Leona macht Capoeira: Brasilianisches Feeling in Recklinghausen

Serie Es gibt sie überall. Eigentlich gehört jeder dazu. Zu den VIPs. Damit meinen wir allerdings nicht die „Very Important Persons“, die auf roten Teppichen ’rumstöckeln, sondern die „Very Interesting Persons“, die uns im Bus, an der Supermarktkasse oder im Schwimmbad begegnen. Wir stellen Euch in dieser Scenario-Reihe junge Menschen vor, die ganz klar VIPs sind. Heute: Leona

  • VIP Leona

    Daraus sollen Töne entstehen? Ganz sicher, wenn man weiß, wie. Leona zeigt uns voller Stolz den Berimbau, der aus einem langen Holzbogen besteht, an dessen Ende ein Draht gespannt wird. Wie daraus jetzt Musik entsteht, lest Ihr im Artikel. Wir wissen: Es funktioniert wirklich! Foto: Katharina Lenger

Akrobatik, Tanz und Kampfsport sind drei eigene Sportarten, die auf den ersten Blick nichts miteinander vereint. Südwestlich von Europa, genauer gesagt in Brasilien, harmonieren diese Sportarten allerdings sehr gut miteinander und bilden zusammen den brasilianischen Sport Capoeira. Die 16-jährige Leona aus Recklinghausen macht diesen besonderen Sport seit anderthalb Jahren in dem Verein Biriba Brasil.
Capoeira ist ursprünglich eine Widerstandsbewegung, die von verschleppten afrikanischen Sklaven in Brasilien praktiziert wurde. Heute wird die Kampfkunst weltweit betrieben. Im Mittelpunkt steht das Spiel zweier Capoeiristas in der Roda (portugiesisch: Kreis, sprich: „Hoda“). Das bedeutet, dass sich zwei Spieler, die sogenannten Capoeiristas, in der Mitte eines Kreises bewegen. Diese kreisen umeinander und führen akrobatische Übungen wie Saltos, Tritte und Radschläge durch. Den Kreis um die zwei Capoeiristas bilden andere Spieler, die den Kampf mit Musik begleiten.

Der Berimbau gibt den Rhythmus vor

Spielen die umringenden Personen eine schnellere Melodie, so wird auch das Spiel der Capoeiristas in der Mitte aggressiver und dynamischer. Gespielt wird diese Musik auf brasilianischen Instrumenten mit so wohlklingenden Namen wie Berimbau, Pandeiro und Agogô. Der Berimbau ist das wichtigste Instrument in der Roda und gibt den Rhythmus vor (siehe Foto). Er sieht von der Form her etwas aus wie ein Bogen und besteht aus einem langen Holzbogen, an dessen Ende ein Draht befestigt und gespannt wird. Am unteren Ende wird eine Kalebasse, ein Gefäß aus einem ausgehöhlten Kürbis, befestigt. In der einen Hand werden nun das Instrument und ein Stein gehalten („Dobrao“) und in der anderen Hand ein Stäbchen („Baqueta“) und die Rassel („Caxixi“), mit denen der Draht angeschlagen wird, um die Töne zu erzeugen. Während des Spiels werden verschiedene Rhythmen auf dem Berimbau gespielt. Die anderen klatschen dabei und singen portugiesische Liedtexte. Die Capoeiristas in der Mitte wechseln während des Spiels immer wieder. Dadurch können sie immer wieder unterschiedliche Rollen einnehmen. Mal machen sie die Musik, mal singen sie und mal kämpfen sie in der Roda. Alle Teile sind in der Capoeira unverzichtbar und gehören dazu.

"Ich habe ein besseres Selbstbewusstsein"

Als Leona diesen Sport kennengelernt hat, war sie begeistert. „Capoeira vereint einfach viele Sachen, die ich liebe“, erzählt sie. „Seit ich Capoeira mache, habe ich ein besseres Selbstbewusstsein entwickelt. Außerdem ist es ein Ganzkörpertraining. Man entwickelt ein gutes Rhythmusgefühl und auch ein Gefühl für die eigene Stimme“, weiß Leona. Seit sie acht Jahre alt ist, hegt sie den Wunsch, nach Brasilien zu reisen und dort Land und Leute kennenzulernen und natürlich Capoeira zu machen. Leona könnte sich auch vorstellen, dort zu leben und zu studieren. Deshalb bringt sie sich seit dem letzten Sommer neben der Schule Portugiesisch bei und hat sogar eine portugiesische Brieffreundin.
„In diesem Jahr war ich auch auf Workshops in Enschede in Holland und in Rouen, in Nordfrankreich. Dort habe ich in Turnhallen oder bei Privatleuten geschlafen und Capoeira gemacht“, erklärt Leona. Die 16-Jährige lässt keine Gelegenheit aus. Selbst während ihres zweiwöchigen Praktikums bei einem Restaurator in Münster hat sie die Chance ergriffen und ist abends zu dem Training der Münsteraner Capoeira-Gruppe gegangen. „Ich wurde immer herzlich aufgenommen und bin durch die Capoeira-Familie überall auf der Welt zu Hause“, schwärmt sie. Noch in diesem Jahr möchte sie gerne an einem Workshop in Maastricht teilnehmen. Silvester verbringt Leona dann in Amsterdam, wo ein weiterer Workshop samt Sambaparty stattfindet.
 
Kennt Ihr junge Menschen (max. 24 Jahre), die „Very Interesting Persons“ sind und deren Geschichte wir hier auf Scenario erzählen sollen? Dann schreibt uns an scenario@medienhaus-bauer.de und gebt uns einen Tipp!
 
Weitere Infos findet Ihr im Netz unter www.biriba-brasil.com
Seid Ihr neugierig geworden und wollt Capoeira auch ausprobieren? Dann schaut beim Training vorbei: Dienstags von 18 bis 19.30 Uhr in der Maristenschule und Donnerstags von 18 bis 20     
Uhr an der Canisiusstraße 2 in Recklinghausen.