Lohweg: Gerichtsvollzieherin kommt mit Polizeischutz

Recklinghausen Ein Dutzend Streifenpolizisten und Beamte der Einsatzhundertschaft haben am Dienstag gegen 9 Uhr einer Gerichtvollzieherin Amtshilfe geleistet, um im Zuge einer Zwangsräumung ein Zweifamilienhaus am Lohweg leer zu ziehen.

  • Unter Polizeischutz rückten am Lohweg Packer an. Foto: Gutzeit

Gas und Strom waren abgeklemmt, neben den Polizeibeamten waren auch eine Ordnungsamtsmitarbeiterin und ein Arzt vor Ort. Das Aufgebot beruhte offensichtlich auf der Befürchtung, dass die Räumung womöglich nicht widerstandslos hingenommen würde. Schon mehrfach musste in der Vergangenheit die Polizei im Zusammenhang mit Vollstreckungsmaßnahmen anrücken. Die Räumung des im Juni zwangsversteigerten Hauses richtete sich gegen einen 48-Jährigen, dessen Mutter und eine Tante. Im Laufe des Polizeieinsatzes am Lohweg stellte sich heraus, dass der Mann verschwunden ist. Die Staatsanwaltschaft in Bochum hat gegen ihn Anklage wegen Bedrohung erhoben, er soll einem Rechtsanwalt angeblich damit gedroht haben, ihm den Schädel einzuschlagen. 

Die Zwangsräumung steht am Ende einer langen Geschichte – mit vergleichsweise profanem Anfang und einer über Jahre eskalierenden Verselbstständigung. 1996 hatte der 48-Jährige eine Solaranlage auf dem Dach seines Hauses am Lohweg installieren lassen, sie erfüllte allerdings nicht die Erwartungen in Sachen Energieersparnis. Der Recklinghäuser sah sich durch Versprechungen des Handwerkers getäuscht, zog vor Gericht, verlor und gerierte sich in der Folge als „Solarkritiker“ – und Justizopfer.
In diesen Rollen erlangte der Mann vor allem durch Internet-Aktivitäten bundesweit Bekanntheit, auch Fernsehsender wusste er für seine Sicht der Dinge zu interessieren. Immer mehr rückte eine „Geheimakte“ des NRW-Justizministeriums über den „Solarkritiker“ für den Recklinghäuser in den Mittelpunkt.
Früher als Prokurist eines mittelständischen Unternehmens tätig, ist der 48-Jährige diesen Job seit Jahren los. Er strengte im Verlauf von eineinhalb Jahrzehnten Prozess um Prozess an. Richter, Staats- und Rechtsanwälte wurden vorzugsweise im Internet mit – falschen – Vorwürfen überzogen. Deswegen zu zum Teil empfindlichen Geldstrafen von etlichen Tausend Euro verurteilt, saß der „Solarkritiker“ ersatzweise einen Teil davon im Gefängnis ab. Als „Opfer der Justiz“.