Ehemaliger Stadtcafé-Betreiber: Rassismus-Vorwurf: Serdal Tokalak meldet sich zu Wort

Waltrop Wenig bis gar kein Verständnis hat Serdal Tokalak, ehemaliger Betreiber des Stadtcafés, für die jüngsten Äußerungen seiner gastronomischen Nachfolgerin Leyla Yücka, die ihre Café-Bar Eins A schließen musste. Yücka sagte unter anderem, dass es fremde Menschen in Waltrop schwer hätten und auch, dass es immer wieder Anfeindungen gegen ihre türkischen Wurzeln gegeben habe.

  • Serdal Tokalak

    Ein Bild aus vergangenen Tagen: Serdal Tokalak hinterm Tresen des damaligen Stadtcafés. Für seine große Gastfreundschaft wurde der 44-Jährige stets besonders von seinen Gästen geschätzt.

 „Rassismus und Spaltung als Joker zu nehmen, finde ich absurd“, kontert nun Serdal Tokalak, der heute in Istanbul lebt. Die Türkei ist sein Heimatland, gelebt hat Serdal Tokalak aber fast sein ganzes Leben in Deutschland, in Waltrop. „Im Oktober 1976 sind wir aus Görele hergekommen“, erzählt er. Noch heute wohnen dort drei seiner Brüder, seine Schwester und unzählige Freunde. Über die Online-Ausgabe unserer Zeitung verfolgt der 44-Jährige auch aus Istanbul noch immer, was in seiner einstigen Wahl-Heimat vor sich geht. Und die jüngsten Geschehnisse findet er gar nicht gut.

"Waltrop ist bunt"

„Ich habe hier immer schöne Erfahrungen gemacht, so wie viele andere türkische Mitbürger auch. Waltrop ist bunt –  dafür bin ich dankbar!“, sagt Serdal Tokalak und versichert: Rassismus habe er „nie gespürt“.
Dass das Café an der Lehmstraße, in Sichtweite zu Matratzen Concord und Schuh Röttger, kein einfaches Objekt ist, das unterschreibe er zwar. „Es gibt hier Parkprobleme und es liegt leicht außerhalb“, begründet Tokalak. Dass aber der Vermieter der Räumlichkeiten, Hans Hanisch, wie von Leyla Yücka dargestellt, nicht hilfsbereit sei, das sieht der Vollblut-Gastronom anders. „Sogar bei der Pacht kam mir Herr Hanisch jedes Mal entgegen.“

Aufgabe fiel ihm schwer

Was am Ende für das Aus seines Stadtcafés gesorgt hat, war das Nachmittagsgeschäft, wie Tokalak schon im Oktober 2016 im Gespräch mit unserer Zeitung sagte. Morgens und mittags lief der Betrieb gut – doch unterm Strich blieb zu wenig übrig. Die Aufgabe seines Cafés, sie fiel dem herzlichen Gastgeber sehr schwer. Mindestens genauso schwer wie der Schritt, Waltrop gen Istanbul zu verlassen.

Am Anfang war's nicht leicht

Heute hat sich Serdal Tokalak in seiner neuen Heimat eingelebt, wenngleich die Anfangszeit nicht ganz leicht war. Die meiste Zeit verbringt er inzwischen mit seiner Mutter und mit Ehefrau Semra. Letztere hatte stets den beinahe legendären Kuchen im Stadtcafé gebacken. Und auch beruflich geht es wieder bergauf für Serdal Tokalak. Seit Mai letzten Jahres arbeitet er im Radisson-Blu- Hotel – ein Fünf-Sterne Haus. An den Samstagen betreut er ehrenamtlich junge Leute in einem Jugendzentrum. „Ich habe hier auch einige deutsche Studenten kennengelernt“, berichtet Tokalak. Es sei nicht immer leicht, aber er versuche, mit allem gut klarzukommen.

