Schwarzmaler oder nicht?: So sieht ein kritischer Lokalpatriot seine Stadt

Waltrop Die Politik träge, die Innenstadt blutleer und jede Menge Missstände: Weg will Robin Patzwaldt trotzdem nicht. Die Ansichten eines kritischen Lokalpatrioten...

  • Robin Patzwaldt

    Was sich Robin Patzwaldt (46) wünscht? „Dass wir alle gemeinsam ein bisschen mehr Bewusstsein dafür entwickeln, die Probleme in unserer Stadt anzupacken.“ Foto: Martin Behr

Schwarzmaler, Dauernörgler, gar Wutbürger – auf all diese Begriffe könnte der geneigte Leser kommen, folgt er den Zeilen Robin Patzwaldts in seinen Leserbriefen und Online-Kommentaren. Leben in Waltrop, es scheint für den 46-Jährigen vielfach eher Leiden in Waltrop zu bedeuten. Schwarzmaler, Dauernörgler, Wutbürger: Ob ihn diese Worte daher treffend beschreiben? „Nein, überhaupt nicht“, sagt er mit Bedacht.

Sehr wohl ist Robin Patz-waldt aber ein kritischer Geist, bisweilen streitbar und diskussionsfreudig. Seine Meinung tut er gerne kund, wiewohl stets sachlich.
Dabei müssen es nicht immer die großen Dinge sein, die den Waltroper ärgern. Ein ganz aktuelles Beispiel: Die Couch, die der Ver- und Entsorgungsbetrieb (V+E) nach unserem Zeitungsbericht aus dem kleinen Gebüsch am Woolworth-Parkplatz gezogen hat. „Diese Couch lag da mindestens zwei Jahre“, sagt Patzwaldt. „Und so etwas kann ich nicht verstehen. Auch die Mitarbeiter des V+E oder die des Ordnungsamtes müssen den Müll in der Zeit doch gesehen haben. Wieso werden die denn nicht mal von alleine aktiv? Es muss ja nicht gleich passieren, aber man kann es doch wenigstens weitergeben.“

Mängel-App? „Der reinste Hohn“

Stichwort weitergeben: Auch Robin Patzwaldt hat die alte Couch telefonisch bei der Stadt gemeldet; kurz nachdem sie dort hingeschmissen wurde. Passiert ist nichts, nicht einmal eine Antwort habe er bekommen. „Wenn ich dann lese, dass die Stadt nun plant, eine Mängel-App einzuführen, empfinde ich das als den reinsten Hohn.“
Schon jetzt würde das Melden von Müll-Ecken seiner Erfahrung nach nicht dazu führen, dass dort zeitnah klar Schiff gemacht wird. Wie soll das also in Zeiten von Personalknappheit funktionieren, wenn die Bürger per App noch viel schneller und unkomplizierter Missstände melden können?

Auch politisch hat sich Robin Patzwaldt eine Zeit lang in seiner Heimatstadt engagiert. In Reihen der Grünen. Datteln 4, das umstrittene Kraftwerk an der Grenze zu Oberwiese, habe ihn damals motiviert, in die Partei einzutreten. Die Waltroper Grünen haben den aus ihrer Sicht illegalen Bau abgelehnt und dagegen gekämpft. Eine Meinung, die auch Patzwaldt vertritt. Dennoch hat er sich nach zwei Jahren wieder zurückgezogen, was auch mit der gegensätzlichen Haltung der Mutterpartei im Land zu tun hatte. „Es war trotzdem eine interessante Erfahrung, mal diese politischen Mechanismen kennenzulernen“, sagt Patzwaldt. Eine Erkenntnis brachte ihm seine lokalpolitische Zeit aber auch ein: „Die Möglichkeit, Einfluss zu nehmen, ist sehr begrenzt.“
Als hauptberuflicher Sportjournalist schreibt der 46-Jährige hin und wieder für einen regionalen Internet-Blog über Lokalgeschehen. Zu seinen liebsten Themen gehört da die Stadt Waltrop. „Zum Amtsantritt der neuen Bürgermeisterin habe ich ein Interview mit Frau Moenikes gemacht“, erinnert sich Patz-
waldt. Ein wirklich tolles Gespräch sei das gewesen und die Bürgermeisterin habe sehr motiviert gewirkt.

Wahlversprechen nicht eingehalten

„Heute kann ich leider nicht erkennen, dass sich für uns Bürger was zum Besseren verändert hat“, stellt Robin Patzwaldt ernüchtert fest. „Was ist zum Beispiel daraus geworden, die Parkscheibe wieder einzuführen? Im Wahlkampf sei das groß plakatiert worden, nur um kurz nach der Wahl wieder kassiert zu werden, so Patzwaldt. „Das ist nur ein Beispiel von vielen.“
Bei all dem Gemecker wolle er ihr zugutehalten, dass inzwischen wohl auch die Bürgermeisterin gemerkt haben wird, dass es „kaum Spielraum für Veränderungen gibt“. Waltrop ist pleite.

