2021: Bürger-Zoff um neuen Feuerwehr-Standort in Kirchhellen

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Monika Stratmann (v.l.), Barbara Peuler und Ute Riedel-Kolbe setzen sich dafür ein, dass die Feuerwache an einem anderen Standort gebaut wird. © Petra Berkenbusch (Archiv)
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Kirchhellen braucht eine neue Feuerwache, das ist unbestritten. Am Standort für die neue Wache scheiden sich jedoch die Geister. Gegner und Befürworter stehen sich recht unversöhnlich gegenüber. Einen richtigen Schritt in die Zukunft gab es 2021 für das Projekt nicht. Stattdessen nahm der Streit mit einer „Flugblatt-Affäre“ zeitweise eine kuriose Wendung.

Die Stadt möchte die Feuerwache vom zu klein gewordenen Standort an der Schulstraße zur Ecke Rentforter Straße/In der Koppel umziehen lassen. Dafür hat sie bereits ein Grundstück erworben. Um ein weiteres Stück Land wird verhandelt, denn die Feuerwache soll möglichst nah an die Rentforter Straße heranrücken.

Der Kiebitz, das Klima, die Verkehrssicherheit

Auch wenn die Feuerwehrfahrzeuge dann nicht direkt an ihren Häusern vorbeifahren, die Anwohner des Wohngebiets In der Koppel wollen sie trotzdem nicht haben. Unter anderem fürchten sie um den Bestand der Kiebitze, die sich auf dem Feld angesiedelt haben. Sie sorgen sich aber auch um die Sicherheit der Schulkinder aus dem Neubaugebiet rund ums Schultenkamp, die künftig auf ihrem Schulweg Einsätzen der Feuerwehr in die Quere kommen könnten. Und ums Klima.

Längst haben die Anwohner eine Bürgerinitiative gegründet. Zu konstruktiven Gesprächen mit Politikern über alternative Standorte sei es jedoch nicht gekommen, beklagen sie immer wieder. Die gescholtenen Bürgervertreter wiederum verwiesen zum einen auf das ergebnisoffene Verfahren, für das noch diverse Gutachten als Entscheidungshilfen ausstehen, und die Corona-Pandemie, die persönliche Zusammenkünfte größerer Gruppen zeitweise nicht zugelassen habe.

Anonymer Autor bezeichnete Flugblatt als Satire

Im Sommer dann brachte ein Flugblatt eine ganz neue, allerdings zweifelhafte Qualität in die Debatte. Der Flyer wurde im Neubaugebiet Schultenkamp verteilt und gab vor, von den Vorstandsmitgliedern der Bürgerinitiative unterzeichnet und formuliert zu sein.

Ein offensichtlich den Feuerwehrplänen nahe stehender Autor bezichtigte darin die Bürgerinitiative, ausnahmslos eigene Grundstücks- und Ruheinteressen zu vertreten, Gegenargumente einfach zu erfinden und schlecht gelaunt zu spalten und zu hetzen, um den Feuerwehr-Neubau zu verhindern.

Kurz nach der Verteilung des Flugblattes in der Pastor-Dahlmann-Straße, am Kirchhellener Ring und am Tappenhof erreichte die Redaktion der Dorstener Zeitung ein anonymes „Bekennerschreiben“. Darin hieß es unter anderem: „Die Personen, die beim Austeilen des Flugblattes teilweise von Videokameras gefilmt wurden, haben lediglich beim Verteilen geholfen und taten dies zu vorgerückter Stunde mit eingeschränktem Urteilsvermögen.

Flugblatt-Verteiler hatten Angst vor Entdeckung

Ziel der Aktion sollte nicht sein, die auf dem Flugblatt fälschlicherweise genannten Personen zu diffamieren, sondern sich in satirischer und polemischer Art und Weise mit der Arbeit der Initiative auseinanderzusetzen und deren teilweise falschen und ungerechtfertigten Behauptungen zu kritisieren.“

Der Mensch, der sich „Uwe Urheber“ nannte, gab später zu, die Aktion mit dem Fake-Flugblatt sei „nicht unbedingt die beste Idee gewesen“. Zu dieser Erkenntnis hatte offensichtlich erheblich die Tatsache beigetragen, dass die Verteiler des Flugblatts von Überwachungskameras gefilmt worden waren und nun Angst davor hatten, identifiziert worden zu sein.

Entscheidung für Alt-Bottrop ist gefallen

Während der Streit um den Kirchhellener Feuerwachen-Standort 2022 sicher in eine neue Runde gehen wird, hat der Rat der Stadt für Bottrop eine – ebenfalls nicht unumstrittene – Entscheidung für Alt-Bottrop getroffen: Für mehr als 70 Millionen soll auf Vorschlag der Verwaltung in der Nähe des jetzigen Standortes der Hauptwache an der Hans-Sachs-Straße eine neue Feuerwache entstehen – nah am Marienhospital und am Rande einer klimatisch bedeutsamen Frischluftschneise.