"Muss erst was passieren?": In der Nachbarschaft geht die Angst um

Waltrop Unerklärliche Brände, Drohungen und wilde Beschuldigungen: Was geht vor in dem Haus, zu dem Polizei und Feuerwehr regelmäßig ausrücken?

  • Zum Tal

    Totgesagte leben länger? Weil sein Nachbar dem Postboten gesagt haben soll, dass er tot sei, hat Wolfgang Richter nach eigener Aussage in großen Buchstaben auf die Garage geschrieben, dass er noch lebt. Foto: Martin Behr

Die Straße „Zum Tal“ ist eine ruhige Straße. Gelegen am nordöstlichen Ende des Stadtparks, leben die Anwohner in einer beschaulichen Siedlung. Mit der Ruhe und Beschaulichkeit ist es seit geraumer Zeit aber vorbei. Zuletzt am Sonntag standen Polizei- und Feuerwehrfahrzeuge in ihrer Straße: Beim ersten Einsatz brannte eine große Tanne vor dem Haus, beim zweiten schlug ein Rauchmelder Alarm (wir berichteten).
Auf Nachfrage unserer Redaktion bestätigt Polizeisprecherin Ramona Hörst gestern, dass es zumindest im ersten Fall nach Brandstiftung aussehe. „Die Kollegen ermitteln in dieser Sache.“

35 Strafanzeigen gestellt

Aber was sind die Hintergründe dieser Vorfälle? Das Einzige, was hier zweifelsfrei zu sagen ist: Es herrscht ein regelrechter Kleinkrieg zwischen zwei Bewohnern dieser Immobilie. 35 Strafanzeigen aus diversesten Gründen habe einer der beiden, Ex-Bürgermeisterkandidat Wolfgang Richter, nach eigenen Angaben bereits gegen seinen Nachbarn gestellt. Er sieht sich als Opfer. Dass zumindest eine Vielzahl an Vorgängen vorlägen, bestätigt auch die Polizei, die regelmäßig mit den Bewohnern des Hauses zu tun hat. „Die Brandgeschichte von Sonntag ist da nur eines von vielen Themen“, sagt Hörst. Auf weitere Nachfrage bestätigt die Behördensprecherin auch einen Leichenfund vor rund zehn Monaten in besagtem Gebäude. Die Ermittlungen hätten aber „keinen Hinweis auf Fremdverschulden ergeben“, betont Ramona Hörst.

„Die fackeln uns noch alle ab!“

Inzwischen geht in der Nachbarschaft aber vor allem wegen der Brände die Angst um. Am Rande des zweiten Einsatzes der Rettungskräfte am Sonntag berichteten die Anwohner von schlimmen Zuständen in dem Haus. Die konkrete Befürchtung: „Die fackeln uns noch alle ab!“, formulierte es eine direkte Nachbarin. Mittlerweile schrecke man regelmäßig nachts hoch, weil Rauchmelder oder Ähnliches zu hören seien, erzählen die Nachbarn weiter. Tatsächlich war es auch für die Feuerwehr nicht erst das erste oder zweite Mal, dass sie hierher fahren musste.

Der Verdacht der Nachbarn: Jemand in dem Haus versucht aktiv, Feuer zu legen. Nach Aussage von Wolfgang Richter hat sein Nachbar auch genau das angekündigt. „Er hat zu mir gesagt: ,Bevor ich hier raus muss, brenne ich das Haus ab und Du gehst mit drauf!‘“ Dass sein Nachbar die Wohnung verlassen muss, steht nach Richters Angaben fest, weil es eine Räumungsklage gegen den Mann geben soll. Der Betreuungsverein der Lebenshilfe, der die Immobilie stellvertretend für eine Frau verwaltet, wollte sich auf Anfrage unserer Redaktion zu dem Thema nicht äußern.

"Auf Gerüchte können wir nichts stützen“

Zurück zur Nachbarschaft. Die fordert, dass die Polizei „endlich mal durchgreifen“ und im Zweifelsfall jemanden mitnehmen müsse. „Muss denn erst etwas passieren, bevor hier gehandelt wird!?“
Behördensprecherin Ramona Hörst hat durchaus Verständnis, erklärt aber, dass die Rechtslage schwierig sei. „Es gibt zwar eine Anzeige wegen Brandstiftung, aber die läuft gegen unbekannt. Bisher beschuldigen sich hier zwei Menschen gegenseitig. Und nur auf Gerüchte können wir nichts stützen.“ Heißt: So lange die Polizei keine Beweise hat, wer der Brandstifter ist, solange kann sie „keine Maßnahmen ergreifen“. Hörst ruft daher auch die Nachbarn auf, sich bei der Polizei zu melden, wenn hier jemand Hinweise hat (Tel.: 0800/2361-111).
4 KOMMENTARE
31.07.18 23:34

Gibt es keinen sozialen Dienst...

von Hermodr

...welcher sich der Sache neutral annimmt?

Es wirkt so, dass eine oder zwei psychische Erkrankungen vorliegen. Damit ist je nach Art und Ausprägung nicht zu spaßen.

35 Anzeigen sprechen hier eine deutliche Sprache, mitunter möchte der Anzeigenerstatter hier auf seine Problematik hinweisen. Die Justiz kann und wird das nicht Regeln wollen, der Polizei fehlen Anhaltspunkt.
Es ist erschreckend und sehr bedauerlich. Und kann, wenn es übel läuft, wortwörtlich brandgefährlich werden.

Hier ist Hilfe oberste Gebot. Hoffe der Artikel zielt darauf ab.

31.07.18 16:23

Tippfehler

von Dortmund-Fan

Muss natürlich 'schiesst' heißen, nicht 'heisst'. Blöde Autokorrektur. 😉

31.07.18 16:21

Bedauerlich!

von Dortmund-Fan

Herr Richter hat vielfach Recht, wenn er die Zustände in Stadt und Gesellschaft öffentlich kritisiert, auch wenn er dabei häufiger mal über das Ziel hinaus heisst. Die Verwicklung in solche Geschichten hier sind allerdings völlig kontraproduktiv. Sehr schade!

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