Corona

Dortmunds Gesundheitsamts-Leiter will Aufhebung der Isolationspflicht

Nach Monaten mit Omikron plädiert Dortmunds Gesundheitsamtsleiter Dr. Frank Renken in einem Interview für das Ende der Isolationsregeln und der namentlichen Meldepflicht – und kann das begründen.
Der Dortmunder Gesundheitsamtsleiter Dr. Frank Renken hat in einem Interview erklärt: „Die Inzidenz ist hoch, die Welt geht unter – dieser Satz ist falsch“
Der Dortmunder Gesundheitsamtsleiter Dr. Frank Renken hat in einem Interview erklärt: „Die Inzidenz ist hoch, die Welt geht unter – dieser Satz ist falsch“ © Montage CDC/unsplash.com/Schütze

Im Gegensatz zu Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach sieht Dortmunds Gesundheitsamtsleiter Dr. Frank Renken keine schwere Corona-Herbstwelle auf Deutschland zurollen. Gegen Lauterbachs Befürchtung spreche die hohe Immunisierungsrate durch die hoch ansteckende, aber nicht so lebensgefährliche Omikron-Variante, erklärt Renken in einem Interview mit der „Welt“.

Er gehe davon aus, dass 90 Prozent der Menschen in Deutschland immunisiert seien, also entweder geimpft, genesen oder beides. Dabei habe Omikron viel zur Durchseuchung beigetragen. Das könne man sowohl an den Infektionszahlen im Osten Deutschlands als auch in der Dortmunder Nordstadt ablesen. Renken: „Wo Impfquoten besonders niedrig sind und viele Leute Corona hatten, gibt es derzeit am wenigsten Fälle.“

Deshalb müsste die Genesung im neuen Infektionsschutzgesetz viel mehr Berücksichtigung finden, fordert der Dortmunder Gesundheitsamtsleiter. Zudem plädiert Renken für ein Ende der Isolationsregeln sowie der namentlichen Meldepflicht bei gleichzeitig mehr Eigenverantwortung der Bevölkerung.

Grundrechtseinschränkungen je nach Virus-Variante

Aus seiner Sicht müssten „die politischen Entscheidungen zu Grundrechtseinschränkungen von der Gefährlichkeit der vorherrschenden Variante abhängig sein“. Dann könne man bei wenig gefährlichen Varianten wie aktuell Omikron auf Grundrechtseinschränkungen weitgehend verzichten.

„Andererseits können bei einer schweren Variante auch tiefer greifende Maßnahmen ergriffen werden“, sagte Renken der „Welt“. Er gehe davon aus, dass im neuen Infektionsschutzgesetz der Katalog der möglichen Maßnahmen in Bezug auf die aktuell vorherrschenden Omikron-Varianten angemessen sei.

Für Renken hat die 7-Tage-Inzidenz mit der neuen Testverordnung als Frühwarnsystem ausgedient. Wichtiger seien die Kennzahlen in den Krankenhäusern. Früher habe man an der Inzidenz ablesen können, mit welcher Krankenhausbelegung zu rechnen sei. Doch weil sich immer weniger Menschen testen ließen – in Dortmund hat sich die Zahl halbiert – sei das Verhältnis verrutscht. „Die Krankenhausbelegung ist doppelt so hoch, wie wir anhand der Inzidenz vermuten würden.“

„Reine Beschäftigungstherapie“

Doch noch immer übertrage das Gesundheitsamt die gemeldeten Infektionsfälle händisch von einem System in das andere, um sie an das Robert-Koch-Institut weiterzugeben. Das mache keinen Sinn, sagt der Amtsleiter und spricht von „reiner Beschäftigungstherapie“ angesichts der weniger lebensgefährlichen Omikron-Variante.

90 Prozent der Menschen, die im Zusammenhang mit Corona stürben, seien älter als 60 Jahre. Davon sterbe die Hälfte an Corona – und der Rest mit. Renken: „Bei anderen Varianten lag der Anteil eher bei 90 Prozent. Die Inzidenz ist hoch, die Welt geht unter – dieser Satz ist falsch.“

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