VIPs Kira und Sofia: Ein eingespieltes Mädels-Team

Serie Es gibt sie überall. Eigentlich gehört jeder dazu. Zu den VIPs. Damit meinen wir allerdings nicht die „Very Important Persons“, die auf roten Teppichen rumstöckeln, sondern die „Very Interesting Persons“, die uns im Bus, an der Supermarktkasse oder im Schwimmbad begegnen. Wir stellen Euch in dieser Scenario-Reihe junge Menschen vor, die ganz klar VIPs sind. Heute: Kira (19) und Sofia (16).

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  • VIP Kira und Sofia

    Hier haben sich zwei gefunden: FSJlerin Kira (r.) hilft Sofia. Beide gehen respektvoll miteinander um.

  • VIP Kira und Sofia

    Sofia liebt es, in der Küche zu arbeiten.

Wenn man Sofia anschaut, muss man einfach lachen. Denn ihre fröhliche Art und das Strahlen ihrer runden Augen zaubert jedem ein Lächeln ins Gesicht. Sofia ist 16 Jahre alt und hat das Down-Syndrom. Sie ist ein rundum glücklicher Mensch und genießt das Leben, hat es aufgrund ihrer Behinderung aber nicht immer leicht. Im Alltag benötigt sie die Unterstützung ihrer Familie.

In der Schule hilft ihr ihre Schulbegleiterin Kira, die ihr Sofia Hilfestellungen gibt, wenn sie zum Beispiel Aufgaben nicht allein bewältigen kann. Die 19-jährige Kira macht ein Freiwilliges Soziales Jahr (FSJ) bei der Lebenshilfe Castrop-Rauxel, Datteln, Oer-Erkenschwick, Waltrop e.V.

Sofia besucht derzeit die zehnte Klasse der Realschule in Datteln. In dieser Klasse werden Schüler mit und ohne Behinderung beschult. Das Besondere an Sofias aktueller Situation ist, dass sie an drei Tagen in der Woche ganz normal zur Realschule geht und an den anderen beiden Tagen ein Praktikum bei der Lebenshilfe Dienstleistungen OstVest gGmbH macht. Bei der Suche des Praktikumsplatzes wurde sie von den Sonderpädagogen der Realschule unterstützt. Die Sonderpädagogen haben mit Schülerinnen und Schülern im Vorfeld regelmäßig im Hauswirtschaftsunterricht gekocht und Sofia damit gut auf die praktischen Tätigkeiten vorbereitet.

Kira untersützt Sofia in der Schule

Im Moment ist Sofia in der Küche der Offenen Kindertageseinrichtung der Lebenshilfe (OKIDELE) in Waltrop tätig. Durch das Praktikum möchte Sofia einen Einblick in das Berufsleben bekommen.
In der Schule wird Sofia von Kira unterstützt. Dort klappt es mittlerweile auch schon ganz gut: „Seit ich Sofia kennengelernt habe, ist sie viel selbstständiger geworden und kann die meisten Aufgaben alleine lösen“, freut sich Kira.

Im Praktikum benötigt Sofia keine zusätzliche Hilfe. Hier bereitet sie gemeinsam mit der anwesenden Köchin das Mittagessen für die Kinder des Kindergartens vor. Sie schnibbelt Obst und Gemüse, kocht unter Anleitung verschiedene Mittagsgerichte und hilft beim Abräumen. Und das ist keine so leichte Aufgabe: Schließlich müssen täglich bis zu 50 hungrige Kinderbäuche gefüllt werden. „Das Kochen und Backen macht mir sehr viel Spaß“, verrät Sofia. Ein Lieblingsessen hat sie natürlich auch: Pfannkuchen! Die isst auch Kira ganz gerne.

Die Chemie stimmt einfach

Kennengelernt haben sich die beiden Mädchen übrigens durch Julia Rohe. Sie arbeitet als Koordinatorin im Familienunterstützenden Dienst der Lebenshilfe Waltrop und bringt Schülerinnen und Schüler mit Behinderungen mit ihren Begleitern in der Schule zusammen. „Kira hat eine tolle Ausstrahlung und kann andere mit ihrer Begeisterungsfähigkeit anstecken. Sie ist aber auch eine ruhige, geduldige Person und damit genau das, was Sofia braucht. Ich konnte mir schon zu Beginn gut vorstellen, dass die Chemie zwischen den beiden stimmt. Das war so ein Bauchgefühl“, erklärt sie.

Mittlerweile sind Kira und Sofia wie beste Freundinnen. „Wir verstehen uns sehr gut. Es fühlt sich an, als ob ich Sofia schon viele Jahre kennen würde“, erzählt Kira. Gemeinsam bewältigen die beiden jede noch so schwierige Hürde. Auf Sofias Fortschritte in den letzten Monaten sind alle Beteiligten, wie zum Beispiel Familie, Lehrer und Kira besonders stolz: „Seit Sofia in der zehnten Klasse ist, kann sie alleine zur Schule gehen und auch alleine mit dem Bus zur Praktikumsstelle fahren“, freut sich Kira. „Das war vorher nicht möglich.“ Das Umsteigen auf dem Weg zur Praktikumsstelle und das Durcheinander mit den vielen Bussen habe Sofia bisher noch Schwierigkeiten bereitet. Doch zum Glück kennt Sofia keine Hindernisse, sondern nur neue Herausforderungen. Und die meistere sie sehr gut.

Bald kann sie vielleicht auch mal weitere Strecken alleine bewältigen, zum Beispiel mit dem Bus nach Recklinghausen fahren. Dort könnte sie dann ihrer Lieblingsbeschäftigung nachgehen: „Shoppen! Das liebe ich“, lacht Sofia.

Wohin es Sofia beruflich verschlägt, steht noch nicht fest. „Ich schaue mir verschiedene Berufsfelder an und entscheide später, was mir am meisten Spaß macht“, erzählt die 16-Jährige. Ein Praktikum im Raiffeisenmarkt Datteln und im Bistro des Gymnasiums in Waltrop hat die Jugendliche bereits hinter sich. Im Rahmen eines nächsten Praktikums im kommenden Schuljahr möchte sie die Arbeit von Floristen näher kennenlernen.
Auch für die 19-jährige Kira war der Berufswunsch vor dem FSJ bei der Lebenshilfe noch nicht vollständig ausgereift. Jetzt wo das Jahr fast vorbei ist, ist sie sich sicher: „Ich möchte gerne ein duales Studium in dem Bereich Pflege- und Wirtschaftsmanagement machen“, erklärt sie. Durch das FSJ fühlt sie sich gut auf den Bereich der sozialen und pflegerischen Tätigkeiten vorbereitet.
Die Lebenshilfe sucht derzeit noch Interessenten für ein FSJ ab dem 15. August 2017. Ansprechpartnerin ist Julia Rohe.
Bewerbungsunterlagen (Anschreiben, Lebenslauf, letztes Zeugnis, ggf. Praktikumsnachweise) können postalisch oder per Mail an folgende Adresse gesendet werden:
Lebenshilfe Castrop-Rauxel, Datteln, Oer-Erkenschwick, Waltrop e.V.
z. Hd. Julia Rohe
Kukelke 1
45731 Waltrop
Tel. 02309 / 95 88 22
E-Mail an: j.rohe@lebenshilfe-waltrop.de
Kennt Ihr junge Menschen (max. 25 Jahre) aus dem Kreis Recklinghausen, die „Very Interesting Persons“ sind? Dann gebt uns einen Tipp und mailt uns an diese Adresse:
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