Rufmord-Prozess: UKM-Anwalt unterstellt Däbritz "narzistische Persönlichkeit"

MÜNSTER Narzisstisch, charakterschwach und unfähig zur Kritik: Mit persönlichen Attacken auf die angeklagte Herzchirurgin Prof. Dr. Sabine Däbritz (51) ist am Mittwoch vor dem Landgericht Münster der so genannte Rufmord-Prozess fortgesetzt worden. Dr. Tido Park, Rechtsanwalt der Uniklinik, will gleich eine ganze Reihe von aktuellen und ehemaligen Ärzte-Kollegen der Angeklagten in den Zeugenstand rufen lassen, um diese Vorwürfe zu untermauern.

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    Der Prozess rund um die ehemalige UKM-Chirurgin Sabine Däbritz wird um zwölf Termine verlängert. Foto: Foto: von Braunschweig

Die Taktik der Uniklinik ist offensichtlich: Wenn vor Gericht auch Mediziner anderer Kliniken über massive Schwierigkeiten mit der Persönlichkeit von Prof. Däbritz berichten, erscheinen die 2008 erhobenen Pfusch- und Vertuschungsvorwürfe gegen die Uniklinik nur noch unglaubwürdiger.

Laut Rechtsanwalt Park können beispielsweise Ärzte aus München - der Klinik, an der Prof. Däbritz vor ihrem Wechsel nach Münster tätig war - ebenfalls von schweren Vorwürfen gegen die Klinikleitung erzählen. Däbritz soll ihrem Münchener Chef schon 2005 unterstellt haben, er habe ihre Beförderung verhindert und damit ihre Karriere blockiert. Und besonders pikant: Wie angeblich der Chefarzt in Münster soll auch schon der Münchener Vorgesetzte Prof. Däbritz "sexistisch beleidigt" haben.

Probleme im Kollegium

Auch in Duisburg, dem aktuellen Wirkungsort der Herzchirurgin, soll es in den vergangenen Monaten und Jahren immer wieder zu Problemen innerhalb des Kollegiums gekommen sein.

In einem weiteren Antrag auf Zeugenvernehmung hieß es unter anderem: "Professor Däbritz hat Mitarbeiter in unangemessener Weise kritisiert. Sie schwärzt alles und jeden an, egal, wo sie gerade ist. Sie ist unfähig, die Leistungen anderer Ärzte zu akzeptieren. Es entspricht ihrem Geltungsdrang und ihrer narzisstischen Persönlichkeitsstruktur, Erfolge ausschließlich für sich zu verbuchen, während sie für Misserfolge stets andere verantwortlich macht."

Fehler bei der Operation

Mehrere Ärzte sollen allein wegen der Angeklagten zuletzt sogar dem Herzzentrum Duisburg den Rücken gekehrt haben und freiwillig auf schlechter dotierte Stellen gewechselt sein. Eine Ex-Kollegin könne als Zeugin berichten, dass Prof. Däbritz oft Fehler bei Operationen unterlaufen seien, die sie später ihren Mitarbeitern angelastet habe, sagte der Rechtsanwalt der Uniklinik.
Ob die Richter der 8. Strafkammer den Anträgen nachgehen und die zahlreichen Ärzte tatsächlich als Zeugen vernehmen, steht noch nicht fest. Die Aussagen könnten jedoch nach Ansicht der Uniklinik hilfreich sein, wenn es um die Beantwortung der entscheidenden Prozessfrage geht: Ist es glaubhaft, dass Prof. Däbritz tatsächlich nichts mit den im Sommer 2008 verschickten anonymen Schreiben und Anzeigen zu tun hat, in denen der Uniklinik schwere Versäumnisse, Pfusch und vertuschte Todesfälle unterstellt wurden?

Bisher behauptet ihr mitangeklagter Lebensgefährte, die Schreiben allein verfasst zu haben.