Lukas von der Freiwilligen Feuerwehr: Immer im Wettlauf gegen die Zeit

Serie Es gibt sie überall. Eigentlich gehört jeder dazu. Zu den VIPs. Damit meinen wir allerdings nicht die „Very Important Persons“, die auf roten Teppichen rumstöckeln, sondern die „Very Interesting Persons“, die uns im Bus, an der Supermarktkasse oder im Schwimmbad begegnen. Wir stellen Euch in dieser Scenario-Reihe junge Menschen vor, die ganz klar VIPs sind. Heute: Lukas.

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  • VIP Feuerwehr

    Die Feuerwehr ist seine Welt: Lukas (22) sagt selbst, dass die Tätigkeit bei der Freiwilligen Feuerwehr in Herten seine gesamte Lebenseinstellung geprägt hat. Foto: Katharina Lenger

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    Lukas strahlt und präsentiert sich in voller Feuerwehr-Montur. Foto: Katharina Lenger

„,Tatütataa’ und ,Feuerwehrauto’ waren wahrscheinlich die ersten Worte, die ich als Kind sagen konnte“, lacht Lukas (22, Herten). Seit er denken kann, besteht sein Wunsch, später einmal als Feuerwehrmann zu arbeiten – und diesen Wunsch würde er sich gerne nach seinem Masterstudiengang erfüllen. Lukas ist bereits ausgebildeter Oberfeuerwehrmann bei der Freiwilligen Feuerwehr in Herten und macht nebenbei sein duales Studium in der Elektrotechnik.

Neben den drei Jugendfeuerwehrgruppen in Herten haben sich rund 150 Mitglieder der Freiwilligen Feuerwehr angeschlossen. Bereits im jungen Alter von zwölf Jahren, hat Lukas bei der Jugendfeuerwehr in Herten-Scherlebeck angefangen. Dort werden die Grundsteine gelegt, die für die spätere Arbeit als Feuerwehrmann wichtig sind. Kinder und Jugendliche lernen dort Grundwissen über die Strukturen der Feuerwehr, die Fahrzeuge, Knoten und Stiche, aber auch Verhaltensweisen während eines Brandes kennen. Daneben ist auch die Kameradschaft unter den Jugendlichen ein wichtiger Bestandteil. Mit 17 Jahren können sie dann die Grundausbildung absolvieren, die ungefähr ein Jahr lang dauert. Sie ist Voraussetzung, um später auf Einsätze mitfahren zu können.

Seit zwei Jahren ist Lukas nun Oberfeuerwehrmann und trägt auf seiner Jacke zwei rote Armabzeichen, oder auch „Pommes“, wie sie im Team liebevoll genannt werden. Neben seiner regelmäßigen Teilnahme an Übungsabenden und Einsätzen ist Lukas zudem noch Mannschaftssprecher und Ausbilder in der Jugendfeuerwehr. „Die Arbeit als Ausbilder macht mir momentan neben der Arbeit im Löschzug am meisten Spaß“, erzählt der 22-Jährige. Diese Arbeit sei besonders wichtig, weil die Kinder und Jugendlichen der Nachwuchs der Freiwilligen Feuerwehr seien. Heute laufe auch alles etwas verspielter ab als zu Lukas’ Zeit. „Neben dem theoretischen und praktischen Unterricht gehen wir mit den Kindern auch Klettern, Trampolinspringen und Fußballspielen, um die Kameradschaft zwischen ihnen zu fördern“, so Lukas.
Obwohl der Hertener durch die vielen Jahre bei der Freiwilligen Feuerwehr schon einige Erfahrungen sammeln konnte, bekommt er noch heute Herzrasen, wenn er mitten in der Nacht vom Melder geweckt wird.

In acht Minuten am Einsatzort

Denn auch wenn die Einsätze zur Routine gehören, ist jeder Einsatz einmalig und auch gefährlich. Wenn der Melder piept, muss Lukas sich erst sammeln, bevor er sich – so schnell es geht – auf den Weg zum Gerätehaus macht. „Es kam schon vor, dass ich dort mit der Jogginghose auf links ankam, weil ich so im Stress war“, gibt der Oberfeuerwehrmann zu.
Zum Glück ist in Herten innerhalb weniger Minuten alles gut erreichbar, denn wenn der Melder piept, entsteht immer ein Wettlauf gegen die Zeit. „Mit den ersten zehn Personen müssen wir spätestens nach acht Minuten am Einsatzort sein. Denn schon nach zwölf Minuten kann ein Mensch in einem verrauchten Raum sterben.“
Lukas erklärt weiter: „Man geht davon aus, dass bis zur Alarmierung der Einsatzleute schon eine Minute vergeht. Das heißt, uns Feuerwehrleuten bleiben bei Ankunft am Einsatzort – nach höchstens acht Minuten Fahrzeit – maximal drei Minuten, um die Menschen aus den Flammen zu retten.“ Die Freiwilligen haben sozusagen 24 Stunden Bereitschaft. An Wochenenden oder in der Nacht kann es auch schon mal vorkommen, dass die Freiwilligen vor der rund um die Uhr besetzten Berufsfeuerwehr an der Einsatzstelle sind.
„Die Feuerwehr ist einfach mein Leben und damit auch meine Lebenseinstellung“, erklärt Lukas seine Begeisterung. Was das Größte an der Arbeit bei der Feuerwehr ist? „Dass man dort die Möglichkeit hat, etwas für andere, also für die Bürgerinnen und Bürger meiner Stadt zu tun. Zudem die Kameradschaft in unserer Truppe. Ich habe hier viele neue Freunde kennen und schätzen gelernt. Das ist einfach ein großartiges Gefühl“, findet Lukas.
Die freiwillige Feuerwehr Herten sucht immer interessierte junge Leute, die mithelfen wollen. Wenn Ihr Euch die Arbeit in der Feuerwehr vorab anschauen wollt, dann kommt ganz unverbindlich zu einem Übungsabend vorbei. Für die Freiwillige Feuerwehr Löschzug Scherlebeck gibt es die Möglichkeit für die über 18-Jährigen, immer donnerstags ab 19.30 Uhr, und für die Unter-18-Jährigen am wöchentlichen Mittwochstreffen in der Jugendfeuerwehr um 18.45 Uhr teilzunehmen.

Kennt Ihr junge Menschen (max. 24 Jahre), die „Very Interesting Persons“ sind und deren Geschichte wir hier auf Scenario erzählen sollen? Dann schreibt an scenario@medienhaus-bauer.de und gebt uns einen Tipp!




 


AUTOR
Alina Meyer & Katharina Lenger
ZUM ARTIKEL
  • Erstellt:
    7. Januar 2016, 15:20 Uhr
    Aktualisiert:
    11. Januar 2016, 05:20 Uhr
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