Wenn er an die politische Landschaft in der Stadt denkt, macht sich in Robin Patzwaldt indes eine gewisse Enttäuschung breit. „Man weiß ja gar nicht mehr, wer Regierung und wer Opposition ist. Die Lokalpolitik hat viel an Schwung verloren.“ Scharfe Reaktionen, Stellungnahmen und Leserbriefe – all das gebe es kaum noch.
Wenn Robin Patzwaldt an Politik denkt, dann kommt ihm die Innenstadt in den Sinn – und das groß angepriesene Innenstadtkonzept. „Es tut mir leid, aber ich sehe dieses Konzept einfach nicht“, stellt der Waltroper fest. Der neue Edeka sei in seinen Augen ein großes Luftschloss. Nicht etwa, weil ein Stück des heiligen Parkes wegfalle. Viel mehr, „weil die Leute doch keinen Grund mehr haben, in die Innenstadt zu gehen, wenn sie bei Edeka einkaufen waren“. Denn auch der erhoffte „Leuchtturm-Mieter“ im Stadthallen-Anbau ist ausgeblieben und Kodi alles andere als ein Massenmagnet. „Wie die Stadt durch dieses Konzept an Attraktivität gewinnen soll, ist mir ein Rätsel“, resümiert Robin Patz-
waldt.

Die klassische Innenstadt der 80er- und 90er-Jahre sieht er ohnehin als Auslaufmodell an. „Es gibt doch nichts, was man nicht online kaufen kann.“ Dabei gibt Robin Patzwaldt unumwunden zu, dass auch er zum Sterben der Innenstadt beitrage. „Außer Lebensmitteln und Hosen kaufe ich auch alles online.“ Es sei einfach bequemer.

„Wenn, dann gehe ich mit dem Kaff hier unter“

Und trotzdem. Er lebe wirklich gerne in Waltrop, versichert der gebürtige Dortmunder, der 1973 in die Stadt der Schiffshebewerke zog. Es seien die Menschen, die die Stadt noch immer lebenswert machen –  und liebenswert. „Vielleicht rege ich mich ja genau deshalb so oft über solche Dinge wie die Müll-Ecken auf; weil ich die Stadt so mag.“
Eines steht für den kritischen Lokalpatrioten in jedem Fall fest. „Ich würde hier niemals wegziehen. Wenn überhaupt, dann gehe ich mit dem Kaff hier unter.“
3 KOMMENTARE
25.03.18 12:10

Gestern Abend wurde wohl,

von mani

die Lagerfeuersaison, in Höhe des Sperrtors Leveringhausen, eröffnet. Heute Morgen kann man sich gut anschauen was manche Mitmenschen von Sauberkeit in der Öffentlichkeit halten. Und gerade dort hat der V&E Mülleimer aufgestellt.

23.03.18 08:08

Waaaaaaas?

von Knax001

Politiker die ihre wahlversprechen nicht halten? In Deutschland?niemals....

22.03.18 13:36

Tja,

von nixwirdgut

also da kann ich (leider) nur voll zustimmen. Um zu erkennen, dass die Stadt ziemlich verdreckt, mit Leerständen gesegnet und vom Warenangebot her mitunter unattraktiv ist, dafür muss man kein Gutachterprofi sein. Traurig finde ich allerdings, dass offensichtlich gerade in den Köpfen vieler Menschen, die in Ruhrgebietsstädten leben, nicht angekommen ist, dass Müll in der Landschaft die Lebensqualität der Anderen und den Geldbeutel der Allgemeinheit stark beeinträchtigt. Von der Optik der Stadt, eines Waldes oder eines Fahrbahnrandes ganz zu schweigen. Man möchte sich gern am zarten blühenden Grün erfreuen, schon wird es mit geradezu krimineller Energie zerstört? Warum, fragt man sich da? Was geht in so einem Menschen vor? Wer gern im Dreck lebt, kann das doch in seinen eigenen vier Wänden tun, aber wir alle möchten doch bitte nicht an diesem Leben teilhaben müssen. 😵 und

?

KOMMENTAR HINZUFÜGEN

Überschrift (max. 70 Zeichen)
Meine Meinung (Noch  Zeichen verfügbar.)
Registrieren Sie sich kostenlos, um Ihren Kommentar abzuschließen.
Um sich registrieren zu können, müssen Sie uns mindestens einen Benutzernamen, ein Passwort und Ihre E-Mail-Adresse mitteilen.