Hellbachstraße: Dosenwerk schließt Ende Juli

RECKLINGHAUSEN Die Nachricht traf die Mitarbeiter am Donnerstag wie ein Blitz: Der US-Konzern Ball (ehemals Rexam) wird sein Getränkedosenwerk an der Hellbachstraße Ende Juli dieses Jahres schließen. Von der Schließung sind aktuell rund 360 Mitarbeiter betroffen.

  • Ball

    Dunkle Wolken über der Hellbachstraße: Der US-Konzern Ball will das traditionsreiche Dosenwerk Ende Juli schließen. Foto: Jörg Gutzeit

Die wurden am Donnerstag für 14 Uhr zu einer kurzfristig anberaumten Belegschaftsversammlung in die Vest Arena eingeladen. Bereits zwei Stunden vorher hatte der Konzern seine Schließungspläne für das Recklinghäuser Werk auf der Internetseite verkündet. Die Recklinghäuser Geschäftsführung hatte wohl erst am Vormittag von den Plänen erfahren. "So bedröppelte Gesichter habe ich bei unseren Chefs noch nie gesehen", sagte ein langjähriger Mitarbeiter im Gespräch mit der RZ unmittelbar nach der Versammlung, zu der sogar ein Sicherheits- und der Rettungsdienst bestellt worden waren. "Noch weiß keiner etwas Genaues, dafür ist alles noch zu frisch, aber ich mache mir keine Hoffnungen, dass es hier weitergehen könnte", so der Recklinghäuser Familienvater.

Bürgermeister fühlt sich "verarscht"

Bürgermeister Christoph Tesche, der am Nachmittag am Rande der Sitzung des Kulturausschusses von der Werksschließung erfuhr, reagierte mit Empörung: "Das ist eine Unverschämtheit gegenüber den Mitarbeitern und deren Familien. Als Bürgermeister fühle ich mich regelrecht verarscht. Schließlich habe ich noch vor Kurzem einen Betriebsbesuch gemacht, bei dem mir die Zukunft des Standortes rundum positiv dargestellt wurde. Ich bin einfach sprachlos."  Zur Stadtspitze habe es heute keinerlei Kontaktaufnahme gegeben. Tesche hat nun Axel Tschersich als Leiter der Wirtschaftsförderung damit beauftragt, Informationen einzuholen.

In einer Pressemitteilung, die Ball Corporation am Nachmittag herausgegeben hat, heißt es, dass andere europäische Produktionsstätten des Konzerns künftig die Kunden des Werkes in Recklinghausen mit Getränkedosen und -deckeln beliefern sollen. "Angesichts des regionalen Marktumfelds müssen wir sicherstellen, dass wir eine langfristig wettbewerbsfähige Kostensituation behalten", wird Colin Gillis, Präsident der Ball Beverage Packaging Europe, zitiert. "Uns ist bewusst, dass die Schließung eines Standortes eine schwierige Entscheidung ist. Aber wir müssen – auch im Interesse unserer insgesamt rund 3.900 Mitarbeiter in Europa – die langfristige Sicherung unseres Geschäfts im Blick behalten."

Verhandlungen mit Betriebsrat

Die Unternehmensleitung will nun Verhandlungen mit dem Betriebsrat aufnehmen. Ball Corporation will "die geplante Schließung verantwortungsbewusst und sozialverträglich umsetzen und die Mitarbeiter durch verschiedene Maßnahmen unterstützen".

Der 1968 unter dem Namen „Kaiser Aluminium“ eröffnete Recklinghäuser Standort gehört für den Weltmarktführer aus Colorado zu den kleineren Filialen – und das trotz einer Tagesproduktion von bis zu fünf Millionen Dosen und 18 Millionen Deckeln. Dennoch hatte die Geschäftsführung an der Hellbachstraße noch Ende Januar bei einem Besuch der Stadtspitze betont, dass die Arbeitsplätze trotz rückläufiger Produktionszahlen als sicher gelten.

15 KOMMENTARE
03.03.17 16:43

Gewerbesteuer

von gerissel

Die Stadt Monheim, lockt Firmen seit 2012 mit niedriger Gewerbesteuer und sind Schuldenfrei geworden. Recklinghausen erhöht regelmäßig den Hebesatz. Die Konsequenz ist, die Firmen schließen und wir haben wieder mehr Arbeitslose. Da diese kein richtiges Einkommen mehr haben, verringert sich deren Kaufkraft. Der Einzelhandel hat weniger Einnahmen und wird dann zwangsläufig schließen müssen. ( Siehe Innenstadt) Insgesamt hat Recklinghausen etwa eine halbe Milliarde Euro Schulden. Vielleicht mal umdenken

03.03.17 08:50

Eine bittere Entscheidung

von Grundguetiger

für den Kreis Recklinghausen.
Gleichzeitig der Beweis, das Firmen nicht aus Gründen der Erhaltung von Arbeitsplätzen existieren.
Wenn die Profit Rate nicht mehr stimmt, Tschüss.
Ob ein Bürgermeister, oder ein Stadtrat etwas ändern können, ich bezweifele es.
Der Wettbewerb von Städten und Landkreisen um die Ansiedlung von Betrieben ist mörderisch.
Das geht von kostenlosen voll erschlossenen Flächen bis hin zu Steuererlass für mehrere Jahre.
Ich bin mir sicher, auch in RE werden jetzt einige denken,"das ist nun der Dank dafür".
Wenn der amerikanische Präsident Trump seine Vorstellungen weiter durch zieht, wir werden uns noch wundern.
Den Mitarbeitern meine Solidarität.

03.03.17 08:38

Habe den

von hoscho

BM in den letzten Tagen mehrfach immer lächend in die Linsen der RZ-Reporter bzw. Fotografen gesehen. Ist das eine Profilneurose oder ist es wohl seine Aufgabe für das Wohl der Stadt RE zu sorgen? Nicht nur, dass die tollen Mitarbeiter der Verwaltung es vehement verstehen gewünschte Ansiedlungen wie Krematorium und Slomplatzki in RE-Hochlarmark dem Stadtteil mit dem Kurcharakter zu verhindern ist es nun schon soweit, dass Firmen fluchtartig RE den Rücken kehren. DEUMO, Orthloh, Blumenthal usw. usw. lassen Grüßen. Eine wahrhaft super Arbeit die der - sein Gehalt hätte ich gerne - Wirtschaftsförder zum Wohle der Stadt RE verrichtet. Es ist leider zu ernst um über die Zustände noch zu lächeln!! Gute Nacht RE und dieses im wahrsten Sinne des Wortes!!!

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