KG-Rot-Weiß Datteln

Gegen den Trend: Mitgliederzuwachs bei den Dattelner Jecken

Das sind gute Nachrichten, wie man sie in den vergangenen Wochen nur selten gehört hat: Die KG Rot-Weiß kann sich trotz Corona-Krise über Neumitglieder im Verein freuen.
Die Kindertanzgarde der KG Rot-Weiß: Hinten v.l.n.r.: Sophie (8), Pia (8), Lara (6), Lia (6), Kimberly (6), Laura (8). Vorne v.l.n.r.: Merle (3), Finja (4), Emma (5), Marlena (3). © Sebastian Balint

Während andere Vereine über Mitgliederschwund in ihren Reihen klagen, sind bei den rot-weißen Karnevalisten sogar welche hinzugekommen. Das freut sich der ehemalige dreifache Dattelner Karnevalsprinz Stefan Luczak (50). Der überzeugte Karnevalist, der auch noch am 11.11 geboren wurde, ist auch unter dem Namen Ruhrpottprinz in der Szene bekannt.

Luczak, der als selbstständiger Kfz-Gutachter arbeitet, sagt, die Neuzugänge seien in Teilen durchaus eine Folge der Corona-Pandemie. Schließlich sei das Vereinsleben im Laufe der Pandemie nahezu vollständig zum Erliegen gekommen. Da könnten auch keine Video-Stream-Angebote drüber hinwegtäuschen.

„Allen fehlte der persönliche Kontakt“, sagt Luczak. „Das hast du richtig gemerkt, als die Kids das erste Mal wieder gemeinsam trainieren durften“, sagt der Ruhrpottprinz und deutet mit einem Kopfnicken in Richtung der Kindertanzgarde der KG Rot-Weiß, die zeitgleich voll konzentriert in ihrem neuen Tanzübungsraum arbeitet. Den haben sie Stefan Luczak zu verdanken. Der Kfz-Sachverständige hatte im vergangenen Jahr eine alte Lagerhalle an der Castroper Straße erworben und diese gleich umgebaut. Hier will er der KG ein neues Zuhause geben, einen Ort, an dem Sitzungen, Vereinsfeiern und eben auch die Trainingseinheiten der Garden und Gruppen im Verein stattfinden können.

Ohne Disziplin geht gar nichts

Zehn Mädchen zwischen drei und acht Jahren folgen, die Hände an die Hüften gelegt, mit stolz erhobenem Kinn den Kommandos der Trainerinnen Sarah Hohmann (33) und Johanna Weidlich (37). Im Rhythmus der Musik heben sie ihre Knie bis ans Kinn in die Höhe, marschieren auf der Stelle, hüpfen synchron in die Höhe und schlagen nacheinander ein Rad. Pause. Vier Durchgänge hintereinander schlauchen. Gerade bei den aktuellen Temperaturen.

Pia (vorne im Bild) ist schon ein “alter Hase” bei der Kindertanzgarde. Und das, obwohl sie erst acht Jahre alt ist. © Sebastian Balint © Sebastian Balint

Alle japsen und trotten erschöpft zu einer an der Seite des Übungsraumes stehenden Bank, wo sie ihre Taschen und etwas zu trinken hinterlegt habe. Erstmal Luft schnappen und einen Schluck trinken, bevor sie bereitwillig Auskunft über ihr Hobby, das Tanzen in der Kindergarde geben.

Sichtlich und hörbar aufgeregt setzen sie sich im Halbkreis zusammen. Um den wuseligen Haufen in den Griff zu bekommen, bedürfe es schon einer gewissen Disziplin, erklärt Trainerin Sarah Hohmann. Die 33-Jährige weiß nur zu gut, wovon sie spricht. Schließlich war auch sie jahrelang als Tänzerin aktiv.

Nachdem die erste Aufregung verflogen ist, erzählen die kleinen Tänzerinnen, warum sie sich gerade diesem Hobby so zugetan fühlen. Pia zum Beispiel hat schon vor fünf Jahren mit dem Tanzen in der Kindertanzgarde begonnen. Da war sie gerade mal drei Jahre alt.

Durch die Schwester zum Tanzen gekommen

Sie berichtet, dass schon ihre Schwestern in der Garde getanzt hätten. Und irgendwann sei sie einfach mal mit zum Training gegangen. Das sei oft der Zugang für den Nachwuchs, sagt Sarah Hohmann. Die der Spaß am Karneval und die Freude am Tanzen werde oft generationsübergreifend vererbt. Das bestätigt auch Sophie. Die Achtjährige erinnert sich noch daran, wie sie als Kleinkind im Wohnzimmer der Großmutter zur Karnevalsmusik auf und ab marschierte und sogar auf dem Tische tanzte. Die Oma regte schließlich an, die Enkeltochter möge sich doch der Tanzgarde anschließen. Gesagt getan. Ob sich eines der Mädchen vorstellen kann, das Tanzen aufzugeben, verneint jede einzelne von ihnen.

Räderschlagen gehört zum festen Repertoire der Tänzerinnen. © Sebastian Balint © Sebastian Balint

Dass das Training nicht immer nur Spaß ist, ist selbst den ganz Kleinen bewusst. Dennoch kommen sie – normalerweise – Woche für Woche zusammen, um intensiv zu trainieren. Und das, was sie da lernen, zeigen sie nur zu gerne.

Vor allem das Aufwärmen und die Dehnübungen seien anstrengend, berichten alle übereinstimmend. Aber warmmachen sei wichtig, sagen sie. „Dann kann man auch einen Spagat machen“, ruft eine von ihnen in die Runde. Und kaum hat sie es ausgesprochen, zeigt jede von ihnen stolz ihr Können. Vor dem Training stehen aktuell jedoch stets die Corona-Tests an – auch für die Kinder.

„Für die Kinder ist das überhaupt kein Thema“, berichtet Sarah Hohmann. „Das gehört einfach dazu.“

Neue Halle mit eigener Bühne

Doch die kleinen Tänzerinnen haben mit der neuen Halle nicht nur einen eigenen Tanzraum erhalten. Gleich nebenan in der Haupthalle des Gebäudes steht eine riesige Bühne samt Beleuchtung. „Die ist tatsächlich länger als die in der Stadthalle“, sagt Stefan Luczak. „Nur an die Tiefe kommen wir nicht ganz dran.“ Der Plan des Kfz-Gutachters: „Ich möchte, dass diese Halle unser neues Vereinsheim wird. Doch das muss im Rahmen der Mitgliederversammlung beschlossen werden.“ Er sei jedoch guter Dinge, sagt Luczak. Schließlich bringe die neue Halle einige Vorteile für den Verein mit sich. Auch in finanzieller Hinsicht.

Ein sichtlich stolzer Ruhrpottprinz. © Sebastian Balint © Sebastian Balint

Sarah Hohmann und Johanna Weidlich bestätigen, dass es sehr angenehm sei, nun eine feste Anlaufstelle für das Training und die anderen Vereinsaktivitäten zu haben. „Dass wir das Training bei Bedarf flexibler handhaben können, das ist schon ein Vorteil“, sagt Sarah Hohmann. Zuvor durfte die Tanzgarde in der Sporthalle einer Grundschule üben. Da müsse man sich dann schon penibel an die vorgegebenen Zeiten halten.

Die KG Rot-Weiß wurde am 14. September 1955 gegründet. Sie ist ein gemeinnütziger Verein, der zum Zwecke der Pflege des karnevalistischen Brauchtums und des Tanzsports gegründet wurde. Stefan Luczak war dreimal Karnevalsprinz.

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