Mit VIPs Timo und Miro auf Osteuropa-Reise: "Kalles" auf Tour

Es gibt sie überall. Eigentlich gehört jeder dazu. Zu den VIPs. Damit meinen wir allerdings nicht die „Very Important Persons“, die auf roten Teppichen ’rumstöckeln, sondern die „Very Interesting Persons“, die uns im Bus, an der Supermarktkasse oder im Schwimmbad begegnen. Wir stellen Euch in dieser Scenario-Reihe junge Menschen vor, die ganz klar VIPs sind. Heute: Timo und Miro.

  • Backpackers

    Foto: Katharina Lenger

Eine Interrail-Reise durch Osteuropa, die haben sich die zwei Kalles für den Sommer 2015 in den Kopf gesetzt. Am Ende ihrer 32-tägigen Tour haben sie ganze 7144 Kilometer zurückgelegt, zehn verschiedene Länder bereist und sind mit vielen spannenden Erlebnissen im Gepäck zurückgekehrt. Die Kalles, das sind die zwei besten Freunde Timo und Miro. Kalle ist ein Spitzname, den Timo von einem Freund im Urlaub bekam. Irgendwann nannten sich die Freunde gegenseitig Kalle und es entstand der Titel „Kalles on Tour“. Unter diesem Namen haben sich die Jungs sogar T-Shirts drucken lassen und ihre eigene Facebook-Seite „Kalles on Tour“ eingerichtet, wo sie ihre Reise dokumentierten.
Doch nun nochmal von Anfang an: Das Interrail-Ticket kostete 461 Euro und war der Fahrschein für die gesamte Reise. Mit diesem Ticket konnten die Jungs 30 Tage lang mit dem Zug durch ganz Europa reisen. Für Timo und Miro war das Ticket der Grundstein für ihre Reise. Doch bevor sie das Interrail-Pässe in den Händen halten konnten, sparten sie über ein Jahr lang Geld für die bevorstehende Tour. Ihre Wahl fiel dabei spontan aus dem Bauch heraus auf Osteuropa. Weil das Ticket allerdings nie im eigenen Heimatland gilt, sind die beiden zunächst nach Prag geflogen, wo ihre Route starten sollte. Von Tschechien aus ging es mit dem Zug dann weiter durch die Länder Slowakei, Ungarn, Rumänien, Bulgarien, Serbien, Bosnien und Herzegowina, Kroatien, Slowenien und schließlich Österreich. Von Wien aus ging es dann mit dem Flieger wieder zurück nach Deutschland. In den jeweiligen Ländern haben die Freunde meist die Hauptstädte besichtigt. Das Schwarze Meer in Bulgarien war der östlichste Punkt ihrer Reise. Von dort aus ging es wieder westlich zurück in Richtung Heimat. Übernachtet haben sie in Hostels, bei Verwandten, auf Campingplätzen und auch bei den Einheimischen. Doch auch das Wildcamping in der freien Natur, die Übernachtung im Zug und sogar an einem Bahnhof in Burgas in Bulgarien gehörten dazu. Die beiden Reiselustigen planten lediglich den Hinflug nach Prag und den Rückflug am letzen Tag von Wien. Die dreizig Tage dazwischen gestalteten sie spontan. „Wir überlegten uns erst einen Tag vorher, wohin die Route am nächsten Tag gehen soll“, erzählt Miro. Auf ihrer Reise konnten die beiden Abenteurer das tun, was ihnen spontan in den Sinn kam und alle Reisetypen vereinen. „Wir waren mal auf dem Land, mal am Meer, mal in den Bergen und mal in den Städten“, berichtete Timo. Eines ihrer aufregendsten Erlebnisse spielte sich in Ungarn am Plattensee ab. Timo und Miro hatten gerade einen Platz zum Wildcampen in den Weinbergen mit einer fantastischen Aussicht auf den See gefunden. Das Zelt war bereits aufgebaut, als Miro plötzlich einen Hirsch sah, der Frischlinge jagte. Es dauerte nicht lange bis die Jungs das Grunzen der Bache, der Wildschweinmutter hörten. Unfähig sich zu bewegen standen sich die beiden Jungen und selbst das ausgewachsene Wildschwein wie versteinert gegenüber. Irgendwann nahmen sie - so langsam es ging - ihre Schlafsäcke und eine Wasserflasche und klettern auf einen fünfzig Meter weit entfernten alten und morschen Aussichtsturm.

Die jungen Frischlinge quieken sie wach

Dort oben schliefen sie bis zum nächsten Morgen und hörten unter sich die jungen Frischlinge quieken. Glücklicherweise konnten sie am nächsten Morgen zu ihrem Zelt zurückkehren und fanden alles vor, wie sie es zurückgelassen hatten. Wichtig ist bei einer solchen Reise, spontan zu sein und die Dinge so hinzunehmen wie sie kommen. „Wenn man mal den Zug verpasst, dann ist es eben so. Das gehört dazu“, weiß Timo. Grundsätzlich muss man einfach Lust auf die Reise haben und darf nicht pingelig sein, wenn man mal ein, zwei Tage nicht duschen oder nicht im Hotel schlafen kann. Außerdem sollte man natürlich offen gegenüber anderen Menschen und Kulturen sein und Englisch sprechen. „Auch wenn uns das in Osteuropa nicht immer geholfen hat. Manchmal haben wir uns auch mit Händen und Füßen versucht zu verständigen, weil viele dort kein englisch konnten“, lachten die beiden. Letztendlich sind sie mit großartigen Erlebnissen zurückgekehrt und haben Leute aus aller Welt kennengelernt. „Auch wenn man oft negative Geschichten über Osteuropa hört, mussten wir abends nie Angst haben überfallen zu werden. Wir haben so viele gastfreundliche Menschen und auch Einheimische getroffen. Da waren wir wirklich erstaunt“, erzählt Miro. Er studiert im kommenden Wintersemester Rettungsingenieurwesen in Köln. Timo hat in diesem Jahr eine Ausbildung zum Kaufmann für Versicherung und Finanzen angefangen. Momentan sind die Jungs wieder auf Sparkurs, denn die nächste Interrail-Reise soll im Sommer 2017 stattfinden. „Wohin es geht, wissen wir noch nicht“, überlegen die beiden. „Westeuropa oder auch Skandinavien würde uns reizen.“
 
Kennt Ihr junge Menschen (max. 24 Jahre), die „Very Interesting Persons“ sind und deren Geschichte wir hier auf Scenario erzählen sollen?
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