Dämmerschoppen

Unternehmer üben Kritik: Keine Präsenz der Wirtschaftsförderung?

Jan Baron hatte zum Unternehmer-Dämmerschoppen eingeladen. Bei dem Treffen ließen die Anwesenden die Pandemie-Monate Revue passieren. Neben ihren Sorgen machten sie auch ihrem Ärger Luft.
Jan Baron (l.) hatte zum Unternehmer-Dämmerschoppen eingeladen, auf dem auch Kritik an der Arbeit der Wirtschaftsförderung laut wurde. Kaufhauschef Markus Danielsmeier (m.) war auch zu Gast. Fachbereichsleiter Michael Hans (r.) hätte sich gewünscht, dass die Wirtschaftsförderung zu dem Treffen eingeladen wird. © Sebastian Balint

Dachdeckermeister Jan Baron (51) berichtet, dass er in den vergangenen Monaten immer wieder mit verschiedenen Unternehmern ins Gespräch gekommen sei. Dabei habe man sich auch über die zurückliegenden Pandemie-Monate und die Auswirkungen auf die Dattelner Unternehmen ausgetauscht. Irgendwann sei er zu dem Schluss gekommen, dass es an der Zeit sei, die Unternehmer an einen Tisch zu bringen. „Also habe ich kurzfristig zu einem Dämmerschoppen eingeladen“, sagt der 51-Jährige. 36 Dattelner Unternehmer folgten der kurzfristigen Einladung des Dachdeckermeisters. In den ersten Minuten stand vor allem die Wiedersehensfreude im Vordergrund. Schon viel zu lange habe man sich nicht mehr gesehen, viel zu lange habe man sich nicht ausgetauscht oder einfach einen ungezwungenen Abend miteinander verbracht. Nach und nach fanden sich an den Stehtischen auf dem Firmengelände des Dachdeckers Baron am Drievener Weg kleinere Grüppchen zum direkten Austausch ein.

Handwerker klagen über fehlende Auszubildende

Oben auf lagen vor allem die Auswirkungen der Corona-Pandemie auf die Unternehmen. Und die hätten unterschiedlicher nicht ausfallen können. Jan Baron berichtete etwa, dass das Handwerk sicher zu den Gewinnern der Krise gehört. „Meine und auch die Auftragsbücher vieler Kollegen sind so voll, dass wir teilweise gar keine Aufträge mehr annehmen können“, sagt der 51-Jährige. Das liege aber auch daran, dass es aktuell schwer bis unmöglich sei, Auszubildende oder auch bereits ausgelernte Mitarbeiter für das Handwerk zu gewinnen.

Große Hoffnungen hätten er und seine Kollegen daher in die Jobbörse „First Job – First Contact“ gesteckt, die 2019 in einer Kooperation der Dattelner Wirtschaftsförderung und Unternehmern aus der Kanalstadt stattgefunden hatte. Im vergangenen Jahr musste sie coronabedingt jedoch ausfallen. Die Wirtschaftsförderung will auf jeden Fall an der Börse festhalten. Planungen seien zum jetzigen Zeitpunkt aber nicht möglich, erklärt Fachdienstleiter Michael Hans. „Das wäre nicht seriös. Der Coronaschutz gibt uns nicht die Möglichkeit langfristig zu planen.“

Busunternehmer findet Weg aus der Krise

Für Daniel Minarzik, Geschäftsführer des Busunternehmens ZiK.Bus, stand das Überleben des Unternehmens zwischenzeitlich auf der Kippe. Coronabedingt waren lange Zeit keine Reisen möglich und selbst als sie wieder möglich wurden, machten die Bürger nur zögerlich Gebrauch davon – für ein Reisebusunternehmen denkbar schlecht. Doch getreu dem Motto „Ende gut, alles gut“ ging das Unternehmen sogar gestärkt aus der Krise hervor. „Wir haben unsere Busflotte in dieser Zeit sogar noch erweitern können“, freut sich Minarzik.

Gelungen sei das, weil man sich im Unternehmen viele Gedanken darüber gemacht habe, wie man sich hinsichtlich der Entwicklungen rund um die Corona-Pandemie aufstellen muss. Mit dem Einzug von Hygiene-Konzepten in Großunternehmen spiele auch der Transfer von Mitarbeitern eine immer größere Rolle, erklärt Minarzik. Um sicherzustellen, dass nach Überprüfung der 3G-Regeln zwischen zum Beispiel Werkstor und Werkshalle, ungesicherte Kontakte ausgeschlossen werden können, setzen große Unternehmen auf den Bus-Transfer. Und den bietet Daniel Minarzik mit seinem Unternehmen an.

