Talk-Reihe „Wir müssen reden“

Machen Impfungen unfruchtbar? Immunologe beantwortet kritische Fragen

Die Omikron-Variante bestimmt die Corona-Lage. Unter den Infizierten sind immer mehr Geimpfte. Das weckt Bedenken. Der Immunologe Prof. Dr. Carsten Watzl hat viele kritische Fragen beantwortet.
Prof. Dr. Carsten Watzl im TV-Studion mit Redakteur Ulrich Breulmann beim Talk „Wir müssen reden" zum Thema Impfungen. © Felix Guth

Meldungen über Impfdurchbrüche, dazu fast tägliche Präsenz von Impfskeptikern auf der Straße und in sozialen Medien: Die Zweifel an der Wirksamkeit der Coronaschutz-Impfungen sind lauter geworden. Sie sind unberechtigt – das machte der Dortmunder Immunologe Prof. Dr. Carsten Watzl in der Talk-Reihe „Wir müssen reden“ deutlich.

Viele Leser hatten vorab Fragen geschickt. Diese betrafen viele Aspekte des Themas von Nebenwirkungen, über Impfungen für Kinder und Jugendliche bis hin zu persönlichen Fragen.

Omikron kam „zur Unzeit“

Die Omikron-Variante sei „zur Unzeit“ gekommen, wie es Carsten Watzl formulierte. „Wir hatten es geschafft, uns mit den Booster-Impfungen aus der vierten Welle mit Delta rauszuimpfen. Wenn Omikron nicht gekommen wäre, wären wir für diesen Winter fast durch gewesen.“


Doch Omikron kam und bestimmt mittlerweile das Infektionsgeschehen. Weil auch zweifach oder sogar dreifach Geimpfte häufiger unter den Infizierten sind, wächst bei manchen die Verunsicherung.

„Die Länder mit der höchsten Booster-Quote haben die höchsten Inzidenzen“, schrieb etwa ein Leser mit Blick auf Zahlen in Großbritannien oder Israel. Omikron entgehe häufiger dem Impfschutz, weshalb die Gefahr einer Ansteckung auch nach einem Booster weiterhin beseht, entgegnete Watzl. Zugleich seien die Quoten bei Hospitalisierungen oder Todesfällen unter Geimpften niedrig. „Die Impfungen machen aktuell das, was sie tun sollen: Sie schützen vor einem schweren Verlauf“, sagte Watzl.

„Wir werden die Omikron-Welle besiegen können.“

„Wir werden die Omikron-Welle besiegen können“, sagte Watzl. Die Booster-Impfung biete eine gute Grundlage und rund vier Monate optimalen Schutz. Eine vierte Impfung sei mit einem auf Omikron angepassten Impfstoff für die meisten Menschen noch einmalig notwendig. Von einer Auffrischung alle drei bis vier Monate, wie es manche befürchten, geht er aber nicht aus.

Allerdings müssten vulnerable Personen über 60 noch eine Zeit lang eine Auffrischung in jedem Herbst vornehmen. „Wenn sich das Virus nicht groß verändert, kann es auch sein, dass dieses Intervall länger wird. Und wenn es wieder eine Variante gibt, die so anders wie Omikron ist, dann wären auch die Jüngeren wieder dran.“

Kritische Fragen zu Nebenwirkungen

Watzl äußerte sich auch zu kritischen Fragen zu Impfnebenwirkungen. Diese seien gut dokumentiert. Allerdings sei das Risiko für viele Nebenwirkungen, etwa für Herzmuskelentzündungen, bei einer Corona-Infektion deutlich höher. Fragen danach, ob eine Impfung unfruchtbar mache, beantwortete er eindeutig mit Nein.

Er habe Verständnis dafür, dass Menschen die Corona-Maßnahmen satt seien, auch ihm gehe das so. „Aber der Weg dahin ist, dass die Menschen eine Grundimmunität brauchen. Entweder durch Impfung oder Infektion.“ Seine Antwort als Immunologe fällt eindeutig aus.

„Es ist besser, das Immunsystem spezifisch auf ein Virus zu trainieren, als es unvorbereitet darauf treffen zu lassen.“ Der „milde Verlauf“ von Omikron sei vor allem auf Geimpfte bezogen. Für Ungeimpfte sei die Variante gefährlicher als der Wildtyp des Virus.

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