Jahresbericht der Ehe-, Familien und Lebensberatung

Probleme wurden verstärkt: „Corona hat wie ein Brennglas gewirkt“

2020 war kein einfaches Jahr. Die Pandemie hat viele Menschen an ihre Grenzen gebracht. Das spiegelt sich im Jahresbericht der Ehe-, Familien und Lebensberatung Datteln-Ostvest (EFL) wider.
Beate Borgmann (links) und Ute Kieslich sind froh, dass sie in den vier Ehe-, Familien- und Lebensberatungsstellen im Kreis Recklinghausen die Beratung weiterführen konnten. © Bischöfliche Pressestelle/Michaela Kiepe

Die Corona-Krise hat im vergangenen Jahr die Menschen vor extreme Herausforderungen gestellt. Das haben die Mitarbeiter in den vier Ehe-, Familien- und Lebensberatungsstellen des Bistums Münster im Kreis Recklinghausen erfahren. „Corona hat wie ein Brennglas gewirkt, durch das viele Probleme nochmals verstärkt wurden“, hat Dr. Ute Kieslich, Leiterin der Beratungsstellen in Recklinghausen und Datteln, beobachtet. Letztere ist Anlaufstelle für Ratsuchende aus dem gesamten Ostvest, also auch für Bürger aus Waltrop und Oer-Erkenschwick.

Verlust und Trauer spielten eine große Rolle

Beate Borgmann, die den Beratungsstellen in Marl und Dorsten vorsteht, fügt hinzu: „Bereits bestehende Belastungen wie Ängste, soziale Isolation, psychische Erkrankungen und Beziehungskonflikte zeigten sich in einer verschärften Weise.“ Verlusterfahrungen oder Trauer spielten insgesamt eine große Rolle. Ebenso aber auch die Sorge um die Eltern und deren Pflege. „Familien waren oft mit der Enge durch Homeschooling und Homeoffice überfordert. Die Themen Nähe und Distanz waren deshalb auch häufig Inhalte in der Beratung“, konkretisiert Kieslich.

498 Beratungskontakte hat es im vergangenen Jahr in der Beratungsstelle Datteln-Ostvest gegeben, das sind vier mehr als im Vorjahr. „Wir haben keinen großen Einbruch durch die Corona-Pandemie zu verzeichnen, denn wir haben sehr schnell auf den Lockdown reagiert und auf Telefonberatung sowie auf digitale Angebote umgestellt“, berichtet Kieslich. Zum Beispiel Chats oder Videokonferenzen. Das habe auch in der Paarberatung gut funktioniert.

156 Kinder von den Problemen betroffen

Die meisten Ratsuchenden in der Dattelner Anlaufstelle waren Frauen. 128 weibliche Klienten und 80 männliche wurden betreut. Ein Großteil (47 Prozent) war zwischen 40 und 59 Jahre alt. Von den familiären Konflikten, die zur Sprache kamen, waren 156 Kinder unter 18 Jahren betroffen, ist weiter in dem Jahresbericht zu lesen. Krankheit und Tod gehörten zu den bedrohlichsten Erfahrungen, die in der Beratung zur Sprache kamen, schreibt die EFL.

Kritische Lebensereignisse und Verlusterfahrungen spielten demnach in 40 Prozent der Beratungen eine Rolle, in 30 Prozent der Gespräche ging es um das Thema Trennung, das im Vergleich zu Vorjahren verstärkt in den Fokus geraten ist. Soziale Isolation, Probleme bei der Kinderbetreuung, Verlust der Tagesstruktur, Homeoffice, Home-Schooling und finanzielle Sorgen brachten Familien, Paare und Einzelne 2020 darüber hinaus an ihre Grenzen. Einen deutlichen Anstieg verzeichneten die Beratungsstellen bei einigen Problembereichen. „40 Prozent nannten als Thema Selbstwert/Kränkung und 21 Prozent Ausbildung/Arbeitssituation. Das ist ein deutlicher Anstieg im Vergleich zu den Vorjahren“, sagt Borgmann.

Wege finden, um mit dem Schweren umzugehen

„Wir schauen, dass die Menschen es schaffen, gute Wege zu finden und Kräfte zu mobilisieren, um mit dem Schweren umzugehen. Das ist unser Ansatz“, sagt Kieslich.

Der Publikumsverkehr ist in den Beratungsstellen stark eingeschränkt worden. „Das halten wir mit Blick auf die Delta-Variante auch zunächst bei“, erklärt die Dattelner Stellenleiterin weiter. Über das Sekretariat können sich Bürger zu Beratungsgesprächen anmelden, außerhalb der Sekretariatszeiten ist ein Anrufbeantworter geschaltet, es wird zurückgerufen.

Kontakt: Ehe-, Familien und Lebensberatung, Beratungsstelle Datteln-Ostvest, Hachhausener Str. 67, Tel. 02363/3875400. Das Sekretariat ist montags von 9 bis 12 und von 13 bis 15 Uhr erreichbar. www.ehefamilieleben.de.

Das Beratungsangebot der EFL Datteln-Ostvest wird übrigens zum überwiegenden Teil aus Mitteln des Bistums Münster getragen, das Land NRW steuert einen Zuschuss für Familienberatungsstellen bei.

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