Fachdienstleiter weist Kritik zurück

Während es für die Jobbörse der Wirtschaftsförderung viel Lob von den Unternehmern gab, wurde an den Tischen aber auch Kritik laut. So wurde behauptet, die Wirtschaftsförderung sei nicht erreichbar und somit „nicht existent.“ Ein Vorwurf, den Michael Hans, Leiter des Fachdienstes Wirtschaftsförderung, so nicht im Raum stehen lassen will. „Das während der Öffnungszeiten niemand erreichbar ist, das halte ich für ausgeschlossen“, sagt Hans. Sicher, es komme vor, dass sich die Mitarbeiter der Wirtschaftsförderung zeitgleich in Telefongesprächen oder Außer-Haus-Terminen befinden. „Aber dann springt unser Anrufbeantworter an und wir melden uns zurück.“ Es könne natürlich passieren, dass „mal etwas untergeht. Und das tut mir dann auch wirklich leid“, sagt Hans. Kaufhauschef Markus Danielsmeier sagt, er hätte sich gewünscht, dass die Wirtschaftsförderung während der Corona-Pandemie präsenter gewesen wäre. Das hätten auch viele seiner Kollegen bestätigt. So habe man in der Unternehmerschaft Hilfsangebote seitens der Wirtschaftsförderung vermisst. „Ein Signal hätte da schon gereicht“, sagt Danielsmeier. „Einfach mal gesagt zu bekommen, ‚Leute, wir sind überlastet und können nicht so wie wir wollen. Aber wir haben euch nicht vergessen‘.“ Das hätte aus seiner Sicht schon viel Druck vom Kessel nehmen können, sagt der Kaufhauschef. Es habe seitens der Stadt jemand gefehlt, der den Unternehmern Mut macht.

Mitarbeiter müssen in anderen Fachbereichen aushelfen

Kritisch sahen die Unternehmer auch den Einsatz des Wirtschaftsförderers Stefan Huxel für das Ordnungsamt. Fachbereichsleiter Michael Hans kann Einsätze dieser Art aber erklären. „Es gibt für jeden Mitarbeiter Pflichtaufgaben, die er erfüllen muss“, sagt Hans. „Und im Bedarfsfall müssen sie auch in anderen Fachbereichen aushelfen. Das kann zum Beispiel ein Evakuierungseinsatz sein.“

Michael Hans bedauert, dass bei den Teilnehmern des Dämmerschoppens der Eindruck entstanden ist, die Wirtschaftsförderung sei nicht präsent, bzw. erreichbar. Er hätte sich aber auch gewünscht, dass die Wirtschaftsförderung zu einem solchen Treffen eingeladen wird. „Dann hätten wir Rede und Antwort stehen können. Schade, dass uns diese Möglichkeit nicht gegeben wurde.“

Nicht genug Personal

Aktuell sind in Datteln 2484 Gewerbe angemeldet. Für die Wirtschaftsförderung der Stadt Datteln schlichtweg zu viele, um alle persönlich kontaktieren zu können, erklärt Michael Hans auf Nachfrage unserer Redaktion. „Bei Ummeldungen aus anderen Städten können wir davon ausgehen, dass es erfahrene Unternehmer sind, die wissen, was sie tun“, sagt Hans. „Bei Neugründungen, wo wir einen Beratungsbedarf vermuten, melden wir uns schon. Selbst in Coronazeiten haben wir das online angeboten.“ Er empfiehlt allen Unternehmern, sich in die Mailingliste der Wirtschaftsförderung eintragen zu lassen, um immer auf dem Laufenden zu bleiben.

Cordula Brink

  • Tel.: 02363/107-269
  • E-Mail: cordula.brink@stadt-datteln.de

Stefan Huxel

  • Telefon 02363/107-295
  • E-Mail: stefan.huxel@stadt-datteln.de

Der Abend in Recklinghausen

Täglich um 18:00 Uhr berichten unsere Redakteure für Sie im Newsletter über die wichtigsten Ereignisse des Tages.

Informationen zur Datenverarbeitung im Rahmen des Newsletters finden Sie hier.

Lesen Sie jetzt