VIP Janine ist Designerin: Die Mode macht Persönlichkeiten

Serie Es gibt sie überall. Eigentlich gehört jeder dazu. Zu den VIPs. Damit meinen wir allerdings nicht die „Very Important Persons“, die auf roten Teppichen rumstöckeln, sondern die „Very Interesting Persons“, die uns im Bus, an der Supermarktkasse oder im Schwimmbad begegnen. Wir stellen Euch bei Scenario junge Menschen vor, die ganz klar VIPs sind. Heute: Janine.

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  • VIP Janine

    Janine (4. v. l.) ist stolz auf ihre eigene Herbst/Winter-Kollektion. Foto: Bayram Tarakci

  • VIP Janine

    Privat ganz lässig: Janine. Foto: Kathi Lenger

Mit den sommerlichen Temperaturen steigt bei vielen – vor allem bei uns Frauen – das Bedürfnis, den Kleiderschrank auszumisten und sich auf die Suche nach neuen Kleidungsstücken zu begeben. Und dann? Wir gehen in unsere Lieblingsläden und kaufen, was das Zeug – oder eben die Tüte hält. Je günstiger und schöner das Teil, desto schneller wandert es in unseren Besitz. Dass das T-Shirt für 12,99 Euro vom Anfertigen bis zum Verkauf einen weiten Weg hinter sich habe, sei vielen Kunden gar nicht bewusst, meint Janine. Die 22-Jährige ist Maßschneiderin und Produkt-Managerin und hat bereits ihre erste Kollektion entworfen.

„Viele denken, dass die Designer in ihrem Stübchen ein bisschen vor sich hin zeichnen und zack – zwei Wochen später ist das schmucke Teil dann in den Läden zu finden“, wundert sich Janine. Ganz so einfach ist es dann doch nicht. „Auch ich habe mir die Designer-Ausbildung etwas anders vorgestellt“, gibt die Hertenerin zu. Wie sie auf das Thema Mode gekommen ist, weiß Janine heute nicht mehr so genau. „Für mich stand jedenfalls fest, dass ich etwas Kreatives machen wollte. Dann hab‘ ich mich mehr und mehr mit der Mode beschäftigt und war fasziniert davon, wie sehr sie die eigene Persönlichkeit unterstreicht. Sie bestärkt und unterstützt uns ungemein und ich wollte den Menschen helfen, ihre Persönlichkeit durch die Kleidung noch stärker zum Ausdruck zu bringen.“

Maß-Schneiderin und Produkt-Managerin

Wer sich für den Beruf des Designers interessiert, sollte sich im Klaren sein, dass es aber nicht nur ums Kreativsein geht. Fächer wie Betriebswirtschaftslehre und Wirtschaftspolitik gehören ebenso zur Ausbildung wie Nähen, Schnittkonstruktion, Marketing, Fotografie und Modezeichnen. Es ist ein Mix aus der kaufmännischen Lehre, dem künstlerischen Tun und dem Marketing. Janine absolvierte ihre Doppelausbildung zur Maßschneiderin und Produkt-Managerin an der „Schule für Modemacher“ in Münster. Insgesamt dauerte die Ausbildung dreieinhalb Jahre lang. Wer den Bachelor-Abschluss haben möchte, muss noch mal anderthalb Jahre an einer externen Einrichtung draufsetzen.

Marketing war das Fach, das Janine mitunter am besten gefallen hat: „BWL war im Vergleich dazu so gar nicht meins.“ Wer sich Sorgen um das Zeichnen macht, den kann die 22-Jährige beruhigen. „Ich bin auch keine Profi-Zeichnerin, aber das muss man auch nicht sein. Das lernt man mit der Ausbildung ganz automatisch. Außerdem wird in der heutigen Modebranche bereits sehr viel am Computer gezeichnet.“ Trotzdem gehört das Präsentieren einer Modemappe mit eigens gezeichneten Werken bei der Bewerbung dazu.

Zu der Ausbildung des Modemachers gehören auch die Modeschauen – die sogenannten Semesteraufgaben. Im ersten, dritten, fünften Semester sowie im Abschluss-Semester müssen die Lehrlinge eine Kollektion entwerfen und sie auf einer Modenschau in der Halle Münsterland präsentieren.

Das Highlight für Janine war natürlich das Entwerfen ihrer ersten eigenen Kollektion im Abschluss-Semester. „An diesem Projekt habe ich bestimmt ein halbes Jahr gearbeitet.“ Zuerst musste das hintergründige Marketingkonzept mit Zielgruppendefinition, Label, Vermarktung, Vertriebswegen, Onlineshops und so weiter stehen. „Das war im Grunde fiktiv. Die eigentliche Kollektion, die war aber echt.“

Unter dem Label „Hej Fashion“ und dem Thema „Maritim“ entwarf die Modemacherin 20 Kleidungsstücke von Kopf bis Fuß für die Herbst-/Winterkollektion 2018/2019. Mit dabei waren Blazer, Mäntel, Hosen, Röcke und Kleider, alles im maritimen Look mit marineblau-weiß-gestreiften Ärmeln und dezenten Details. „Pro Kleidungsstück kann man etwa einen halben bis ganzen Tag einplanen, inklusive Zeichnung, Konzept, Nähen und Änderungen“, erklärt Janine, die sich privat eher casual-schick anzieht.

Ein weißes T-Shirt müsste 30 Euro kosten

Mit ihrer Ausbildung hat Janine auch gelernt, dass es unmöglich ist, ein fair produziertes T-Shirt für 15 Euro zu verkaufen. „Der Preis für ein einfaches weißes T-Shirt müsste sich eigentlich um die 30 bis 40 Euro belaufen.“
Mittlerweile hat Janine ihre Ausbildung beendet und arbeitet bei Esprit in Münster. In einem Praxissemester hat sie bereits bei s.Oliver in Rottendorf gearbeitet und den Designern des Black Labels – ein Label für besondere Anlässe – über die Schulter geschaut und bei der Produktion unterstützt. Dorthin möchte sie irgendwann mal wieder zurück. „Nur im Moment soll es irgendwie nicht sein“, sagt Janine. Deshalb möchte sie zunächst Erfahrungen in einem großen Mode-Unternehmen sammeln. „Und irgendwann, vielleicht in zwanzig Jahren, könnte ich mir sogar vorstellen, einen eigenen Concept-Store zu eröffnen. Also einen Laden, in dem Dekoration, Bücher und Mode gleichzeitig angeboten wird.“
Kennt Ihr junge Menschen aus unserer Umgebung, die „Very Interesting Persons“ sind? Dann gebt uns einen Tipp, bitte per Mail an: scenario@medienhaus-bauer.de!

 


AUTOR
Alina Meyer & Katharina Lenger
ZUM ARTIKEL
  • Erstellt:
    24. Mai 2018, 17:46 Uhr
    Aktualisiert:
    16. August 2018, 03:33 Uhr
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