Botschaft an die Landsleute

Auch deshalb richtet er eine Botschaft an diejenigen seiner Landsleute, die „Deutschland als Rassistenland sehen. Wer das findet, der muss eben zurück in die Türkei gehen – und nicht nur, um Urlaub zu machen“, findet Tokalak. Istanbul sei zwar eine wunderschöne Stadt und jeden Besuch wert. Um das deutsche Niveau zu erreichen, fehle jedoch noch einiges.

Beide Ländern sind Heimat

Ob Serdal Tokalak noch einmal zurück kommt nach Waltrop? „Ich weiß es nicht“, sagt er. Beide Länder seien für ihn seine Heimat. „Deshalb lebe ich da, wo ich mein Brot verdienen kann.“ Vorerst ist das eben die Türkei. „Aber Urlaub mache ich am liebsten in Waltrop!“ Das nächste Mal für einen Tag im September...
4 KOMMENTARE
20.08.18 19:29

Ein sehr enttäuschendes Statement von Herrn Tokalat..

von SchwanzusLongus

...„Deutschland als Rassistenland sehen. Wer das findet, der muss eben zurück in die Türkei gehen – und nicht nur, um Urlaub zu machen“...

Alles klar, wer also auf eine Fehlentwicklung aufmerksam macht soll das Land verlassen. Nach dem Motto: "Wenns dir nicht gefällt hau doch ab." Das könnte direkt von der AFD stammen.
Nur weil manche ein Thema das vielleicht für die meisten unangenehm ist und die meisten auch nicht betrifft zu Tage bringt, sollen die jenigen also das Land verlassen? Immer wenn es einem irgendwo nicht passt also Land wechseln, umziehen?
Wie soll das gehen? Wohin sollen die die in zweiter, dritter Generation hier geboren und aufgewachsen sind? Nur weil ein Teil der Bevölkerung Ängste schürt und rassist ist sollen die anderen wegen ihrer Haarfarbe das Land wechseln?

Ist es wieder mal Zeit eine Alibi-Ausländer "zu Wort" kommen zu lassen? Wenn es der Ausländer selber sagt dann muss es ja stimmen, gell?

Daran sieht man das niemand ein ernsthaftes Interesse daran hat eine Lösung zu finden oder wenigsten etwas zu tun, es wird stur blockiert, ignoriert, diffamiert und alles getan den jenigen fertig zu machen der auf ein Fehler hinweist.

15% wählen die NSDAP-Nachfolgepartei, die Entwicklung wird wenn man sich die Nachbarländer ansieht nicht besser. Wo soll es hinführen?

Ein sehr enttäuschendes Statement von Herrn Tokalat und von der Waltroper-Zeitung.

17.08.18 17:08

Eigentor

von HeikoS

Da kann der Begriff "klassisches Eigentor" neu definiert werden.

17.08.18 09:39

finde ich auch

von maulwurf

gut geschrieben.

Das Problem: Um Abgeordneter im Bundestag oder Bundeskanzler(in) zu werden braucht man keine vorgeschriebene Ausbildung und noch wichtiger: noch nicht mal Ahnung vom Beruf.
Um Gastronom zu werden braucht man zwar auch keine vorgeschriebene Ausbildung, aber man muss zumindest Ahnung von der Materie haben.
Ein guter Gastronom mit Fachkenntnis aus der Branche kann aus einem schlechten Standort noch was machen. Wenn aber ein "Gelegenheits"Gastronom auf einen schlechten Standort trifft dann ist die Katastrophe abzusehen.
Gastronomen mit Migrationshintergrund haben hierbei einen Vorteil: sie können hier die volle Keule der "Rassismus"-Ursache für ihr scheitern heranziehen.

Die Wahrheit scheint aber wohl zu sein:
Die "Rassismus-debattierende" Ex-Betreiberin würde wohl mit der Neueröffnung eines Cafes in der Türkei genau so scheitern. - womit sämtliche "Scheiter-Argumente" widerlegt wären.

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