Zwei Marokkaner angeklagt: „Schöner Abend“ oder Raubüberfall?

WALTROP Ein mutmaßlicher Raubüberfall in der Flüchtlingsunterkunft Unterlipper Straße beschäftigt seit Mittwoch das Bochumer Landgericht. Angeklagt sind zwei Marokkaner. Beide beteuern ihre Unschuld.

Es war die Nacht auf den 16. März 2016, als es gegen drei Uhr zu einem Polizeieinsatz kam. Ein Mann hatte sich im Gebüsch versteckt und behauptet, gerade überfallen worden zu sein. Als mutmaßliche Täter benannte er zwei Landsleute, die ihn in die Falle gelockt hätten.

Im Café getroffen

Der 42-Jährige war gerade erst in Deutschland angekommen, als er in einem Dortmunder Café auf die beiden Angeklagten traf. Es wurde geplaudert, dann ging es mit dem Bus nach Waltrop. „Man wollte sich einen schönen Abend machen“, sagte Verteidiger Jörn Dieker. Es gab Bier und Zigaretten, dann wurde sich schlafen gelegt. Mehr sei nicht passiert.

Bedroht und ausgeraubt

Genau das sieht die Staatsanwaltschaft jedoch anders. Sie geht davon aus, dass die Angeklagten ihr Opfer mitten in der Nacht geschlagen, bedroht und ausgeraubt haben. Beute laut Anklage: 350 Euro Bargeld, zwei Handys, ein Ring und eine Kette. „Ich wurde geweckt und dann ging es los“, sagte auch der 42-Jährige bei seiner Zeugenvernehmung. „Die haben mich mit einer Eisenstange geschlagen und auch Messer gehabt.“ Er leide bis heute unter Kopfschmerzen und Schwindel, außerdem habe sich auf seinem Oberkörper eine Vertiefung gebildet – angeblich durch die Schläge.

Prellungen festgestellt

Im Krankenhaus waren damals tatsächlich Prellungen festgestellt worden – mehr aber auch nicht. Zur Behandlung war dem 42-Jährigen eine Salbe mitgegeben worden.
Die 28 und 33 Jahre alten Angeklagten sind beide in Casablanca geboren, haben ihre marokkanische Heimat aber schon zu Jugendzeiten verlassen. Danach waren sie in Italien, in der Schweiz und sind schließlich nach Deutschland gekommen. In Waltrop hatten sich ihre Wege schließlich gekreuzt.

Wem gehört der Ring?

Was zumindest gegen den Älteren der beiden spricht: Bei ihm soll der angeblich geraubte Ring gefunden worden sein. Doch auch davon will der 33-Jährige nichts wissen. „Das ist sein eigener“, sagte sein Verteidiger Björn Rüthers. „Den hat er in Italien gekauft.“ Der Prozess wird fortgesetzt.