Büchners „Woyzeck“ feierte als groteske Freak-Show im Studio Premiere

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Anschaulich kommt das Tierische im Menschen über die Rampe (v.l.): Raphael Westermeier, Ekkehard Freye, Linda Elsner und Nika Mišković. © Birgit Hupfeld
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„Grotesk! Was ein Abend!“ kommentieren die beiden Schlächter die Aufführung von Georg Büchners Dramen-Fragment „Woyzeck“. Und das fasst die Inszenierung von Jessica Weisskirchen im Studio gut zusammen.

Die Regisseurin wollte das Tierische im Menschen, seine Abgründe sichtbar gemacht. Dabei wurde sie tatkräftig von Ausstatter Günter Hans Wolf Lemke unterstützt.

Die vier Schauspieler stecken in kuriosen Kostümen

Er steckte das Mimen-Quartett in kuriose Kostüme, die die Schauspieler wie eine Mischung aus Mensch und Tier aussehen lassen. So trägt Woyzeck eine Art Gürteltier-Rucksack.

Seiner geliebten Marie hat Lemke Hufe als Schuhe verpasst. Die trägt auch der Hauptmann, der dazu mit einer Art Pferdegeschirr mit Scheuklappen ausgestattet ist, später muss er auch mal wiehern.

Die Intention der Regisseurin wird anschaulich umgesetzt

Und der Doktor steckt in einem Overall – natürlich aus weißem Stoff – und hat an den Handschuhen lange silbrige Fingernägel. So bleibt nichts der Fantasie überlassen, die Intention der Regisseurin anschaulich umgesetzt.

Gespielt wird die Geschichte vom Soldaten Woyzeck, der sich seinen Soldatensold als medizinisches Versuchsobjekt, er darf nur Erbsen essen, aufbessert, in einem abstrakten, mit Gittern abgeschirmten Raum. In der Mitte ist eine Drehscheibe installiert, die sich in den 80 Spielminuten fleißig dreht.

Die Regie hat gleich zwei Rollen gestrichen

Raphael Westermeier gibt einen tollen Psycho als Woyzeck ab. Seinen Freund Andres hat die Regie gestrichen – und so spielt er ihn gleich mit, soll vermutlich seine gespaltene Persönlichkeit unterstreichen. Linda Elsner stakst auf ihren Hufen als Marie über die Bühne und hält am Ende in dieser grotesken Freak-Show einen berührenden Monolog.

Ekkehard Freye mimt den melancholischen Hauptmann, der gerne philosophiert und sich für einen guten Menschen hält. Nika Mišković ist eine leicht überdrehte Ärztin, die auch mal über die Szene krabbelt und als „Herr Doktor“ angesprochen wird.

Auch den Tambourmajor hat die Regie gestrichen. Doch da es ohne ihn nicht geht, wird seine Stimme per Lautsprecher eingespielt. Denn Marie bändelt mit ihm an und wird deshalb vom eifersüchtigen Woyzeck ermordet.

Ein intensiver Theaterabend für Freunde der grotesken Unterhaltung

Der Regie scheinen einige Textstellen besonders gut zu gefallen, sie werden im Laufe der Aufführung wiederholt. Ebenso das Volkslied vom Jäger aus Kurpfalz, das einige Male gesungen und gesummt wird.

Trotz der vielen überzogenen Ausstattungsideen ist den Schauspielern ein intensiver Theaterabend für Freunde der grotesken Unterhaltung gelungen. Das Premieren-Publikum feierte sie und das Regieteam am Freitagabend ausgiebig.

Die nächsten Aufführungen im Studio sind am 23./28./30. September jeweils um 20 Uhr im Schauspielhaus am Hiltropwall. Karten gibt es unter Tel. (0231) 502 72 22 und im Internet unter: www.theaterdo.de