VIP Felix ist YouTuber: Pranks für die Kamera

Es gibt sie überall. Eigentlich gehört jeder dazu. Zu den VIPs. Damit meinen wir allerdings nicht die „Very Important Persons“, die auf roten Teppichen rumstöckeln, sondern die „Very Interesting Persons“, die uns im Bus, an der Supermarktkasse oder im Schwimmbad begegnen. Wir stellen Euch in dieser Scenario-Reihe junge Menschen vor, die ganz klar VIPs sind. Heute: Felix.

  • VIP Felix

    Hat Felix wieder eine neue Idee, wie er am Drive-In-Schalter für Aufregung sorgen kann? Seine Kamera jedenfalls hat er immer griffbereit. Foto: Alina Meyer

Eine Kamera, ein Auto und eine witzige Idee – viel mehr braucht Felix nicht, um ein neues Video zu produzieren. Der 21-Jährige ist YouTuber und versorgt seine Zuschauer einmal pro Woche mit neuen Videos auf seinem YouTube-Kanal Flex it. Vor etwas mehr als einem Jahr hat Felix sein erstes Video hochgeladen. Heute, 16 Monate später, hat er bereits die 155 000 Abonnenten geknackt und mehrere Hunderttausend Aufrufe mit seinen Videos erreicht.

Fernsehen schaut der Waltroper so gut wie gar nicht mehr. Viel lieber klickt er sich abends durch die kostenlose Videoplattform YouTube und schaut sich kurzweilige Clips an. Irgendwann war der Wunsch da, selbst Videos zu drehen und ein Teil der Szene zu sein. „Was die können, das kann ich auch“, dachte sich Felix. Sein erstes Video, das er im Juni vergangenen Jahres hochgeladen hat, trägt den Titel Dream Day. Die Zuschauer sehen dort in einem hochwertigen Zusammenschnitt, wie ein perfekter Tag für Felix aussehen würde. 6 000 Aufrufe erreichte das Video damals. Felix ließ sich von den amerikanischen YouTubern inspirieren. „Videos, die in Amerika funktionieren, laufen auch bei uns gut und das, was dort angesagt ist, sind die Polizei-Pranks.“ Pranks (dt: Streich) werden vor allem von jüngeren Zuschauern gern gesehen. Bei diesen Videos können die Zuschauer mitverfolgen, wie der YouTuber einen Streich plant und jemand anders hereinlegt. Auch die Reaktion des Hereingelegten gehört dazu.

In seinem ersten Prank-Video fuhr Felix mit Freunden zu dem Drive-In einer bekannten Fastfood-Kette. Am Schalter orderte er genau dasselbe wie die Kunden vor ihm, ohne zu wissen, um was es sich handelt. Zufälligerweise fuhr die Polizei als Nächstes vor. Wie angekündigt, bestellte Felix dasselbe und zeigte den Zuschauern worauf die Polizisten in ihrer Mittagspause Appetit hatten. Am Sonntagabend veröffentlichte er das Video. Nur eine Stunde später hatten bereits 3 000 Leute das Video gesehen. Zwei Wochen später hatte das Video 80 000 Klicks. Felix erster Prank ging durch die Decke.

Nach fünf Videos schon 1000 Abonnenten

Der YouTuber hatte durch den Fastfood-Prank, nach nur fünf Videos, bereits 1 000 Abonnenten erreicht. Die meisten seiner Zuschauer sind zwischen 12 und 16 Jahre alt. Die Streiche kamen bei den Zuschauern gut an, also produzierte Felix mehr davon. Nach nur einem halben Jahr hatte er 10 000 Abonnenten. „Das war der Zeitpunkt, in dem ich Lukas einen weiteren YouTuber aus Koblenz kennenlernte. Von ihm habe ich viel gelernt, was Thumbnail (Vorschaubild), Titel und Tags (Stichwortsuche) angeht, um meine Videos noch besser zu platzieren“, sagt Felix.

Felix erklärt, worauf der YouTuber bei seinem Kanal achten muss. „Besonders wichtig ist, dass man feste Videotage einplant, damit die Zuschauer dich in Erinnerung behalten und regelmäßig auf deinen Kanal klicken, um ein neues Video zu schauen.“ Anfangs lud Felix zweimal die Woche am Mittwoch und Sonntag ein neues Video hoch. Später reduzierte er die Videoproduktion auf ein Video pro Woche. Denn hinter den fünf bis zehnminütigen Clips steckt eine Menge Arbeit. Wenn Felix einen Prank dreht, gehen allein für Videodreh und Fahrt zum Drehort zwei Stunden drauf. Oben drauf kommen dann noch mindestens zwei Stunden für den Schnitt.“ Auch das Hochladen des Videos frisst Zeit und selbst wenn das Video fertig bearbeitet und mit Vorschaubild, Titel und Tags hochgeladen ist, ist die Arbeit nicht getan. „Dann versuche ich mir mindestens eine halbe Stunde Zeit zu nehmen, um die Kommentare zu lesen und zu beantworten, denn auch die Kommunikation mit den Zuschauern ist wichtig.“ All das beansprucht viel Zeit, die sich Felix nicht immer nehmen kann. Denn eigentlich steckt der 21-Jährige gerade mitten in seinem dualen BWL-Studium mit einer Ausbildung zum Kaufmann im Groß- und Außenhandel.

Dass der Waltroper anfangs noch von Freunden und seiner Familie belächelt wurde, störte ihn nicht weiter. „Wenn ich etwas mache, dann mache ich es zu hundert Prozent.“ Das hat dann irgendwann auch sie überzeugt. Auch wenn Felix mit seinen Videos etwas Geld verdient und bereits ein Kleingewerbe angemeldet hat, ist es für ihn mehr ein Hobby als ein Beruf. „Das Tolle an YouTube ist, dass man sein eigener Chef ist. Ich kann mich selbst verwirklichen und habe ein besonderes Hobby, das eben nicht jeder hat. Mein Studium würde ich dafür aber niemals abbrechen.“

In den nächsten Wochen geht Felix in Vorproduktion, denn in der kälteren Jahreszeit werden mehr Videos geschaut. „Für den Dezember habe ich mindestens zehn neue Videos geplant.“ Rund 40 neue Video-Ideen hat Felix noch in petto. „Einige Ideen sind von mir. Vieles kommt aber auch von den Zuschauern. Auch wenn mir die Pranks sehr viel Spaß machen, möchte ich versuchen, langsam aus der Schiene herauszukommen.
Diese Videos kommen bei den Zuschauern zwar gut an, aber ich möchte mich ja auch weiterentwickeln und neuen Content anbieten.“ Auch das ist für den YouTuber wichtig, denn YouTube ist kreativ, unterhaltsam, witzig – eigentlich alles, nur nicht langweilig.
Felix‘ Kanal findet Ihr, wenn Ihr auf der Seite
www.youtube.com unter „Flex it“ sucht…
Und: Kennt Ihr junge Menschen (max. 25 Jahre) aus dem Kreis Recklinghausen, die „Very Interesting Persons“ sind? Dann gebt uns einen Tipp: scenario@medienhaus-bauer.de!


AUTOR
Alina Meyer
ZUM ARTIKEL
  • Erstellt:
    10. November 2017, 13:54 Uhr
    Aktualisiert:
    4. März 2018, 03:33 Uhr
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