Exner-Prozess: Angeklagte wollen auspacken

RECKLINGHAUSEN Im Prozess um den Überfall auf das Juweliergeschäft Exner im Juni haben zwei der fünf Angeklagten jetzt am Landgericht Bochum überraschend ihr Schweigen gebrochen und persönliche Angaben gemacht. Einer der Männer will sich am Montag außerdem erstmals zu den Vorwürfen äußern.

Richter Michael Rehaag hatte angekündigt, dass aus seiner Sicht alles gesagt sei. Die Zeugenvernehmungen seien abgeschlossen, alle erforderlichen Akten durchgearbeitet. Dann kam der Taktik-Wechsel der Verteidigung: Den Anfang machte Anwalt Martin Gentz, der einen jungen Serben vertritt. Der 21-Jährige soll bei dem Überfall am 1. Juni als Erster in das Juweliergeschäft gestürmt sein. Laut Anklage hatte er eine Schusswaffe und Pfefferspray dabei.

Auf die schiefe Bahn geraten

Zu seinem Lebenslauf gab es die ersten Antworten. Nach seiner Schulzeit hatte sich der 21-Jährige in Belgrad als Koch durchgeschlagen. „Es reichte gerade zum Überleben“, sagte er den Richtern. Sein Glück suchte er in Spielhallen, jedoch ohne Erfolg. Vor seiner Abreise gen Westen war er nach eigenen Angaben mit 8.000 Euro verschuldet. Aus ebenso ärmlichen Verhältnissen will auch der zweite Angeklagte (33) stammen, der ebenfalls sein Schweigen gebrochen hat. Trotz guter Schulbildung war er nach Angaben seiner Verteidigerin Stefanie Kürpick mit Mitte 20 auf die schiefe Bahn geraten und deshalb in Serbien auch schon verurteilt worden.

Von der Polizei beschattet

Die insgesamt fünf Angeklagten waren unmittelbar nach dem Überfall auf Exner festgenommen worden. Dass die Polizei damals schon vor Ort war, hat einen einfachen Grund: Zumindest einer der Angeklagten hatte sich zuvor in Österreich aufgehalten und war seitdem praktisch rund um die Uhr von einem mobilen Einsatzkommando beschattet worden.
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