Von Schafen, Lämmern und dem Wolf: Unterwegs mit dem letzten Vollerwerbs-Schäfer im Kreis

Waltrop/Datteln Heinz-Josef Stratmann ist der letzte Vollerwerbs-Schäfer im Kreis Recklinghausen. Für ihn ist es Berufung, sagt er. Doch nicht alles in seinem Beruf ist rosig, wie der 52-Jährige im Gespräch mit unserer Zeitung erzählt.

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    Heinz-Josef Stratmann ist der einzige vollerwerbstätige Schäfer im Kreis Recklinghausen. Foto: Anna Lisa Oehlmann

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    Am Geruch und an den Lauten, dem Blöken, erkennen die Mutterschafe ihre Lämmer. Foto: Anna Lisa Oehlmann

Wenn Heinz-Josef Stratmann pfeift und kussähnliche Geräusche macht, dann kommt sie angerannt: seine Schafsherde. Aktuell grasen einige hundert Tiere auf einem Rapsfeld gegenüber dem Uniper-Kraftwerk an der Stadtgrenze zu Datteln. Rund 700 Schafe und Lämmer gehören dem Waltroper. „Ich bin der einzige vollerwerbstätige Schäfer im ganzen Kreis Recklinghausen“, sagt er. Sein Berufsstand sei vom Aussterben bedroht, berichtet der 52-Jährige. Er ist Tierwirtschaftsmeister mit Schwerpunkt Schafhaltung, heute heißt es Tierwirt - ein dreijähriger Ausbildungsberuf.

Weniger Betriebe, mehr Schafe

Ein Blick in die Statistik des Landesamts IT.NRW zeigt, dass sich die Anzahl der landwirtschaftlichen Betriebe mit mindestens 20 Schafen innerhalb des vergangenen Jahres von 1160 auf 1150 reduzierte. Allerdings: Anfang November 2018 gab es in den nordrhein-westfälischen Betrieben mit Schafhaltung rund 139.700 Schafe. Damit stieg der Bestand um 0,5 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. „Es sind wohl mehr Hobbyschäfer geworden“, erklärt sich Heinz-Josef Stratmann diese Zahl.

Sieben-Tage-Woche

Für ihn ist das Schäfer-Dasein Berufung. „Es macht einfach Spaß. Das hat aber nichts mit Romantik zu tun“, sagt Stratmann. Denn er hat eine Sieben-Tage-Woche und kann nie länger als drei Tage am Stück in den Urlaub fahren. Einmal morgens und einmal nachmittags schaut er nach den Tieren. „Wenn eins von denen krank ist, sehe ich das sofort“, sagt er. Das macht die 35-jährige Erfahrung. Bereits in der vierten Generation führt er den Familienbetrieb, den er von seinem Vater übernommen hat.

Merino- und Bentheimer Landschafe

Sechs bis sieben Jahre verbringen die Tiere im Schnitt bei Stratmann, bevor er sie an Händler verkauft. Er hält wenige schwarzköpfige Fleischschafe. Einmal im Jahr werden sie für ein muslimisches Fest geschlachtet. In der Hauptsache besitzt er Merino- und Bentheimer Landschafe. Letztere sind eine vom Aussterben bedrohte Hausschaf-Rasse. Einmal im Jahr werden die Schafe geschoren. Gewinn macht Stratmann damit keinen. Arbeitskosten und erzielbarer Preis lägen jeweils bei etwa 3 Euro. „In den 50ern konnte mein Opa die Wolle noch für fünf Mark pro Kilo verkaufen. Heute gibt's 20 bis 25 Cent, bei Merino-Schafen einen Euro pro Kilo“, sagt Stratmann. Milchschafe habe er keine.

Bis nach Herten und Gelsenkirchen

Er wandert mit den Tieren von Fläche zu Fläche – am liebsten zu Fuß, bei größeren Entfernungen aber mit dem Transporter. Im Sommer weideten die Schafe und Lämmer beispielsweise auf den renaturierten Mülldeponien in Herten und Gelsenkirchen.
Wenn er sich nicht um die Tiere kümmert, ist Büro-Arbeit angesagt. Er führt ein Bestandsregister. Jedes Tier ist darin aufgeführt, jedes hat eine Ohrmarke. Er muss Buch darüber führen, welche tierärztlichen Behandlungen und Medikamente die Schafe bekommen haben.

Der Wolf bereitet ihm Sorgen

Ans Aufhören denkt der 52-Jährige noch nicht. Nur eins bereitet ihm Sorgen: der Wolf. „Wenn der Wolf hierher kommt, höre ich auf. Vielleicht nicht gleich, aber bald“, sagt er und erzählt Gruselgeschichten, die er von Kollegen gehört hat: „Das muss ich nicht haben, auf die Weide zu kommen und dann liegt da ein Tier, aus dem die Eingeweide rausgucken und womöglich liegt da noch ein lebendiges Lamm daneben“, sagt er und wirkt betroffen. Auch die Panik, die die restlichen Tiere durch den Vorfall verspüren würden, würde eine Arbeit mit ihnen nahezu unmöglich machen.

@ Sehen Sie ein Video unter: www.cityinfo.tv/schaefer
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