Chorleiter ist VIP: Chris gibt den Takt vor

Serie Es gibt sie überall. Eigentlich gehört jeder dazu. Zu den VIPs. Damit meinen wir allerdings nicht die „Very Important Persons“, die auf roten Teppichen ’rumstöckeln, sondern die „Very Interesting Persons“, die uns im Bus, an der Supermarktkasse oder im Schwimmbad begegnen. Wir stellen Euch in dieser Scenario-Reihe junge Menschen vor, die ganz klar VIPs sind. Heute: Chris.

  • VIP Chris

    Auf diese Hände blicken 75 Augenpaare, wenn Chris Riedel (22, Herten) als Chorleiter seinem Family-and-Friends-Chor den Takt vorgibt – mit Erfolg: Zusammen mit einer Big Band sind sie oft gebucht. Foto: Katharina Lenger

Wenn Chris auf der Bühne steht, ist er ganz in seinem Element. Dem Publikum dreht er stets den Rücken zu, denn seine Aufmerksamkeit widmet er voll und ganz seinem Chor und der Band. Mit gekonnt flüssigen Handbewegungen gibt Chris den Takt vor. Gleich darauf setzen Big-Band und schließlich auch der Chorgesang ein.
Chris Riedel ist mit nur 22 Jahren Leiter seines Chors „Family and Friends“. Die Idee, seinen eigenen Chor zu gründen, entstand vor zwei Jahren auf dem 50. Geburtstag seines Vaters. Dort trommelte Chris seine Familie zusammen, um einige Lieder für seinen Papa zu singen. Zwei Lieder davon sang die Familie später noch einmal bei einem Gottesdienst und so wurde aus dem einmaligen Ereignis ein immer größer werdendes Projekt. Wenige Zeit später veranstaltete Chris sein erstes Benefizkonzert unter dem Titel „Wir sind Eins“, wo er Spenden für die Eltern-Intitiative Krebskranker Kinder in Datteln sammelte. In dieser Zeit ist der Chor zum Selbstläufer geworden und immer mehr gewachsen.

„Musikalisch, bunt und dynamisch mit viel Herzlichkeit“

Meist werden die Mitglieder von Veranstaltern nach möglichen Auftritten gefragt und gleich an den nächsten weitergeleitet. Mittlerweile besteht der Chor aus 75 Chor- und elf Bandmitgliedern der Big-Band, die alle zwischen zehn und 84 Jahre alt sind. In der Big-Band, die den Chor begleitet, sind Instrumente, wie Orgel, Klavier, Keyboard, Trompete, Querflöte, Gitarre, E-Bass, Schlagzeug, Saxofon und Posaune, vertreten. „Musikalisch, bunt und dynamisch mit viel Herzlichkeit“ so beschreibt sich der Chor selbst, der auch heute noch zu 20 Prozent aus Familie und zu 80 Prozent aus Freunden besteht. Vier Benefizkonzerte hat der Family-and-Friends-Chor bereits veranstaltet und dadurch Spenden im Wert von 5 000 Euro gesammelt und an Vereine wie Wünschdirwas e.V. oder der DKMS gespendet.
Chris selbst ist neben dem Dirigieren für die Organisation und das Komponieren von neuen Liedern zuständig. „Dazu brauche ich nur ein Motto, mein Klavier und etwas Zeit“ erklärt der 22-jährige Hertener. Innerhalb weniger Tage gelingt es ihm, daraus ein neues Stück zu komponieren – mit verschiedenen Stimmen für die einzelnen Instrumente und passendem Text. Weil der Chor sehr viel Zeit in Anspruch nimmt, organisiert Chris ihn projektweise in den Semesterferien. Denn daneben studiert er Musik und Englisch auf Lehramt an der Folkwang Universität der Künste in Essen.

Das Projekt heißt „Der Traum vom Glück“

Sein aktuelles Projekt heißt „Der Traum vom Glück“ und ist sehr anspruchsvoll. Auch wenn es diesmal dreißig Prozent mehr Text beinhaltet, ist es Chris wichtig, dass seine Chorsänger den Text auswendig singen können und auch dazu tanzen, damit es lebendiger auf der Bühne wirkt. In dem gleichnamigen Lied geht es um eine schlafende Person, die im Traum ein Lied hört und sich durch die Musik frei fühlt. Als sie aufwacht, erkennt sie, dass alles nur Schein war, doch indem sie sich an die Musik im Traum erinnert, wird der Traum vom Glück doch wahr.
Dieses Programm wird am Samstag, 24. Oktober, von dem „Family-and-Friends“-Chor in der Thomaskirche in Herten aufgeführt.
 
Kennt Ihr junge Menschen (max. 24 Jahre), die „Very Interesting Persons“ sind und deren Geschichte wir hier auf Scenario erzählen sollen? Dann schreibt uns an scenario@medienhaus-bauer.de und gebt uns einen Tipp!