Mit VIP Kaiser Franz im Gespräch: Aktiver Frontsänger trotz Gehbehinderung

Es gibt sie überall. Eigentlich gehört jeder dazu. Zu den VIPs. Damit meinen wir allerdings nicht die „Very Important Persons“, die auf roten Teppichen ’rumstöckeln, sondern die „Very Interesting Persons“, die uns im Bus, an der Supermarktkasse oder im Schwimmbad begegnen. Wir stellen Euch in dieser Scenario-Reihe junge Menschen vor, die ganz klar VIPs sind. Heute: Kaiser Franz.

  • Foto: Katharina Lenger

Franz kann kein Instrument spielen. Dabei ist er Frontman seiner Band. Mit Musiknoten hat er nichts am Hut. Dabei komponiert er eigene Songs. Auf der Bühne kann er sich nicht gut bewegen. Dabei ist er dort aktiv wie kein anderer. Der Sänger macht das Unmögliche möglich und gibt mit seiner Band Kaiser Franz Vollgas. In der Musikbranche hat er sich längst einen Namen gemacht und tourt im Herbst durch ganz Deutschland. Auf dem Programm stehen neben dem Ruhrpott, Auftritte in Hamburg, Bremen und Augsburg.

Kaiser Franz ist kein gewöhnlicher Bandname. Er ist provokant und deutet auf jemand ganz anderes hin als den Frontsänger. Denn statt eines eitlen Sängers, tritt Franz im Scheinwerferlicht auf die Bühne. Der Frontman ist seit seiner Geburt gehbehindert. Nach seiner letzten Operation benötigt er einen Rollator, um sich besser fortzubewegen. Viele Therapien hat Franz schon über sich ergehen lassen müssen. Weitere orthopädische Eingriffe in den nächsten Monaten sorgen dafür, dass sein jetziger Gesundheitszustand verbessert wird. Doch statt sich zurückzuziehen, hat Franz die Behinderung zu seinem Markenzeichen gemacht. Er ist nicht trotz, sondern gerade wegen seiner Behinderung erfolgreich. Ihm ist es wichtig über Behinderungen und Inklusion nachzudenken. „Behindert sein heißt nicht, dass man nichts kann, sondern dass man sein eigenes Ventil, sein Talent finden muss“, weiß der 27-Jährige. Durch sein Auftreten möchte Franz ein Vorbild für andere sein. „Viele wissen nicht, wie sie mit Menschen mit Behinderungen umgehen sollen, und dann trete ich auf die Bühne und die Menschen sehen sofort, dass mit mir etwas nicht stimmt. Ich glaube, dass jeder auf seine Weise etwas davon mitnimmt, wenn er mich auf der Bühne rocken sieht“, meint Franz.

Inspiration kommt aus dem Alltag

Die Songs von Kaiser Franz sind alle Eigenkompositionen und entstehen meist durch Improvisation. Die Melodie entsteht bei Franz ohne Noten nur mit dem Gehör. Dann wird improvisiert, aufgenommen und an dem Text gefeilt. Franz lässt sich dabei durch seinen Alltag inspirieren. Seine Bandbreite reicht von Rock und Indie bis hin zu Popmusik. Wie lange es dauert bis ein Song fertig ist, hängt ganz von dem Lied ab. Der Song Chérie zum Beispiel ist in nur fünfzehn Minuten entstanden. Neben dem Frontman gehören der Gitarrist Jan, der Schlagzeuger Manuel und Julian der Bassist zur Besetzung. Was Auftritte angeht, ist die Band flexibel. Ihre Besetzung stimmt sie immer auf Wunsch des Veranstalters ab. So tritt die Band als Duo, als Akustikgruppe oder auch als Strombesetzung mit mehreren elektrischen Instrumenten auf.

Noch in diesem Jahr hat die Band spannende Projekte geplant. Im September haben sie ihre erste CD veröffentlicht. Einen besonderen Auftritt plant die Band am 2. Oktober. Dann findet das Rock’n’Roll-Ahoi-Festival statt. Hier gibt die Band ein Konzert auf einem Schiff und schippert den Rhein-Herne-Kanal entlang. Wenn es soweit ist werdet ihr hier auf Scenario darüber lesen.

Kennt Ihr junge Menschen (max. 24 Jahre), die „Very Interesting Persons“ sind und deren Geschichte wir hier auf Scenario erzählen sollen? Dann schreibt uns an scenario@medienhaus-bauer.de und gebt uns einen Tipp!