VIP: Julia packt auf dem Feuler Hof mit an

Serie Es gibt sie überall. Eigentlich gehört jeder dazu. Zu den VIPs. Damit meinen wir allerdings nicht die „Very Important Persons“, die auf roten Teppichen ’rumstöckeln, sondern die „Very Interesting Persons“, die uns im Bus, an der Supermarktkasse oder im Schwimmbad begegnen. Wir stellen Euch in dieser Scenario-Reihe junge Menschen vor, die ganz klar VIPs sind. Heute: Julia.

  • VIP Feuler Hof

    Jeden Sonntag reitet unsere VIP Julia mit ihrem Pflegepferd Mauritius aus – an drei Tagen hilft die 20-Jährige auf dem Therapiehof Feuler Hof in Marl aus, der für behinderte Menschen therapeutisches Reiten anbietet. Foto: Katharina Lenger

„Wer keinen Mut zum Träumen hat, hat keine Kraft zum Kämpfen.“ Dieser weise Spruch von Paul Zulehner steht bunt verziert an der weißen Wand des Putzplatzes auf dem Feuler Hof in Marl. Hier arbeitet Julia (20) bereits seit mehr als fünfeinhalb Jahren. In ihrer Freizeit geht sie dreimal die Woche zum Hof Feuler und packt an, wo Hilfe benötigt wird.
Der Hof Feuler ist ein Therapiehof, wo behinderte Menschen mit Pferden therapiert werden. Durch das therapeutische Reiten können soziale Verhaltensmuster und auch die Motorik der Patienten verbessert werden. Der Umgang mit den Pferden wirkt für viele Behinderte beruhigend, denn sie werden für eine kurze Zeit aus ihrem Alltag geholt. Der Hof bietet drei verschiedene Therapieformen an. Dazu gehören die Hippotherapie für körperlich eingeschränkte Patienten, die heilpädagogische Förderung mit dem Pferd für Patienten mit leichten Behinderungen und sozialen Schwierigkeiten. Und außerdem das normale Sportreiten für Patienten, die schon sicherer auf dem Pferd sind und mit Sattel reiten können. Mit Geräten wie dem Lifter, der Rampe oder den Stufen kann dem Patienten das Aufsteigen auf das Pferd erleichtert werden. Montags hilft Julia immer in der Therapie. Sie putzt, und striegelt das Pferd, legt den Voltigiergurt an und bereitet es so für die Therapiestunde vor.

330 Patienten, 15 Therapeuten, 18 Pferde

Die Patienten reiten ohne Sattel und halten sich an dem Voltigiergurt mit Griffen fest. So können sie die Bewegungen des Pferdes intensiver spüren und müssen sie mit ihrem Körper ausgleichen. „Für querschnittsgelähmte Patienten ist das sehr anstrengend. Deshalb dauert eine solche Reitstunde auch nur eine Viertelstunde lang“, erklärt Julia. Nach einer Therapiestunde ist die Arbeitszeit der Pferde bereits beendet und sie werden zurück in den Paddock gebracht. Dann kommt schon der nächste Patient. Insgesamt therapiert der Hof rund 330 Patienten. Die meisten von ihnen sind zwischen 6 und sechzig Jahre alt. Um diesen großen Ansturm zu bewältigen, arbeiten 15 Therapeutinnen und ein Therapeut mit 18 Therapiepferden auf dem Hof. Neben Julia gibt es noch 20 weitere Helfer und auch einige FSJler auf dem Hof, die die Therapeuten unterstützen. Auch am Wochenende ist Julia zur Stelle. Dann freut sie sich besonders auf die Pferde. Am Samstag bekommt sie eine eigene Reitstunde und den Sonntag hat sie zur freien Verfügung. Dann kann sie mit ihrem eigenen Pflegepferd Mauritius (siehe Foto) ausreiten oder auch mit Montana, die sie sich mit einer anderen Helferin teilt. Julia ist eine Pferdenärrin. „Mir macht die Arbeit mit den Menschen in der Therapie sehr viel Spaß und es ist immer toll, wenn man mit der Zeit die Erfolge der Patienten sieht“, erzählt sie begeistert. „Anfangs sind viele noch unsicher auf den Pferden, doch mit der Zeit werden sie immer sicherer und vertrauen den Pferden.“ Die 20-Jährige hat eine soziale Ader und wollte schon immer gerne mit Behinderten zusammenarbeiten. Eine Freundin, hat sie schließlich dafür begeistert auf dem Hof zu arbeiten. Doch die Arbeit auf dem Therapiehof reicht Julia nicht aus. Deshalb studiert sie seit diesem Wintersemester Heilpädagogik an der Evangelischen Fachhochschule in Bochum und schlägt also auch ihren beruflichen Weg in die soziale Richtung ein.