Keine Pendler mehr: Die "Schwarze Kuhle" funkt SOS

Waltrop So ruhig war es seit Jahrzehnten nicht in Oberwiese. Wo sonst Tausende Fahrzeuge am Tag pendeln, sind wegen des Brücken-Neubaus am Hebewerk die Autos und Lkw seit Wochen an zwei Händen abzuzählen. Was für viele Oberwieser sicher ein angenehmer Zustand ist, bringt Familie Rasch in bittere Existenznot. Die Pächter der „Schwarzen Kuhle“ sind von der Außenwelt abgeschnitten.

  • Schwarze Kuhle

    Melissa und Tobias Rasch mit Sohn Leon (14 Monate) wissen nicht weiter. Weil es praktisch keinen Durchgangsverkehr mehr gibt in Oberwiese, haben sie kaum noch Kundschaft in ihrem Imbiss. Foto: Martin Behr

Video-Update

 


Am Dienstag hat unsere Zeitung berichtet, dass die neue Brücke um Wochen später fertig wird als geplant: Anfang November statt Mitte September. Was für Autofahrer ein Ärgernis ist, war eine Schock-Nachricht für Tobias Rasch. „Wir stehen kurz davor, schließen zu müssen“, sagt der Imbiss-Betreiber. 60 bis 80 Prozent Umsatzeinbuße sind einfach nicht aufzufangen.

Durchgangsverkehr bleibt aus

„Eigentlich ist jetzt die Zeit, in der wir ein kleines Polster für die Wintermonate aufbauen“, erzählt seine Frau Melissa. Wie gesagt, eigentlich. Weil es aber praktisch keinen Durchgangsverkehr mehr gibt – Pendler, Rad- und Lkw-Fahrer sind die Hauptkundschaft der „Kuhle“ –, bleibt die Kasse leer – und der Würstchen-Grill voll. Ein paar Stammkunden gibt es noch, die den Weg an die Recklinghäuser Straße 237 finden. Aber das reicht vorne und hinten nicht. „Es gibt Tage, da sind unsere Kosten höher als die Einnahmen“, sagt Tobias Rasch. Schließen wäre da die wirtschaftliche Lösung, aber keine Option. „Dann haben wir ja nicht einmal mehr die Chance, etwas zu verdienen...“

Ausgleichszahlung vom WSA?

Familie Rasch hat nun auf Hilfe in Form einer Ausgleichszahlung vom Wasserstraßen- und Schifffahrtsamt (WSA) gehofft. Als Bauherr der neuen Brücke ist das WSA schließlich verantwortlich dafür, dass der Schwarzen Kuhle die Kunden wegbleiben – und zwar monatelang. „Man hat uns gesagt, dass so eine Beeinträchtigung hinzunehmen ist, weil wir ja noch von einer Seite zu erreichen sind“, sagt Tobias Rasch.
Auch unsere Redaktion hat sich mit dem WSA in Verbindung gesetzt. Dessen Leiter, Volker Schlüter, bestätigt die grundsätzliche Aussage. „Es gibt erstmal keinen Entschädigungsanspruch.“ So sieht es das Gesetz vor.

In Existenz bedroht

Aber es gibt immerhin einen Hoffnungsschimmer. Denn Fälle, bei denen es um Entschädigungszahlungen geht, seien immer Einzelfallentscheidungen, so Schlüter. „Und manche Einzelfälle werden auch anders entschieden.“ Das kann dann passieren, wenn nachgewiesen werden kann, dass ein gesunder Betrieb in seiner Existenz bedroht ist. „Und das könnte hier so sein“, sagt Volker Schlüter, der allerdings befürchtet, dass so ein bürokratischer Weg seine Zeit dauern wird.

Wie Familie Rasch bis dahin ihre Existenz aufrechterhalten kann? „Uns wäre ja schon geholfen, wenn ein paar mehr Kunden kämen“, sagen sie. Ein verzweifelter Aufruf an alle Waltroper.
8 KOMMENTARE
14.09.17 19:19

also

von maulwurf

wirklich erfolgreiche Unternehmer sind bescheiden, machen keinen Aufschrei um ihren Reichtum (prahlen nicht mit ihren tollen Fähigkeiten) und haben eine gewisse Weitsicht.
siehe Aldi - die wissen dass sie reich sind und gut sind und prahlen damit nicht rum.
Alle anderen fallen wohl unter falsche Selbsteinschätzung. Solche Kommentare und Sprüche helfen Euch nicht weiter, Fam. Rasch.
Fest steht: die Kunden kommen nicht von alleine. Ihr könnt euren Grill nicht einfach in die Innenstadt verlegen. Also müsst ihr die Kunden heranlocken. Das geht am besten über Wetten, Wettbewerbe etc. z.B. Wetten, dass es am Samstag keiner schafft 50 Personen auf einen Schlag zum Grill zu schaffen. Oder macht Angebote für Vereine und Gruppen; ladet die Feuerwehr ein (die essen immer gerne) etc. Gebt Rabattgutscheine für November/Dezember etc. ; oder: wer 5 x vorbeikommt bis Ende September bekommt eine Wurst umsonst.

Wenn ich Zeit habe, komme ich mal vorbei. Einfach um ein Zeichen zu setzen, und wenn das viele genauso machen übersteht der Grill auch die Zeit bis zur Aufhebung der Straßensperrung.

14.09.17 17:33

Ausfallzeit

von bm-waltrop

wird noch erheblich länger. Wenn in Kürze die Lukasbrücke abgerissen und nach erfolgter Kanalverbreiterung, Bau neuer Brückenfundamente eine erheblich längere und breitere Brücke montiert werden soll, muss diese natürlich auch angeliefert werden. D.h. umfangreichere Bauarbeiten + Brücke größer x breiter x höher x Transportprobleme ergibt eine wesentlich längere Sperrung der Straße. Tolle Aussichten.

14.09.17 15:32

Posting wurde gesperrt

von Koeppi

Das Posting enthält beleidigende Inhalte und wurde daher gesperrt.

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