VIP Lena: Mehr als nur zweite Geige

Es gibt sie überall. Eigentlich gehört jeder dazu. Zu den VIPs. Damit meinen wir allerdings nicht die „Very Important Persons“, die auf roten Teppichen rumstöckeln, sondern die „Very Interesting Persons“, die uns im Bus, an der Supermarktkasse oder im Schwimmbad begegnen. Wir stellen Euch in dieser Scenario-Reihe junge Menschen vor, die ganz klar VIPs sind. Heute: Anna-Lena.

  • VIP Anna-Lena

Helle, klare, weiche Töne eine wunderschöne Melodie erklingt, als Anna-Lena mit dem Bogen über die Saiten fährt. Sie spielt das Lied „Concerto“ von Oskar Rieding in H-Moll, eines ihrer Lieblingsstücke, und das natürlich fehlerfrei. Patzer sind immer unschön, besonders in der Musik. Das weiß auch Anna-Lena, schließlich spielt sie seit drei Jahren im Jugendsinfonieorchester (JSO) in Recklinghausen.

Damit hat die junge Marlerin schon eine beachtliche Hürde gemeistert. Denn nicht jeder hat das Zeug dazu, im Orchester spielen zu dürfen. Vorab muss dort jeder Musiker Stücke vorspielen. „Da war ich ganz schön aufgeregt“, gesteht die 18-Jährige heute. Zwei Tonleitern und zwei selbst ausgewählte Stücke sollte sie spielen. Dann war sie dabei.
Die ehrgeizige Schülerin weiß, dass sie ohne Fleiß nicht weit kommt. Ein Beispiel nimmt sie sich an ihren musikalischen Vorbilder David Garrett und Lindsey Stirling. Diszipliniert versucht sie jeden Tag mindestens eine Stunde Geige zu üben.

Filmmusik spielt Anna-Lena am liebsten

Am liebsten spielt sie Filmmusik, verrät sie: „Die von König der Löwen, Eye of the tiger und dem rosaroten Panther finde ich toll. Diese Stücke spielen wir auch in unserem aktuellen Programm ,Echt tierisch’.“ Aber auch Medleys von Stars Wars oder James Bond haben es Anna-Lena angetan. Sie spielt im Orchester die zweite Geige, das heißt die Begleitstimme zur ersten Geige, die die Hauptmelodie spielt. Allein die Gruppe, die zur zweiten Geige gehört, besteht aus zehn Geigen.

Im ganzen Orchester finden 60 Mitglieder Platz und es sind nahezu alle Instrumente vertreten, sodass es beinahe unmöglich ist, alle aufzuzählen. „Wir haben die Streicher mit den Geigen, Bratschen, Bässen und Celli. Dann die Holz- und Blechbläser mit den Querflöten, Klarinetten, Oboen, Fagotten, Hörnern, Trompeten, Posaunen, dem Euphonium und der Tuba. Auch das Schlagwerk mit dem Glockenspiel, Xylophon, Klavier, der Triangel und dem Schlagzeug“, zählt Anna-Lena auf. Uff. Ein ganzer Haufen Instrumente in allen Farben, Formen und Größen. Und was ist noch mal ein Euphonium? „Das ist so ähnlich wie eine Tuba und gehört zur Familie der Hörner“, erklärt Anna-Lena. Auf diesem Gebiet ist sie zu Hause. Kaum zu glauben, dass sich die richtige Mischung aus Tönen und dem perfekten Einsatz eines jeden Instruments am Ende unglaublich gut anhört und das hörenswerte Orchester ausmacht.

Apropos Hören: Das Jugendsinfonieorchester kann man nicht nur auf nationalen Konzerten und im Depot, dem Proberaum, hören, sondern sogar im Ausland. Gemeinsam sind die Mitglieder schon in Israel, den Niederlanden, Polen, Italien, Russland und China aufgetreten. Zuletzt waren sie an Pfingsten in San Vicente del Raspeig, bei Alicante in Spanien. „Wir haben Sightseeing gemacht, aber natürlich auch viel geprobt für das anstehende Konzert“, erzählt Anna-Lena. „Beim Jugendsinfonieorchester habe ich wirklich viel gelernt und auch gute Freundinnen gefunden“, schwärmt das Mädchen mit den kurzen Naturlocken.

Plötzlich erscheint Anna-Lena ein wenig traurig. Bald wird sie dem Orchester den Rücken kehren, denn ein neuer Lebensabschnitt beginnt. Das Abi ist in der Tasche und das Freiwillige Soziale Jahr an der Realschule fast schon in Sicht. Danach möchte sie studieren, am liebsten Latein, Geschichte und Englisch auf Lehramt in Münster – und die Geige kommt sicherlich mit.


AUTOR
Alina Meyer & Katharina Lenger
ZUM ARTIKEL
  • Erstellt:
    17. Juni 2016, 17:24 Uhr
    Aktualisiert:
    23. Oktober 2016, 03:34 Uhr
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