Hertener Straße: Auto fährt in Bushaltestelle - eine Tote, sieben Verletzte

RECKLINGHAUSEN/ HERTEN Dramatische Szenen an der Hertener Straße: Ungebremst fährt ein Auto in eine Bushaltestelle. Eine 88-Jährige erliegt ihren Verletzungen. Sieben weitere Menschen werden teils schwer verletzt.

  • Unfall

    Ein Großaufgebot an Einsatzkräften war am 20. Dezember nach dem tödlichen Angriff auf wartende Fahrgäste an einer Bushaltestelle an der Hertener Straße vor Ort. Foto: Jörg Gutzeit

Die Polizei ging am Donnerstag davon aus, dass der Fahrer des weißen Ford Focus, ein 32-jähriger Hertener bosnischer Herkunft, Suizid begehen wollte. Dazu gebe es erste Hinweise, hieß es am Abend von der Recklinghäuser Polizei.

Um kurz vor 15 Uhr näherte sich der Wagen älteren Baujahrs von der Innenstadt kommend der Haltestelle auf Höhe der Paulusstraße, auf der linken Fahrbahnseite.

Mohamed Hijazi (21) bedient in diesem Moment Kunden in der Pizzeria seines Vaters. Das Lokal liegt direkt gegenüber der Haltestelle. „Ich hörte plötzlich nur einen lauten Knall“, sagt der junge Mann. Sein Vater Claudio berichtet: „Ich sah, wie ein Baum zurückschnellte, und dann flog das Auto durch die Luft.“

Vater und Sohn rennen ins Freie. In einem Meer aus Scherben liegen mehrere Verletzte. Schreie gellen über die Straße. So erzählt es Mohamed Hijazi. Die beiden leisten Erste Hilfe. „Eine der verletzten Frauen war kurz vorher in unserer Pizzeria“, sagt Mohamed Hijazi, der vor dem Eintreffen der Rettungskräfte noch mit dem Fahrer gesprochen haben will. Der habe etwas von „Sekundenschlaf“ erzählt.

 


Auch der Täter wird schwer verletzt

Der Mann habe langes schwarzes Haar getragen, zu einem Zopf zusammengebunden. Auch er hat schwere Verletzungen erlitten und wurde ins Krankenhaus transportiert. Aus dem nahen Ärztehaus eilen Mediziner herbei. Sie kümmern sich um die Verletzten, unter denen auch Jugendliche sein sollen.

Polizei und Feuerwehr treffen ein. Die Retter ziehen Kräfte aus dem gesamten Kreis zusammen. Zwei Opfer gelten als schwerstverletzt, zwei weitere als schwer, fünf als leicht verletzt. Sechs Verletzte im Alter von 17 bis 67 Jahren kommen ins Krankenhaus. Fünf weitere Personen werden vorsorglich psychologisch betreut, darunter auch Hijazi. Beim Versuch, die Verletzten aus den Scherben zu befreien, zieht er sich eine Fleischwunde an der Hand zu.

Eine Stunde nach dem dramatischen Geschehen trägt der Pizzabäcker einen Einweghandschuh und nimmt am Telefon Bestellungen entgegen. Ein Polizeibeamter in Zivil kommt herein und fragt, ob es eine Videoüberwachung gebe. Hijazi verneint.

Schaulustige filmen das Geschehen mit Handys

Flatterband weht vor der Passage des kleinen Einkaufszentrums, zu dem auch „Claudio‘s Pizzeria“ gehört. Das Blaulicht der 15 Einsatzwagen leuchtet im Dunkeln. Die Polizei hat die Hertener Straße zwischen Kreisverkehr und Hohenzollernstraße gesperrt.

In den angrenzenden Straßen staut sich der Verkehr. Der weiße Ford steht mit geöffneter Motorhaube und eingedrückter Frontpartie auf dem Gehweg neben der Bushaltestelle. Das vordere Nummernschild fehlt. Der Mast des Haltestellenschildes liegt wie ein umgeknickter Strohhalm auf dem Pflaster.

