VIP Tobias macht's: In den Niederlanden studieren

Serie Es gibt sie überall. Eigentlich gehört jeder dazu. Zu den VIPs. Damit meinen wir allerdings nicht die „Very Important Persons“, die auf roten Teppichen rumstöckeln, sondern die „Very Interesting Persons“, die uns im Bus, an der Supermarktkasse oder im Schwimmbad begegnen. Wir stellen Euch in dieser Scenario-Reihe junge Menschen vor, die ganz klar VIPs sind. Heute: Tobias.

  • VIP Tobias Twente

    Tobias kann den Uni-Stress ganz gut ausgleichen: Sportangebote gibt es an der Uni Twente genug.

Ins Ausland zu reisen und dort gleichzeitig das Wunschstudienfach zu studieren ist für viele Studenten ein Traum. Einige entscheiden sich daher für ein Auslandssemester, andere verbringen gleich ihr gesamtes Studium im Ausland. Tobias beweist, dass die Universität im Ausland nicht zwingend Tausende Kilometer von zu Hause entfernt sein muss. Der Recklinghäuser, der vor zwei Jahren sein Abitur am Marie-Curie-Gymnasium machte, entschied sich für das Studienfach International Business Administration (IBA) an der University of Twente in Enschede, die nur zwei Zugstunden von Recklinghausen entfernt ist.

Vom Seminar zum Sportplatz

Inspirieren lassen hat sich Tobias durch seinen großen Bruder, der dasselbe Fach in Rotterdam studiert. Die Besuche bei ihm haben Tobias so gut gefallen, dass er sich ebenso dazu entschloss, in Holland zu studieren.
Die University of Twente ist eine niederländische Universität für Technik und Sozialwissenschaften in Enschede in der Region Twente mit 9 500 Studenten. Seit dem Sommer vergangenen Jahres wohnt Tobias direkt auf dem Campus, der allerlei zu bieten hat: Hier haben die Studenten einen eigenen Supermarkt, einen Friseur und eine Bibliothek. Doch besonders für Sportler, zu denen auch Tobias gehört, ist der Campus sehr attraktiv. Hier lassen sich drei Fußballfelder, drei Hockeyfelder, eine große Tennisanlage, Beachvolleyballplätze, ein Fitnessstudio und sogar ein Hallen- und ein Freibad vorfinden. Auch neue Sportarten wie Baseball, Lacrosse oder Football können hier ausprobiert werden. Und für Fußballfans ist das Stadion des FC Twente nur fünfzehn Minuten vom Campus entfernt.

„Vor allem die internationale Atmosphäre finde ich angenehm und auch, dass der Studiengang durchgehend auf Englisch ist, hat mich sehr gereizt“, beschreibt Tobias. Sein Studiengang International Business Administration ist vergleichbar mit einem Bachelor-Studium der Betriebswirtschaftslehre in Deutschland und dauert auch in Enschede drei Jahre lang. Allerdings ist das Studium nicht in sechs Semester, sondern in vier Module pro Jahr aufgeteilt, die jeweils zehn Wochen lang dauern.
„Von Freunden, die in Deutschland BWL studieren, habe ich erfahren, dass bei ihnen im ersten Jahr vor allem Mathe, Finanzrechnen und Statistik im Vordergrund steht. Das ist bei uns wesentlich komprimierter“, erklärt Tobias. „Bei uns wird im ersten Jahr deutlich mehr Wert darauf gelegt, das Grundgerüst einer Firma zu verstehen und auch ihre Rolle auf dem Markt. Dazu gehören viele theoretische Anteile, aber gleichzeitig auch das praktische Arbeiten mit einer Firma.“

Im zweiten Studienjahr wird's ruhiger

Ein weiterer Unterschied ist, dass der 19-Jährige in einem sogenannten TOM-System studiert. Das bedeutet, dass Tobias nicht wie in Deutschland nur nach jedem Halbjahr Klausuren schreibt, sondern alle fünf Wochen. Zudem läuft in jedem Modul parallel eine Projektarbeit, in der man in Teams arbeitet und an Fallbeispielen Firmenarbeiten lösen muss. „Dieses System erfordert auch für mich einiges an Disziplin, denn ich darf hier im Gegensatz zu deutschen Universitäten in keinem Modul durchfallen. Im ersten Jahr ist der Druck besonders hoch, denn der Fokus liegt nur auf ,bestehen’ oder ,nicht bestehen’. Wenn man dort zwei Module nicht bestehen sollte, sei es wegen einer misslungenen Gruppenarbeit oder wegen eines Fachs, das einem nicht liegt, muss man das Studium abbrechen und darf das Fach drei Jahre lang in Holland nicht mehr studieren“, erklärt der ehrgeizige Student. Erst im zweiten Studienjahr würde es etwas ruhiger werden.

Obwohl das Studium sehr nervenaufreibend ist, befürwortet Tobias das TOM-System, weil er so einen besseren Überblick über seine Noten und den Wissensstand behält und nicht den Stoff von einem ganzen Halbjahr lernen muss. Die intensive Zeit, die das Studium erfordert, sei auch der Grund, weshalb Tobias noch keine Zeit gefunden hat, Niederländisch zu lernen. Die Abende in Enschede verbringt er meist zusammen mit seiner sechsköpfigen WG. Dort hat er auch Sebastian, einen sehr guten Freund aus Hamburg, gefunden, der zeitgleich das IBA-Studium begonnen hat. Mit der aktuellen Projektgruppe habe er sogar einen Stammtisch eingeführt. Sie treffen sich donnerstags auf einen Spieleabend oder fahren mal in die Stadt, um auf Partys zu gehen. „Ich muss aber auch dazu sagen, dass Enschede keine Weltstadt ist und man daher nicht viel in Sachen Nachtleben oder Partys erwarten darf. Aber für mich geht es hier vor allem um das Studium und das ist von einem bunt zusammengewürfelten Team aus der ganzen Welt sehr kreativ und realitätsnah gestaltet und genau das, was zu mir passt“, freut sich Tobias.

Interessiert Ihr Euch für ein Studium in Holland? An der Universität Twente finden am 17., 18. und 19. März „Tage der offenen Tür“ statt. Mehr hier: www.utwente.nl
Kennt Ihr junge Menschen (max. 24 Jahre), die „Very Interesting Persons“ sind und deren Geschichte wir hier auf Scenario erzählen sollen? Dann schreibt an scenario@
medienhaus-bauer.de