Bürgerbüro

Den neuen „Perso“ gibt es nur noch mit Fingerabdruck

Anders als in manch anderem Land gibt es in Deutschland die Ausweis-Pflicht. Bürger müssen, ob sie wollen oder nicht, gültige Ausweispapiere besitzen. Das heißt nun: Fingerabdrücke abgeben.
Ein deutscher Personalausweis: Seit dieser Woche gibt’s die neuen nur noch mit Fingerabdrücken. © picture alliance/dpa

Die Pflicht, Fingerabdrücke für einen neuen Ausweis abzugeben, wird seit Anfang dieser Woche auch im Dattelner Rathaus umgesetzt – genauer gesagt: im Bürgerbüro. Seit dem 2. August ist jeder verpflichtet, beim Beantragen eines neuen Personalausweises seine Fingerabdrücke im Einwohnermeldeamt abnehmen zu lassen. Mit der neuen Regelung setzt Deutschland eine Verordnung der Europäischen Union um, die die Sicherheit der Personalausweise erhöhen soll. Dafür werden künftig zwei Fingerabdrücke im Chip des Ausweises gespeichert.

Im Monat durchschnittlich 343 Anträge auf einen neuen „Perso“

Dirk Rogge, Chef im Dattelner Ordnungsamt, hat bislang wegen der neuen Regelung noch keine Kritik von Bürgern gehört. Rogge sagt, die Akzeptanz dafür sei bei den Bürgern vorhanden. Die Abgabe von Fingerabdrücken ist auch nicht neu. Für den Reisepass sind Fingerabdrücke bereits seit 2007 verpflichtend. Eine wirkliche Alternative haben Bürger, die auf den Scan keine Lust haben oder die datenschutzrechtliche Bedenken haben, ohnehin nicht. Ein Bürger ohne gültige Ausweispapiere begeht eine Ordnungswidrigkeit. Die Stadt kann darauf mit einem Bußgeld reagieren. Im Klartext heißt das: Fingerabdruck abgeben oder zahlen. Oder vor Gericht ziehen.

Die Kosten bleiben gleich

Im Dattelner Bürgerbüro gibt es nach Angaben von Stadtsprecher Dirk Lehmanski durchschnittlich 343 Anträge für einen neuen „Perso“ pro Monat. Im Juli waren es 408. Die digitale Technik für die Abgabe von Fingerabdrücken musste auch nicht neu angeschafft werden. Zusätzliche Kosten entstanden also nicht für die Stadt. Das Scannen der beiden Fingerabdrücke dauert laut Lehmanski rund 20 Sekunden. Und teurer wird es für die Bürger auch nicht. Personen unter 24 Jahren zahlen für den neuen Ausweis 22,80 Euro. Alle anderen müssen 37 Euro berappen.

Zwischen dem Antrag und der Fertigstellung des neuen Dokuments liegen einige Wochen. Wessen „Perso“ abläuft, sollte dies beachten. Und anders als in Recklinghausen, wo im September wieder Angelegenheiten im Bürgerbüro ohne Termin möglich sein sollen, hält die Dattelner Stadtverwaltung weiter an der coronabedingten Regelung fest: Wer etwas in im Rathaus zu erledigen hat, muss vorher einen Termin vereinbaren.

In Deutschland dürfen Personalausweis-, Pass- und Meldebehörden, die Polizeivollzugsbehörden, die Zollverwaltung und die Steuerfahndungsstellen die auf dem Ausweis gespeicherten Fingerabdrücke auslesen. Darüber hinaus können Sicherheitsbehörden der EU-Mitgliedsstaaten die Fingerabdrücke aus dem Personalausweis für Identifizierungszwecke auslesen, wenn Zweifel an der Identität nach Lichtbildabgleich bleiben.

Es gibt auch Kritiker

Kritiker bezweifeln, dass die Daten auf dem Ausweis wirklich nur von „berechtigten Stellen“ ausgelesen werden können. Sie befürchten unter anderem, dass Kriminelle sich Zugang zu Fingerabdrücken von unschuldigen Personen verschaffen könnten – und diese dann missbrauchen, etwa um beispielsweise falsche Spuren bei Straftaten zu hinterlassen.

Der Abend in Recklinghausen

Täglich um 18:00 Uhr berichten unsere Redakteure für Sie im Newsletter über die wichtigsten Ereignisse des Tages.

Informationen zur Datenverarbeitung im Rahmen des Newsletters finden Sie hier.

Lesen Sie jetzt