Gegen 18 Uhr rückt eine Einsatzhundertschaft an. Die Beamten stellen Sichtschutzwände auf. Zuvor haben einige Schaulustige das Einsatzgeschehen vom Parkplatz des Einkaufszentrums aus mit ihren Smartphones gefilmt.

Mit Bestürzung hat Bürgermeister Christoph Tesche auf den Unfall reagiert. „Unsere Gedanken sind bei den Angehörigen des verstorbenen Unfallopfers. Ihnen gilt unser ganzes Mitgefühl. Natürlich hoffe ich, dass die anderen Verletzten schnell wieder gesund werden“, erklärte er.
32 KOMMENTARE
02.01.19 14:40

Seit dem 21.12. keine Neuigkeiten?

von magicmat

Vorab, ich bin selber Recklinghäuser. Die vorherigen Kommentare habe ich nicht komplett gelesen, scheinen aber ja zum größtenteils in gegenseitigen Anfechtungen zu enden.

Fakt ist, und das finde ich überaus beunruhigend, fast zwei Wochen nach dem Unfall und vor allem seit der letzten offiziellen Nachricht der Polizei und Berichterstattung der Zeitung gibt es keine neuen Erkenntnisse. Oder zumindest werden diese dem Bürger vorenthalten. Das finde ich äußerst unglücklich und wirft kein gutes Licht auf die Verantwortlichen. Warum gibt es nicht zumindest mal einen Status und sei es nur, dass die Ermittlungen noch laufen? Zumindest Alkohol- und Drogentest sollte doch Erkenntnisse geliefert haben. So schürt man doch nur alle möglichen Spekulationen.

02.01.19 14:46

Kommando zurück

von magicmat

Ok, habe soeben den Artikel vom 27.12. gefunden, der ja anscheinend ein anderes Bild auf die Sache wirft. Mittlerweile aber auch wieder eine Woche her und toxikologische Befunde gibt es noch nicht. Um so überraschender, dass sich die Presse nicht umfassender darauf gestürzt hat. Wenn man so sieht, was sonst bei Amok-Fahrten berichtet wird.

24.12.18 10:53

Ich habe nachgedacht ...

von vadda

... und komme zu dem Schluss, dass ihr Posting den gleichen Wert hat, wie ihr Geschreibsel vor wenigen Tagen über den Verletzten in der Südstadt. "Das was ich da zuletzt geschrieben habe ist wirklich Unsinn", so hatten sie sich beurteilt.

Sie nennen sich selber Falkenauge. Wollen wir schauen, was sie zum eigentlichen Thema erspäht haben:

Ihr "Falkenauge" und ihre fachmännische Beurteilung zum Hergang des Ereignisses in allen Ehren, aber wo bleiben ihre Fakten? Ein hoher Bordstein und eine Entfernungsangabe beweisen ihnen, dass es kein Suizidversuch war? Bilden sie sich ein, die Fachleute der Polizei für die Spurensicherung seien weniger kompetent als sie? „Die Auswertung der Spuren am Ort des Geschehens und Befragungen ergaben Hinweise darauf, dass der 32-Jährige möglicherweise Suizid begehen wollte“, so steht es in der Presseerklärung der Polizei, die Stunden vor ihrem unsäglichen Kommentar herausgegeben wurde.

Es würden keine echten belastbaren Fakten genannt, warum der Bosnier kein Attentäter sein soll, so schreiben sie. Niemand hat ein Attentat bestritten. Was führt sie dazu, solch einen Blödsinn zu verbreiten? "Auch die Durchsuchung seiner Wohnung ergab keine Hinweise, die auf eine andere Motivlage (Anmerkung: als einen Suizid) hindeuten würden", heißt es weiter in der Presseerklärung.

Die Adventszeit, die Zeit der Besinnung ist in bald vorbei, nutzen sie die noch verbleibenden Stunden und kommen sie zu sich.

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