Omikron-Welle

Corona-Dunkelziffer: Klinikum errechnet Dortmund-Inzidenz von 1000 bis 1500

Wie stark verbreitet sich die Corona-Variante Omikron? Wie hoch ist die Dunkelziffer? Einen Hinweis geben Test-Ergebnisse aus dem Klinikum Dortmund. Dort rechnet man mit zwei Wellen.
Dr. Bernhard Schaaf rechnet mit zwei Corona-Wellen – wenn auch zwei ganz unterschiedlichen. © Pietsch

Wer fünf Tage nicht im Dienst war, muss sich testen lassen. Das gilt für die Mitarbeiter des Klinikums Dortmund. Logisch nach den Feiertagen und dem Jahreswechsel: Es gab viele Tests.

Dr. Bernhard Schaaf ist Infektiologe und Leiter der Pneumologie am Standort Nord neben dem Fredenbaum-Park. Also dort, wo seit Beginn der Corona-Pandemie die schweren Fälle behandelt werden, wo man seit fast zwei Jahren um Gesundheit und Leben vieler Covid-Patienten kämpft.

„1 bis 1,5 Prozent waren positiv“

Schaaf weiß, wie groß die Gefahr für Infizierte ist, dort zu landen. Und natürlich auch, wie wichtig es ist, dass keine infizierten Mitarbeiter dort ihre Schichten verrichten. „Wir hatten etwa 1000 Testungen von Personen, die länger als fünf Tage nicht bei uns im Klinikum waren“, erklärt er. Und auch, welche Schlussfolgerungen er daraus zieht in Richtung Dunkelziffer.

„1 bis 1,5 Prozent der Fälle waren positiv“, berichtet Schaaf. Sprich: 10 bis 15 von 1000 Getesteten. Umgerechnet bedeutet das, wenn man es übertragen würde auf die Gesamtbevölkerung, eine Inzidenz von 1000 bis 1500 pro 100.000 Einwohner in Dortmund. 10 bis 15 mal 100 eben.

Laut den offiziellen Zahlen schoss die ganze Stadt Dortmund nach einem steilen Anstieg in wenigen Tagen auf das offizielle Inzidenz-Allzeit-Hoch von 333,5 (Stand: 5. Januar). Wie ist der Unterschied zu erklären?

Zwei Corona-Wellen kommen – nur eine im Krankenhaus

Die Testung der Mitarbeiter sei eben flächendeckend, so Schaaf. Auch diejenigen, die gar keine Symptome hatten, wurden getestet. Im Alltag sei das ja anders. Da würden nur diejenigen getestet, die corona-typische Symptome hätten oder Kontakt zu Infizierten. Anderseits: Eine vierstellige allgemeine Inzidenz in den nächsten Wochen würde den Infektiologen auch nicht sonderlich überraschen.

„Wir werden zwei Wellen haben“, vermutet Schaaf. Nummer eins: „Die Welle von Menschen, die im Krankenhaus landen – das wird aber noch zwei, drei Wochen dauern“. Bis das so weit sei, müsse die Inzidenz allerdings noch deutlich ansteigen: auf 1000, vielleicht 1200 oder 1400. Dann aber „wird es wahrscheinlich dazu kommen“.

Schaaf: Quarantäne wird viele Menschen treffen

Welle Nummer zwei: eine Welle „von Menschen, die nicht arbeiten können, weil ihre Kinder positiv sind und in Quarantäne sein müssen oder wo Berufskollegen positiv sind“. Eine hohe Inzidenz bedeute eben auch viele Infizierte, die sich isolieren müssten – egal, ob mit leichtem Verlauf oder ganz ohne Symptome.

Schaafs Schlussfolgerung: „Es kommt darauf an, dass sich nicht zu viele Menschen anstecken, auch im Berufsleben, vor allem in den kritischen Infrastrukturen.“ Und dass man sich noch impfen und vor allem boostern lasse, was seit Donnerstag (6. Januar) auch im Klinikum Nord möglich ist.

„Werden Welle nicht aufhalten, aber bremsen“

Eine vollständige Impfung schütze die Unter-60-Jährigen in der Regel mindestens vor einem Krankenhaus-Aufenthalt. Wer geboostert sei, könne oft jedoch auch die eigene Infektion und das Weitergeben des Coronavirus verhindern. Durch die Impfung, so Schaaf, „werden wir die Welle nicht aufhalten, aber bremsen werden wir sie schon“.

Anders sei die Sache bei allen ab 60 Jahren aufwärts: Die seien erst nach der Booster-Impfung wieder auf der sicheren Seite. Sie würden sich durch die Drittimpfung also auch selbst schützen.

Schaafs weiterer Rat geht an alle Berufstätigen. Wenn man davon ausgehen könne, dass die Dunkelziffer sehr hoch sei, bedeute das: „Wenn man im selben Büro arbeitet und nicht durchgehend eine FFP2-Maske trägt, läuft man Gefahr, dass man sich auch ansteckt, dann asymptomatisch wieder andere ansteckt – und diese Kette wird viel, viel schneller sein als bisher.“

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