensgefährlichen Flucht gut aufgenommen. Jetzt erzählt er seine Geschichte.

  • Mazyad Maloush in einer Gruppe von Flüchtlingen unterwegs. Foto: Mazyad Aloush

Sie wollten ein Leben ohne Angst und Krieg. Darum haben sie sich auf den Weg nach Deutschland gemacht. Maziad Aloush spricht fließend Englisch, auch sein Deutsch wird täglich besser. An der Technischen Fachhochschule Georg Agricola in Bochum könnte er ab Februar an einem Deutschkurs teilnehmen. Möglichst bald will er dort anfangen, Bergbautechnik zu studieren. Doch dazu fehlen ihm die nötigen Papiere.
„Ich habe die Hoffnung fast nie aufgegeben“, erklärt der Englischlehrer aus Syrien. Dabei hätte es viele Situationen gegeben, in denen er allen Grund dazu gehabt hätte.



Im Internet hat Maziad Aloush immer wieder Bilder von seiner Flucht gepostet (www.netzpiloten.de). Auf den Fotos sieht man Maziad und seine Freunde fast immer lächeln. Wenn er von seiner beschwerlichen Reise berichtet, scheint das geradezu absurd.

Maziad hatte sich Geld bei seinem älteren Bruder geliehen, die Eltern hatten Hab und Gut verkauft, um den drei Söhnen die Flucht möglich zu machen. An der türkischen Küste stiegen sie in eines der völlig überfüllten Flüchtlingsboote und setzten auf die griechische Insel Lesbos über.

Zu Fuß schafften sie es über die Balkanroute bis nach Deutschland. Unterwegs gab es tagelang nichts zu essen außer ein paar getrockneten Datteln. Das Trinkwasser war knapp. Doch irgendwann war es geschafft.
Im Juli stiegen Maziad und seine Brüder in München in einen Zug, der sie nach Düsseldorf brachte, wo ein Cousin sie am Bahnhof erwartete.

Die Odyssee war damit aber nicht zu Ende. Sie führte durch Erstaufnahmelager für Flüchtlinge in Dortmund, in Unna, in Weeze. Schließlich kamen die Drei in Dorsten an. Von dort wurden Maziad und Mohamed nach Marl geschickt und in der Aloysiusschule untergebracht.

Der jüngste Bruder (16) lebt jetzt in einer Wohngruppe für Jugendliche. Auch für Maziad und Mohammed ist die Zeit in der Gemeinschaftsunterkunft vorbei – „zum Glück“, wie der 31-Jährige betont.
Maziad Aloush hat Unterstützer gefunden. Er lernte HeikeRiediger und ihre Familie kennen. „Mein Neffe hat ihn eines Tages mit zu einer Familienfeier gebracht“, erzählt die Marlerin. Als sie seine Geschichte hörte, war für sie klar: „Dem müssen wir einfach helfen.“ Die Gemeinde St. Franziskus gab Maziad und Mohamed ein Zuhause. Bis Ende Januar darf er bleiben, so viel steht fest. Doch der 31-Jährige hofft auf eine längerfristige Perspektive.

Und er will etwas tun. Manchmal springt er als Dolmetscher ein. „Ich möchte helfen“, sagt er. Aber eigentlich wünscht er sich mehr. In Syrien war er Lehrer. „Aber Englisch habe ich studiert, um bei mal einem der großen internationalen Ölkonzerne arbeiten zu können“, sagt er. Daraus wurde nichts, man schickte ihn an eine Schule in der Provinz. „Als der Krieg begann, wurde es schwierig“, erzählt Maziad. 2011 wurde die Schule geschlossen.

Er begann, Jura zu studieren. Dann sollte er zwangsweise zum Militär eingezogen werden, um für Machthaber Assad zu kämpfen.

„Es war das Beste zu gehen“, sagt er, aber dabei hat er Sorgenfalten auf der Stirn. Eltern und Schwestern sind im Krieg zurückgeblieben – und hoffen, bald nachkommen zu dürfen.

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5 KOMMENTARE
23.12.15 10:05

Posting wurde gesperrt

von Toniherz

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23.12.15 09:10

Ich habe mich vor allem zuerst gefragt:

von nickelback

Warum will man jetzt noch Bergbau studieren?

23.12.15 09:44

Vielleicht

von Grundguetiger

gibt es ja auf dieser Welt noch andere Orte mit Bergbau. Wäre eine interessante Frage.


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