Lisa spielt Rollstuhlbasketball: Mit dem Sportrolli zum Training

Serie Es gibt sie überall. Eigentlich gehört jeder dazu. Zu den VIPs. Damit meinen wir allerdings nicht die „Very Important Persons“, die auf roten Teppichen rumstöckeln, sondern die „Very Interesting Persons“, die uns im Bus, an der Supermarktkasse oder im Schwimmbad begegnen. Wir stellen Euch in dieser Scenario-Reihe junge Menschen vor, die ganz klar VIPs sind. Heute: Lisa.

  • Lisa Rollstuhlbasketball

    Foto: Katharina Lenger

Sie ist jung, hübsch und sportlich. Eigentlich ist sie ein ganz normales Mädchen. Bis auf eine Ausnahme: Lisa (21) sitzt im Rollstuhl. Doch diese kleine Nebensache hindert sie kaum daran, so zu sein wie jedes andere Mädchen. Zusammen mit ihrer Mannschaft, den „Bertlicher Bulldoggs“, spielt sie Basketball in der Landesliga, nur eben im Rollstuhl.

Manchmal kracht es beim Spiel

Lisa ist mit Spina Bifida, einem offenen Rücken auf die Welt gekommen. Die ersten Jahre ihres Lebens trug sie spezielle Schienen an den Beinen. Doch schon kurz darauf kam der erste Rollstuhl. Heute besitzt Lisa sogar zwei: einen normalen Alltagsrollstuhl, mit dem sie sogar skatet und Rolltreppe fährt, und einen Stehrollstuhl, in dem sie eben stehen kann. Beim Sport bekommt sie von dem Verein einen Sportrollstuhl gestellt. Dieser ist durch die schräg gestellten Räder viel wendiger im Spiel. Und das kann sich sehen lassen. Kaum sitzt die Gelsenkirchenerin in ihrem Sportrolli, da braust sie auch schon davon, schnappt sich den Basketball und wirft Körbe für ihre Mannschaft. Gespielt wird nach den normalen Basketball-Regeln. Da kann es auch schon mal sein, dass es gehörig kracht, wenn die Rollis aufeinandertreffen.

Manchmal verschlägt es ihr die Sprache

Hauptsache, es verletzt sich niemand. Denn davon kann Lisa in ihrem Alltag ein Liedchen singen. Erst letztens im Supermarkt gab es wieder eine Situation, in der es ihr die Sprache verschlug. „Ich stöberte gerade in den Angeboten nach einer passenden Hose, als mich eine wild gewordene Frau von den Angeboten wegschubste, sodass ich aus dem Rollstuhl fiel. Und als wäre das noch nicht genug, rannte die Frau einfach weg, anstatt mir zu helfen“, erzählte Lisa entrüstet. Ein anderes Mal wollte Lisa mit dem Bus fahren, doch es war für sie unmöglich, die große Hürde zwischen Bürgersteig und Bus zu überwinden. Und der Busfahrer kommentierte die Situation doch tatsächlich so: „Suchen Sie sich demnächst einfach eine behindertengerechte Haltestelle!“ Nur blöd, dass diese ganze anderthalb Kilometer von Lisas Wohnung entfernt ist.
Auf die Frage, ob Rollstuhlfahrer wollen, dass ihnen beim Aussteigen aus dem Bus geholfen wird, antwortete Lisa: „Viele schaffen es alleine aus dem Bus und wollen gar nicht, dass ihnen geholfen wird. Allerdings bestätigen Ausnahmen immer die Regel. Das heißt, es gibt auch Rollifahrer, die tatsächlich Hilfe beim Aussteigen benötigen. Doch statt um Hilfe zu bitten, stehen sie dann hilflos vor der Tür und sagen nichts. Die machen das ganze Rollstuhlfahrerimage kaputt“, empört sich Lisa. Die 21-Jährige und ihr Freund, der auch im Rollstuhl sitzt, sind jedoch mobil mit Bus und Bahn und lassen sich von nörgelnden Busfahrern nicht unterkriegen. Sie helfen sich immer gegenseitig, wenn es nötig ist. „Es kommt eben auf den Busfahrer an und es sollte nicht unbedingt ein Montagmorgen sein“, weiß Lisa.

Schwierige Suche nach einem Ausbildungsplatz

In einem Punkt fühlt sich Lisa allerdings ganz klar benachteiligt und das ist nicht das lästige Busfahren, sondern ihre berufliche Situation. Trotz des Schwerbehindertengesetzes hat die normalerweise lebensfrohe Lisa mit Fachabitur bislang keinen Ausbildungsplatz finden können. Sie wird als Rollstuhlfahrerin schlichtweg nicht eingestellt. Dieses gravierende Problem betrifft nicht nur Lisa, sondern auch ihre Freunde, die im Rollstuhl sitzen und seit Jahren eine Festanstellung suchen. Momentan arbeitet sie als Integrationshelferin in einem integrativen Kindergarten in Essen. Doch für die Zukunft wünscht sich Lisa nichts sehnlicher als eine Ausbildung zur Bibliothekarin zu absolvieren. Die Ausbildungsstelle ist für Lisa der Schlüssel für alles. Denn die braucht sie auch, um ihren Führerschein zu machen und später einmal eine Familie zu gründen.
Lisa ist ein selbstbewusstes und toughes Mädchen und wird hoffentlich bald die Möglichkeit bekommen, sich ihren Wunsch zu erfüllen. Ansonsten wird sie eben Basketball-Profi. ;)