Flutkatastrophe

Karnevals-Netzwerk hilft: Dattelner Stefan Luczak sammelt Spenden

Der Dattelner Stefan Luczak sammelt und verteilt Spenden in den Regionen, die von der Flutkatastrophe betroffen sind. Zustande gekommen ist die Hilfsaktion über sein Karnevalsnetzwerk.
Stefan Luczak ist gerade dabei, einen großen Transporter mit Mineralwasser und anderen Erfrischungsgetränken für die Betroffenen der Flutkatastrophe zu füllen. Foto: Martin Pyplatz © Martin Pyplatz

Im Karneval ist gute Laune und eitel Sonnenschein angesagt. Dass Jecken aber auch in der Not zusammenstehen, zeigt sich dieser Tage hier bei uns in Datteln. Nachdem die Wassermassen über Teile von Nordrhein-Westfalens und Rheinland-Pfalz hereingebrochen waren und viele Orte verwüstet haben, startete der Wuppertaler Karnevalist Thomas Bruns einen Spendenaufruf für die Menschen und Helfer in den betroffenen Hochwasserregionen. Das las sein Dattelner Freund und Karnevalskollege Stefan Luczak, in der Region bekannt als „Ruhrpottprinz“ und Vertreter der Unabhängigen Bürgerpartei (UBP) im Dattelner Stadtrat. Und Luczak fackelte nicht lange. Sogleich rief auch er sein gesamtes Netzwerk in und um Datteln zum Spenden auf. Und Datteln spendet.

Über 20 Spendenfahrten

Seitdem sind Luczak und sein Team, bestehend aus vier bis fünf Helfern, tagein tagaus damit beschäftigt, Spenden zu sammeln und sie nach und nach dorthin zu fahren, wo sie gebraucht werden. „Bis jetzt bin ich über 20 Mal hochgefahren“, sagt Luczak, kurz bevor am Dienstagnachmittag erneut zu einer Spendenfahrt aufbricht. „Hoch fahren“, das bedeutet in dem Fall nach Wuppertal. Denn dort liefert Luczak die Dattelner Spenden hauptsächlich ab, von da aus werden die Hilfsgüter weiter verteilt. Dreh- und Angelpunkt sei das Brauhaus Wuppertal, berichtet Luczak. Dort würden auch Lebensmittel verarbeitet und in den Krisenregionen verteilt, in Wuppertal, Solingen und in dem Raum Ahrweiler. Denn noch immer gebe es Orte ohne Strom und Wasser. Da ist Suppe kochen nicht mal eben so drin. Dem Dattelner ist es wichtig, die Sachspenden vorsortiert und getaktet in ortskundige Hände abzugeben. Manche Regionen seien ein einziges Nadelöhr, viele Zufahrtswege seien verstopft. Da bringe es nichts, wenn private Helfer mit gut gemeintem Engagement im Weg stehen und noch mehr behindern als helfen.

Wasser und Lebensmittel werden gebraucht

Über seine Kontakte erfährt der Dattelner genau, was momentan vor Ort gebraucht wird. Vier Stromaggregate hat er mittlerweile schon transportiert, momentan sind Wasser, Lebensmittel und Hygieneprodukte gefragt. „Die Helfer vor Ort müssen ja auch versorgt werden“, sagt Luczak. Sie bräuchten neben Lebensmitteln vor allem auch Handtücher, Handschuhe, Sonnencreme, Toilettenpapier und Zahnpasta. „Viele haben mit Sonnenbrand oder Magen-Darm-Problemen zu tun“, sagt Luczak. Möbel und Kleiderspenden hingegen würden derzeit nicht benötigt. „Die Lager sind voll“, so der Dattelner. Und er hat noch einen Appell: „Bitte nicht den Keller entrümpeln und das dann bei uns abgeben“, sagt er. Das mache ihm und seinem Team nur zusätzlich Arbeit. „Wir müssen ja alle Spenden einmal in die Hand nehmen“, erklärt er. „Es wurden hier schon Gardinen abgegeben und abgelaufene Schokolade“, erzählt er. Das helfe gerade wirklich niemandem weiter.

Katastrophentourismus in den zerstörten Regionen

Und noch etwas ärgert den engagierten Dattelner, Stichwort Katastrophentourismus. „Wir haben schon Leute mit Kameras gesehen, die da Fotos gemacht haben“, berichtet er. Und auch einen „Helfertourismus“ in die Flutgebiete sieht Luczak kritisch. Er selbst fährt mit einem großen Transporter hin, lädt die benötigten Sachspenden an den zentralen Sammelstellen aus, und fährt wieder. Viel mehr könne man momentan nicht tun. „Die Leute sind traumatisiert“. Es gebe viele gute Ideen und Ansätze, den Menschen in den Krisenregionen zu helfen, aber jetzt gehe es erstmal um die Versorgung mit dem Nötigsten.

Sachspenden für Stefan Luczak und seine Helfer können an einer Lagerhalle an der Castroper Straße 241 abgegeben werden. Geldspenden sind ebenso möglich. Luczak und sein Team kaufen von diesen dann die benötigten Lebensmittel ein. Geldspenden koordiniert Luczak über den Verein KiDZg e.V Projekt, mit dem er eigentlich Kinder in der Region unterstützt. Der Verein hat ein Spendenkonto eingerichtet: Hypovereinsbank, DE59 3022 0190 0026 5556 47, Verwendungszweck: Spende/Überschwemmung

Der Abend in Recklinghausen

Täglich um 18:00 Uhr berichten unsere Redakteure für Sie im Newsletter über die wichtigsten Ereignisse des Tages.

Informationen zur Datenverarbeitung im Rahmen des Newsletters finden Sie hier.

Lesen Sie jetzt