Begegnung mit einem Parkinson-Erkrankten: Eine Facebook-Geschichte, die unzählige Menschen berührt

WALTROP Eine Riesen-Welle an positiver Resonanz hat jetzt ein Beitrag bei Facebook ausgelöst. Dabei schilderte da "nur" ein 42-jähriger Waltroper seine Begegnung mit einem Mitbürger. Aber: Es war eine ganz besondere Begegnung. Was Thorsten Kersting und Isljam "Niko" Nurkovic jetzt verbindet, erklärt die folgende Geschichte...

  • Islkjam

    "Guck, so funktioniert Facebook!" - Thorsten Kersting (re.) hat Isljam "Niko" Nurkovic getroffen und die Geschichte aufgeschrieben. Foto: Tamina Forytta

Als Thorsten Kersting den 70-Jährigen zufällig neulich „Am Moselbach“ sah, sprach er Nurkovic, den alle Niko nennen, an. Auch, weil Thorsten Kersting selbst schon erlebt hatte, wie erwachsene Menschen sich über den „besoffenen Opa“ lustig gemacht hatten, ihn verspottet hatten. Für Außenstehende mag es befremdlich wirken, wenn sie Niko treffen: Er rudert bisweilen mit den Armen, wirkt auf manchen wie betrunken.

Zeit genommen

Kersting nahm sich etwas Zeit, kam mit Niko ins Gespräch. Und er erfuhr: Die Krankheit Parkinson bewirkt, dass der 70-Jährige auf manchen seltsam wirkt. „Ich erfuhr von seinem Leid, aber auch, dass er unglaublich glücklich ist, nach längerer Zeit endlich wieder laufen zu können und den Sonnenschein zu genießen“, so beschrieb Thorsten Kersting es später bei Facebook.

"Tue Positives und sprich darüber"

Dort nämlich schilderte er die Begegnung mit Niko. Sein Gedanke: Tue Positives und sprich darüber – und zwar, damit das Negative nicht die Oberhand gewinnt. Positive Erlebnisse teilen und sie so zu multiplizieren, das ist die Idee des 42-jährigen Familienvaters, der beruflich als „Glücklichmacher und Chancengeber“ – Coach, könnte man auch sagen – unterwegs ist.

Mit der Resonanz nicht gerechnet

Dass die Geschichte über das soziale Netzwerk Facebook auf ein solches Echo stoßen würde, damit hat Thorsten Kersting nicht gerechnet. Mittlerweile ist sein Eintrag vom vergangenen Mittwoch bei Facebook knapp 6.000 Mal geteilt worden, es gibt mehr als 600 Kommentare und über 15.000 Menschen hinterließen ein „Gefällt mir“ oder Ähnliches. Fernsehsender hätten sich ebenfalls gemeldet, erzählt Thorsten Kersting. „Ist das denn so etwas Besonderes?“, wundert er sich. Die Kommentare bei Facebook sprechen eine eindeutige Sprache: „Einfach wow!“ „Toll, dass es Leute wie dich gibt.“ „Es sollten sich viel mehr Menschen ein Beispiel an dir nehmen.“

"Die Menschen haben Lust auf Positives"

Dabei wollte Thorsten Kersting eigentlich nur eins: „Ich wollte, dass sie ihn in Ruhe lassen und keiner mehr über ihn lacht – deswegen habe ich die Geschichte aufgeschrieben.“ Die Resonanz auf Facebook, die habe ihm aber gezeigt: „Die Menschen haben Lust auf Positives.“

Heimat Montenegro

Niko übrigens hat eine ganze Menge zu erzählen, wenn man sich nur auf ein Gespräch einlässt. Aus Montenegro stammt er, dort wohnen heute noch seine beiden Söhne, 43 und 47 Jahre alt, mit denen er manchmal telefoniert. Nach Deutschland kam er, als Montenegro noch ein Teil von Jugoslawien war. 1969 war das, 1992 dann gelangte Isljam Nurkovic, der als Maurer arbeitete, nach Waltrop. Vor drei, vier Jahren, erzählt er, hätten die körperlichen Beschwerden begonnen, vor zwei Jahren wusste er dann: Es ist Parkinson.

Ein Netzwerk schaffen

Thorsten Kersting hat Niko schon eine ganze Menge über sein Leben, seine Krankheit erzählt. Kersting wiederum möchte zum Mitdenken bewegen. Dazu aufrufen, sich für seine Mitmenschen zu interessieren. Einmal hinter die Fassade schauen und nachzudenken, bevor vorschnelle Urteile fallen.
Thorsten Kersting versucht jetzt, für Niko ein kleines Netzwerk zu schaffen – aus Menschen, die gern helfen möchten. Ideen gibt’s genug. Kersting: „Ein Hausnotruf-System, das wäre toll…“
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